Gastronomie

«Die drey scheenschte Dääg»

Daniela Oegerli – 16. November 2017
Die Fasnacht in Basel bedeutet für die ­Restaurants in der Innenstadt viel Arbeit mit wenig Gewinn. Doch für viele ist der Aus­nahmezustand eine Herzensangelegenheit.

Am Montag nach Aschermittwoch folgen auf das Kommando: «Morgestraich, vorwärts, marsch», nicht nur die drei schönsten Tage für die Basler Bevölkerung, sondern auch die intensivsten für die Gastronomen in der Innenstadt. «In den drei Tagen der Basler Fasnacht erwirtschaften wir gleich viel Umsatz wie in einem Sommermonat», erklärt Sascha Brestler, Geschäftsführer im Restaurant Schlüsselzunft in Basel. Die Fasnacht beginnt eigentlich am Montag nach dem Aschermittwoch, für die Mitarbeitenden in der Schlüsselzunft jedoch schon viel früher: «Wir müssen früh planen, organisieren, Reservationen entgegennehmen und so weiter», erklärt Brestler. Da sie ein Zunfthaus seien, hätten sie bereits am Aschermittwoch die ersten Bankette. Und für den Montag stellen sie den Betrieb komplett um: «Normalerweise haben wir 200 Sitzplätze, an der Fasnacht sind es 700.» Dieser logistische Hochseilakt gelinge nur dank dem Engagement von zahlreichen Helfenden aus der ganzen Schweiz. «Ein Mitarbeitender, der schon seit Jahren an der Fasnacht aushilft, kommt sogar aus Berlin», freut sich Sascha Brestler. Er rufe jeweils schon früh im Jahr an und frage, wann wieder Fasnacht sei und er mithelfen könne. «Die Basler Fasnacht ist schlichtweg der Event für die Stadtcasino­ ­Restaurants, beziehungsweise meine beiden Betriebe Papa Joe’s und Kohlmanns», erklärt Grischa Cassini,­­­ Brand Manager im Restaurant Kohlmanns und Mitglied der Geschäftsleitung bei der Gastrag AG. Ausserdem betreibe das Kohlmanns zusätzlich verschiedene Outlets wie den Wurstgrill vor dem Betrieb und die Barfi-Seitenterrasse. «Der Aufwand ist enorm. Doch dank meiner langjährigen Mit­arbeitenden läuft es ruhig und jeder weiss, was er zu tun hat. So greift ein Rädchen ins andere.» Für die meisten Gastronomen ist die Fasnacht trotz des drei- oder viertägigen Ausnahmezustandes eine Herzensangelegenheit. «Als Baslerin bedeutet Fasnacht für mich natürlich sehr viel. Bevor ich ein Restaurant hatte, war ich ‹Voll­blut-Fasnächtlerin› und als Pfeiferin in einer Clique engagiert», schildert Isabelle Bouarasse-Segesser, Gastgeberin im Restaurant Schnabel, ihr Engagement. Nun müsse sie arbeiten, was ihr jedoch trotz dem Stress sehr gut gefalle, da in und um das Restaurant Schnabel eine tolle und ganz spezielle Stimmung herrsche. «Der Aufwand ist natürlich enorm», gibt Isabelle Bouarasse-Segesser zu bedenken. Um den Ansturm ohne grössere Zwischenfälle bewältigen zu können, müssten sie vor der Fasnacht die Infrastruktur völlig neu aufbauen oder umstellen. «Wir dürfen nichts vergessen – von den Bestellungen bis hin zu technischen Utensilien, die es in einem Notfall brauchen könnte.» Ausserdem brauche es natürlich viel mehr Personal, das gefunden und ein­gearbeitet werden müsse. Darüber, ob sich die Beizenfasnacht in Basel finanziell lohne oder nicht, sind sich die Gastronomen nicht ­einig. Es sei sehr viel Aufwand, aber natürlich lohne sich die Fasnacht trotzdem. «Ich höre jedoch immer wieder die Aussage, dass Restaurants einen Grossteil des Jahresumsatzes an der Fasnacht machen, was absolut jenseits ist», bemerkt Isabelle Bouarasse-Segesser. Aus- serdem dürfe man nicht vergessen, dass man an diesen Tagen auch enorme Zusatzausgaben habe. Auch Sascha Brestler vom Restaurant Schlüsselzunft weiss, dass der Gewinn selbst mit dem ansehnlichen Umsatz nicht riesig ist. «Durch die vielen Arbeitsstunden der Mit­arbeitenden, die zusätzlichen Reinigungsarbeiten oder den Glasbruch entstehen natürlich grosse Kosten.» Auch Grischa Cassini von den Stadtcasino Restaurants stellt sich die Frage, ob sich die Fasnacht lohne, jedes Jahr. 2018 werde seine neunte Fasnacht sein und sie seien um einiges effizienter geworden, kennen die Gefahren und Örtlichkeiten. «Für mich als Basler ist die Basler Fasnacht zwar ein grosser Aufwand, doch die Arbeit auch ein Privileg und eine grosse Herzensangelegenheit.»