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Luzern als Nabel der Tourismuswelt

Reto E. Wild – 26. April 2019
Gut 1300 Touristiker sind am 23. und 24. April nach Luzern zur grössten und wichtigsten jährlich stattfindenden Branchenveranstaltung der Schweiz gereist. Am Ferientag ist von Zahlen, Strategien und spannenden Zukunftsvisionen zu hören.

Das Wetter in Luzern präsentiert sich diese Woche so wie der Zustand des Schweizer Tourismus (ST): anfangs mit vielen Wolken, und später setzt sich die Sonne durch. ST-Präsident Jean-François Roth informiert: «Nach der positiven Entwicklung der Hotellogiernächte 2017 konnten wir letztes Jahr schweizweit nochmals zulegen.» Das Gesamtwachstum auf 38,8 Millionen oder plus 3,8 Prozent sei flächendeckend. «Aber wir dürfen nicht vergessen, auf welchem Niveau wir uns befinden. Im Schweizer Berggebiet fehlen im Vergleich zu 2008 nach wie vor eindrückliche 43 Prozent der Hotelübernachtungen aus Europa.» Dennoch habe die Tourismusentwicklung den Talboden erreicht. «Doch der Weg nach oben ist lang, weit und steinig. Es braucht massive Marketinganstrengungen.» Der Bundesrat will die Arbeit von Schweiz Tourismus noch mit 55 Millionen Franken pro Jahr unterstützen. Die Tourismusbranche sei mit dieser Kürzung von insgesamt 10 Millionen Franken nicht einverstanden. Präsident Roth sagt: «Die Branchenverbände appellieren ans Parlament, für ST im Zeitraum 2020 bis 2023 240 Millionen oder 60 Millionen pro Jahr zu sprechen. Nur so können wir unsere Ziele, die internationale digitale Marktbearbeitung, die Förderung der Berggebiete und die Rückgewinnung der Europäer, gemeinsam erreichen.» ST-Direktor Martin Nydegger spricht in seiner Rede davon, dass im Jahr 2030 mit weltweit 1,8 Milliarden Touristen zu rechnen sei oder rund 30 Prozent mehr als heute. Der globale Tourismus werde dann einen Jahresumsatz von 19 200 Milliarden Franken erreichen. «Für die Schweiz sehe ich 2030 ein positives Bild: Das Reiseland Schweiz ist dann begehrenswerter denn je. Wir sind ein Premiumland, klar positioniert als Naturoase und authentische Heile-Welt-Destination.» Die Alpen seien auch dann der Inbegriff für Anti-Stress. André Hefti, bei ST für Marketing und Productions zuständig, betont: «Die Wahrscheinlichkeit, dass ein Land besucht wird, ist signifikant höher, wenn dieses als Marke gesehen wird. Nur 22 Länder weltweit werden als Marke wahrgenommen.» Darunter befinde sich die Schweiz. «Das sollte uns motivieren, unser Profil zu schärfen und unsere Marke weiter zu stärken.» Denn der Kampf um Aufmerksamkeit werde in Zukunft härter. Nydegger sieht drei Hebel, mit denen Schweiz Tourismus die Zukunft gestalten sollte: 1. Gemeinsam ist man schlagkräftiger. «Wir müssen beim Angebot und bei der Nachfrage diversifizieren und gemeinsam auftreten. Mit Sorge beobachte ich, dass etliche mit isolierten Einzelaktionen den Weltmarkt erobern wollen.» 2. Convenience wird zum Must für alle. «Der Gast sucht sich heute jenen Anbieter aus, der ihm das Reiseerlebnis möglichst angenehm und unkompliziert gestaltet. Schwellenfrei unterwegs, ohne Gepäcksorgen reisen und perfekt von mobilen und virtuellen Assistenten begleitet.» 3. Digital vorankommen. «In den nächsten Monaten werden wir neue Massstäbe setzen und ein Management Information System einführen. Mit diesem Tool lassen sich Gäste- ströme noch präziser und detaillierter verstehen.» _________________________________________________________________________________________________ Die besten Tipps für die Branche
Der Marketingspezialist und US-Amerikaner Roger Brooks empfiehlt der Branche, diese Trends zu befolgen: 

  • Besucher mögen Ranglisten. «Kreieren Sie Top-5-Aktivitäten für Familien in Zürich oder historische Attraktionen in Basel. Das machen TripAdvisor oder hotels.com genauso.»
  • Reisende mögen versteckte Perlen. Destinationen sollen deshalb «hidden gems» bewerben.
  • Etwas zu lernen, kommt bei Touristen immer gut an, also «Wie macht man Schokolade, Uhren etc.»
  • Buchungen im Last-Minute-Bereich steigen weiter an. Also lohnt es sich, entsprechende Pakete zu schnüren, etwa «Lets go to Lucerne this Weekend».
  • Instagram ist für den Tourismus laut Roger Brooks im Bereich Soziale Medien am wichtigsten. Ein Bild sagt mehr als 1000 Worte. «Nutzen Sie Instagram. Es gibt kein anderes Land der Welt, das so fotogen wie die Schweiz ist», sagt der Präsident von Roger Brooks International.