Die neusten Klimaszenarien zur Schweiz zeigen deutlich: Das Klima verändert sich schneller und die Auswirkungen werden immer gravierender. Konkret wird die Schweiz bis 2060 vermehrt von extremerer Hitze und trockeneren Sommern betroffen sein und es wird mehr Starkniederschlag und weniger Schnee geben.
Kompass Schnee: Neues Planungstool für Destinationen
Gerade der bereits jetzt weniger vorkommende Schnee macht der Tourismusbranche, und damit auch vielen Schneesportdestinationen, Sorgen. Die Planbarkeit des Angebots wird immer schwieriger, insbesondere für die Gebiete in tieferen Lagen. Aus diesem Grund hat die Branche in den letzten zwei Jahren wissenschaftliche Daten gesammelt, die den Destinationen schwarz auf weiss bis 2050 aufzeigen sollen, mit wie viel Schnee noch zu rechnen ist.
Diese Daten wurden von Schweiz Tourismus (ST) in Zusammenarbeit mit den Seilbahnen Schweiz (SBS), MeteoSchweiz, Klimaforscher Reto Knutti von der ETH Zürich und der RTA («Region Tourism Alliance») erhoben und unter dem Namen «Kompass Schnee» zusammengefasst. Mit diesem Instrument sollen die Auswirkungen des Klimawandels bewertet und die notwendigen strategischen Anpassungen in den einzelnen Destinationen geplant werden können.
«Das neue Tool ist für die gesamte Branche, dazu zählen auch die Hotellerie und Gastronomie, sehr wichtig», sagt ST-Direktor Martin Nydegger an der heutigen Präsentation in Zürich. Es biete den verschiedenen Akteuren der Branche die Möglichkeit, die aktuelle Schneesicherheit in den Destinationen zu erfassen und so das Angebot für die Zukunft unter Umständen anzupassen oder zu überdenken.
Drei Anpassungsstrategien für die Branche
Ein Blick in die Schneeprognosen bis 2050 zeigt das auf, was sich viele Destinationen bereits heute bewusst sind: Gerade Gebiete in tieferen bis mittleren Lagen werden Mühe haben, in den Wintermonaten ein Schneesportangebot aufrecht zu erhalten. Für diese Angebotsanpassung hebt «Kompass Schnee» drei Strategien hervor: weiter mit Schneesport, Leben mit unsicheren Schneeverhältnissen und die Nutzung der übrigen Saisons als Kompensation.
Solche Anpassungen sind heute bereits umgesetzt. Sattel-Hochstuckli SZ oder Atzmännig SG setzen beispielsweise auf einen Ganzjahresbetrieb, andere Gebiete wie Arosa GR oder Leukerbad VS auf ein alternatives Angebot, wenn wenig Schnee liegt. Dort rücken beispielsweise Events oder Wellnessangebote in den Vordergrund.
Eine generelle Anpassungsstrategie für alle Gebiete gibt es nicht. Aber: «Die Bereitschaft zur Angebotsanpassung ist bei den Gebieten und den Destinationen schweizweit vorhanden», sagt Berno Stoffel, Direktor der Seilbahnen Schweiz. Angst vor Investitionen gäbe es kaum, obwohl diese immer sehr genau geprüft werden müssen.
Das spiegeln auch die Zahlen wieder: Die Seilbahnbetriebe investieren gemäss Stoffel mehr als 350 Millionen Franken pro Jahr in die Infrastruktur. «Hinzu kommen Investitionen von rund 60 Millionen Franken in die Beschneiungsanlagen. Letztere werden in den nächsten zehn bis 15 Jahren auf 80 bis 90 Millionen Franken zunehmen», so Stoffel.
Wertschöpfung bleibt hoch
Ob und wie viele Gebiete sich in den nächsten Jahren teilweise oder ganz vom Schneesport verabschieden werden, ist schwierig vorherzusagen. Zu oft entscheiden die Lage oder lokale Begebenheiten wie Wetter oder Topographie über die Möglichkeit, Schneesport zu betreiben. Und: «Die Gebiete werden so lange wie möglich alles daran setzen, den Schneesport möglich zu machen», ist Seilbahnchef Berno Stoffel überzeugt. Denn die Nachfrage nach Schneesport ist nach wie vor sehr hoch und damit ist es auch die Wertschöpfung.
Davon ist auch ST-Direktor Nydegger überzeugt. Er geht dennoch davon aus, dass sich für die Marketingorganisation in Zukunft der Fokus mehr auf die Frühling- und Herbstsaison verlagern wird. «Wenn die Winter mit dem weniger werdenden Schnee kürzer werden, wird Schweiz Tourismus die Kampagnen für die Zwischensaisons Herbst und Frühling verlängern.»