Roland Ludwig, kürzlich durfte Reka neue Rekordzahlen zum abgelaufenen Geschäftsjahr präsentieren. Wie fühlt man sich dabei?
Roland Ludwig: Es ist schön, solche Zahlen präsentieren zu können. Insbesondere, wenn man bedenkt, dass sich Reka während der Coronazeit wegen der eingeschränkten Reisemöglichkeiten bereits in einer Hochphase befand. Dass die Zahlen aus dieser Zeit und auch aus dem hervorragenden Jahr 2024 nochmals übertroffen werden konnten, ist wunderbar.
Woher kommt dieser Erfolg?
Reka hat es geschafft, von Jahr zu Jahr schrittweise zu wachsen. 2025 zeigt das exemplarisch auf: Wir konnten die Auslastung, vor allem in der Hauptsaisonzeit, in der wir praktisch überall ausgebucht sind, hochhalten – auch in der Nebensaison. Gleichzeitig verzeichneten wir bei Reka-Lunch und beim Mobiltätsbudget zweistellige Zuwachsraten. All das hat zu diesem hervorragenden Resultat beigetragen.
Die Auslastung in den Ferienunterkünften ist trotz steigender Kosten und Preisen hoch. Wie kommt's?
Es ist richtig, dass das Umfeld momentan nicht einfach ist. Die Kosten für die Betriebe, und damit die Preise für die Gäste, steigen. Reka versucht aber immer, die Preise für die Gäste in einem erschwinglichen Rahmen zu halten. Das ist sicher ein Grund dafür, dass die Auslastung nach wie vor hoch ist. Dazu tragen auch die vielen Stammgäste bei, die seit vielen Jahren Reka die Treue halten. Hinzu kommt, dass Familienferien, 2025 noch mehr als in den Vorjahren, sehr gefragt sind. Neben Schweizer Familien verbringen mittlerweile auch immer mehr ausländische Gäste ihre Ferien in Reka-Unterkünften. Das zeigt, dass wir ein gutes Produkt haben, das geschätzt wird, aber auch Weiterentwicklungspotenzial bietet.
Wo sehen Sie Potenzial?
Ich bin überzeugt, dass Reka in der Schweiz noch viel Potenzial hat, noch spezifischere Familienangebote anzubieten. Das grösste Potenzial sehe ich im Hotelbereich, genauer im Drei- bis Viersterne-Segment, wo die Nachfrage in den letzten Jahren stetig gewachsen ist. In diesem Bereich ist uns das nahe Ausland, wie beispielsweise Österreich oder das Südtirol, weit voraus.
Reka bietet mit ihren elf Feriendörfer, zwei Hotels und den zahlreichen Ferienwohnungen ein umfassendes Angebot für Familien in der ganzen Schweiz. Welche Destinationen laufen besonders gut?
Wir beobachten seit Jahren, dass vor allem die Destinationen gut laufen, die ein familiengerechtes Angebot liefern. Dazu gehört unter anderem Meiringen-Hasliberg im Berner Oberland, die sowohl im Sommer als auch im Winter ein grosses Angebot an Familienaktivitäten bietet. Auf der anderen Seite sehen wir bei den Gästen den Trend, die Reka-Unterkünfte als Ausgangspunkt für Aktivitäten in einer Region zu nutzen. Beispiele dafür sind die Unterkünfte in Urnäsch AR oder Montfaucon JU. Diese eher abgelegenen Orte sind immer mehr gefragt, wovon auch die einheimische Gastronomie- und Hotelleriebranche profitiert.
Inwiefern?
Urnäsch ist in diesem Zusammenhang ein sehr gutes Beispiel. Dort arbeitet Reka mit lokalen Produzenten und Betrieben zusammen. So können die Gäste beispielsweise im Hotel Krone, das direkt neben dem Feriendorf liegt, frühstücken oder auf Wunsch ein Abendessen geniessen. Von dieser Partnerschaft profitieren alle: Die Gäste, die Gastronomie und damit auch die lokalen Produzentinnen und Produzenten. Gleichzeitig kommt mit den Gästen – auch in der Nebensaison – mehr Leben ins Dorf.
Und das kommt sowohl bei den Menschen vor Ort als auch bei den Gästen gut an.
Das ist richtig. Die Feedbacks sind von allen Seiten sehr positiv, nicht nur in Urnäsch sondern generell an allen Reka-Standorten. Wir sind sehr stolz auf dieses Gästefeedback. Das ist für uns ein guter Indikator, dass sich die Investitionen in die Ferienanlagen, Resorts und Ferienwohnungen gelohnt haben.
Was muss Reka seinen Gäste heutzutage bieten?
An der Basis hat sich bei den Unterkünften grundsätzlich nichts geändert. Die Zimmer und Ferienwohnungen sollen sauber und einfach sein, aber vor allem eine gewisse Grösse haben. Zudem soll es an nichts fehlen: Eine gut ausgestattete Küche gehört genauso dazu wie ein grosser Esstisch. Gleichzeitig müssen die Gäste rund um die Unterkunft etwas erleben können. Angefangen beim Spielplatz, über das Kinderbetreuungsprogramm bis zum Hallenbad, was wir mittlerweile in allen Feriendörfer haben.
Wie haben sich die Erwartungen der Gäste in den letzten Jahren verändert?
Die Grunderwartungen haben sich verändert. Früher war es beispielsweise normal, dass die Gäste ihre Bettwäsche von der Rezeption selber in die Reka-Ferienwohnungen tragen mussten. Das ist längst nicht mehr Standard. Die Gäste erwarten heute mehr Service und Zusatzleistungen wie beispielsweise Ausflüge oder Verpflegung. Da versuchen wir immer, mit lokalen Partnern, sei es eine Bäckerei, eine Käserei, eine Metzgerei, oder mit Tourismusorganisationen Angebote zu liefern. In Montfaucon zum Beispiel bieten wir mit lokalen Partnern Pferdeausritte an.
Wenn man von Reka spricht, hängt oft noch das Bild des verstaubten Feriendorfs in den Köpfen der Menschen. Inwiefern stört das?
Mich stört das nicht unbedingt, weil ich weiss, dass die Feriendörfer mittlerweile in der aktuellen Generation angekommen sind. Viele wurden umgebaut, modernisiert und an die Bedürfnisse der Gäste angepasst. Dass jene, die schon länger nicht mehr in solchen Feriendörfer waren, diese Erinnerungen im Kopf haben, ist daher in Ordnung. Nur: Sie spiegeln nicht die aktuelle Situation wider. Reka bietet mit ihren Resorts im In- und Ausland viel mehr als nur die bekannten Feriendörfer. Mein Ziel ist es, diese Resorts bekannter zu machen und zu zeigen, dass Reka mehr kann als «nur» Feriendorf.
Die Resorts wie das Golfo del Sole in der Toskana hatten einen grossen Anteil am Rekordjahr 2025. 2026 kommt mit dem Ortano Mare auf Elba (ITA) ein weiteres Resort im Ausland dazu. Welche Ziele verfolgen Sie damit?
Die Ziele decken sich mit denen des Golfo del Sole. Damit wollte Reka Schweizer Familien die Möglichkeit geben, erschwingliche Ferien am Mittelmeer zu verbringen. Und das hat sie geschafft: Die Buchungszahlen waren 2024 noch besser als 2025, in der Hochsaison war das Resort stets ausgebucht. Dieses Angebot wollten wir mit dem Ortano Mare auf Elba erweitern. Wir wollen den Gästen bieten, was es in der Schweiz nicht gibt: Ferien auf einer Insel mit Strand, Meer und Familienaktivitäten. Das Ziel ist aber nicht, dass, wie im Golfo del Sole, rund 80 Prozent Schweizer Gäste nach Elba kommen. Wir wollen auch internationale Gäste ansprechen und so den Gäste-Mix fördern.
Auch in der Schweiz?
Das ist sicher ein Ziel, ja. Wenn die internationalen Gäste von unserem Angebot im Ausland überzeugt sind, gelingt es uns unter Umständen, sie für Reka-Ferien in der Schweiz zu begeistern.
Wie sieht es aktuell mit internationalen Gästen in den Reka-Unterkünften in der Schweiz aus?
Im Swiss Holiday Park verzeichnet Reka bereits eine gute Zahl internationaler Gäste, vor allem aus Deutschland. Gerade in der Zeit nach den Sommerferien, wenn die Schweizer Kinder bereits wieder in der Schule sind, kommen mehr Gäste aus Deutschland oder den Benelux-Staaten zu uns, da ihre Ferien teilweise bis Mitte September andauern. Wir richten unser Marketing in dieser Zeit gezielt auf ausländische Gäste aus, damit wir in der Nebensaison weiterhin Gäste begrüssen können. Und das zeigt Wirkung: Die Gästezahlen aus Deutschland steigt, auch in den Feriendörfern.
Ist vor diesem Hintergrund eine weitere Expansion im Ausland geplant?
Wir wollen ganz bewusst und nicht zu schnell expandieren. Wir sind überzeugt, dass wir zuerst das Resort auf Elba zum Erfolg bringen und die Projekte in der Schweiz vorantreiben müssen. Daher ist ein Zusatzresort momentan kein Thema.
Wie sehen die mittel- bis langfristigen Ziele von Reka in den kommenden Jahren aus?
Im Geldbereich haben wir mit der Reka-Card und den Geschenkkarten eine Basis geschaffen, womit wir uns in Zukunft weiter digitalisieren können. In diesem Jahr sollen die digitalen Zahlungsverkehrsplattformen im Hintergrund erneuert werden, um auf dem neusten Stand der Technik zu sein. Im Ferienbereich stehen viele Umbau- und Neubauprojekte an, angefangen mit dem Ortano Mare auf Elba, das im Mai eröffnet. Daneben laufen aktuell viele Umbauten an Ferienwohnungen und Feriendörfern und das grosse Neubauprojekt in Lenk BE, das auf sehr gutem Weg ist. Die Eröffnung ist auf Winter 2027 geplant. Gleichzeitig haben wir mit den Projekten in Kreuzlingen TG und Brissago TI zwei Projekte in der Pipeline. In Kreuzlingen soll das erste Feriendorf im Mittelland an einem See entstehen, in Brissago soll das Vier-Sterne-Parkhotel Brenscino umgebaut werden. Dort bereiten wir gerade die Baueingabe vor, damit wir im Winter 2026/27 mit dem Umbau und der Erweiterung beginnen können.