Die dritte «Zürich Experience – Summit for Urban Tourism» bringt am Donnerstag im Circle Convention Center am Flughafen Zürich rund 360 Führungskräfte und Entscheidungsträgerinnen und Entscheidungsträger zusammen. Im Zentrum stehen ein breiter Themencocktail von wirtschaftlichem Erfolg über gesellschaftliche Akzeptanz des Tourismus sowie der Frage, wie Tourismusunternehmen mit geopolitischen Unsicherheiten und veränderten Gästeerwartungen umgehen.
Zürich Tourismus-Präsident Guglielmo Brentel begrüsst die Fachkräfte mit einer kurzen Rede zum Stand des Tourismus in Zürich. Dabei macht er eines gleich zu Beginn deutlich: «Der Zürcher Tourismus muss weiter auf Qualität statt auf Quantität setzte. Nur dann ist die Akzeptanz in der Bevölkerung weiterhin hoch halten». Das heisst: Nicht mehr Gäste sollen Zürich besuchen, sondern die, die kommen sollen länger bleiben. «Nachhaltiger Tourismus entsteht durch längere Aufenthalte und nicht durch quantitatives Wachstum», so Brentel.
Diese Aussage unterstützt im Anschluss Tiana Angelina Moser, Ständerätin und Vorstandsmitglied von Zürich Tourismus. «Eine hohe Tourismusakzeptanz ist kein Freifahrtschein für unbegrenztes Wachstum!», warnt sie. Bereits heute werde der Nutzen des Tourismus, auch politisch, in Frage gestellt. Daher sei die Strategie «Wachstum über alles», nicht dienlich.
Gleichzeitig sei die Tourismusakzeptanz ein grosser Faktor für die politischen Rahmenbedingungen, die für den Tourismus gesetzt werden – auch in Zukunft. Damit blickt die GLP-Politikerin bereits auf die kommenden Debatten rund um das EU-Rahmenpaket und die Bilateralen III voraus. «Ein Grossteil der Gäste in Zürich kommt aus der EU. Der Tourismus sollte daher ein grosses Interesse daran haben, die Bilateralen zu erhalten und weiterzuentwickeln.»
Amsterdam als Beispiel
Im Anschluss an die Eröffnungskeynotes finden über den ganzen Vor- und Nachmittag Breakout-Sessions zu verschiedenen Themen, unter anderem zu geopolitischen Herausforderungen, Gästeerlebnis, KI oder die Rolle von Destinationen, statt. Einen internationalen Blick auf die Tourismusentwicklung bringt die niederländische Place-Branding-Expertin Geerte Udo ein. Sie verantwortete während 17 Jahren das Place Branding der Region Amsterdam und prägte die Marke «I amsterdam». Udo zeigt auf, weshalb Amsterdam vom klassischen Tourismusmarketing zu einem Ansatz wechselte, der die Bedürfnisse der Bevölkerung stärker berücksichtigt.
Die Frage nach den Grenzen des touristischen Erfolgs greift am Nachmittag ein Podium auf. Nationalrat David Roth, Tourismusprofessor Jürg Stettler und Guglielmo L. Brentel, Präsident von Zürich Tourismus, diskutieren über steigende Frequenzen, Nutzungskonflikte, Wertschöpfung und Arbeitsplätze. «Tourismus kann langfristig nur erfolgreich sein, wenn auch die Menschen davon profitieren, die in einer Destination leben und arbeiten», sagt Brentel. Wirtschaftlicher Erfolg und Lebensqualität dürften nicht gegeneinander ausgespielt werden.
Positives Fazit
Auch globale Entwicklungen standen auf dem Programm. Helene Budliger Artieda, Staatssekretärin und Direktorin des Staatssekretariats für Wirtschaft (Seco), ordnet geopolitische Spannungen und deren Bedeutung für die Schweizer Wirtschaft ein. Oliver Buchhofer, COO der Swiss, spricht über das internationale Konzernumfeld und wirtschaftliche Anforderungen.
Die Organisatoren ziehen zur dritten Ausgabe ein positives Fazit. «Die besprochenen Themen sind brandaktuell und machen das Programm dieses Jahr noch spannender und aktueller als in den Vorjahren. Zudem konnte die Teilnehmendenzahl gegenüber dem letzten Jahr um fast 20 Prozent erhöht werden. Das freut uns sehr uns zeigt, dass der Summit in kurzer Zeit zu einer festen Grösse in der Tourismusbranche geworden ist», sagt Michael Müller, Kommunikationschef und Mediensprecher bei Zürich Tourismus.
Die vierte Ausgabe des Summits ist für den 26. August 2027 erneut im Circle Convention Center am Flughafen Zürich geplant.