«Eine erfolgreiche Inszenierung braucht eine gute Idee»

Reto E. Wild – 14. Januar 2026
Mitte Oktober 2025 endete die Expo in Osaka mit über 29 Millionen Besuchern in 184 Tagen. Allein der Schweizer Pavillon lockte täglich rund 8000 Interessierte an. Wie sich die Schweiz in Konkurrenz zu den Mächtigen in Szene setzen kann, erklärt Arnau Bellprat, Kreativdirektor von Bellprat Partner.

Die Expo 2025 sorgte für einen Eintrag ins «Guinness-Buch der Rekorde»: Archi­tekt Sou Fujimoto hat rund um das Ausstellungsgelände in der japanischen Metropole Osaka einen 20 Meter hohen Ring gebaut, der als grösste Holzkonstruktion der Welt mit einer Fläche von über 60 000 Quadratmetern eingeht. Für viel Begeisterung sorgte der Schweizer Pavillon mit dem Motto «Von Heidi bis Hightech». Bereits zum zweiten Mal nach der Weltausstellung in Dubai 2021 erhielt Bellprat Partner aus Zürich den Zuschlag der Eidgenossenschaft, die Alpenrepublik in Szene zu setzen. Das KMU mit 15 Mitarbeitenden und Kunden vom Muotatal bis Tokio ist mit seinem interdisziplinären Team Experte für Szenografie. Die Bilanz von Kreativdirektor Arnau Bellprat (43): «Der Schweizer Pavillon hat den Besuchern gut gefallen. Wir konnten ihn erlebnisreich inszenieren. Der Andrang war mit durchschnittlich 8000 Besuchern pro Tag riesig. Das entspricht nahezu einem neuen Gast pro Sekunde. Japaner sind Fans der Schweiz.» Interessierte mussten an Spitzentagen bis zu zwei Stunden warten, um das Innere des Schweizer Pavillons zu entdecken. Nur Schweizer durften die Warteschlange umgehen – ein Dank an die Steuerzahler.

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Das Manga-Heidi und der -Alpöhi faszinierten vor allem die asiatischen Besucherinnen.

Champions League für Szenografie

Bellprat spricht von einem «riesigen Erfolg, weil Weltausstellungen für die Szenografie die Champions League sind. Es ist schön, wenn die eigene Arbeit von so vielen Leuten gesehen und beurteilt wird.» Früher sei für die Länder im Zentrum gestanden, der Welt neue Technologien zu präsentieren. Heute sei das touristische Produkt wichtiger.

Die Aufgabe von Bellprat war, der Welt zu kommunizieren, dass die Schweiz zum 15. Mal als weltweit innovativstes Land ausgezeichnet wurde. Zusammen mit ausgewählten Architekten wollte Bellprat den leichtesten Pavillon bauen lassen, den die Schweiz je ausgestellt hat: Innovation und CO2-Reduktion vereint. Deshalb zeigte sich das Schweizer Konstrukt in Kugelform. Im Innern konnten die Besucher Seifen­blaseninstallationen und Scherenschnitte bewundern. «Das alles steht für Leichtigkeit mit wenigen Materialien und beruht auf der Idee, möglichst leicht zu bauen», erklärt der Kreativdirektor.

Doch das Thema Innovation allein reicht nicht, um die Mehrheit der Expo-Touristen zu locken, wie Bellprat einräumt: «Letztlich inszeniert man die Schweiz für die Welt. Die Leute wollen das gerne sehen, was sie erwarten. Das war in Japan Heidi. Wir haben im Vorfeld versucht, unser Heidi in unterschiedlichen Interpretationen zu zeigen. Doch das hat nicht funktioniert. Die Japaner wollten das Manga-Heidi aus den 1970er-Jahren oder die touristischen Bilder aus der Schweiz mit Bergen, Wiesen, Kühen und Wasser sehen.» Sein Rezept: «Wenn man eine Inszenierung erzählen will, muss man das einflechten.»

«Menschen zum Träumen bringen»

Die zahlreichen begeisternden Reaktionen der einheimischen Besucher, wenn jeweils ein Manga-Heidi in Menschengestalt im Pavillon auftrat, zeigen, dass die Strategie aufgegangen ist. Das ist umso beachtlicher, als tendenziell autoritäre Staaten wie Saudi-Arabien, die Emirate, die Türkei oder Kasachstan sich pompös und im besten Licht in Szene setzen, um ihr Image in der Welt zu verbessern. Wie kann die Schweiz bei deutlich kleinerem Budget als die erwähnten Länder trotzdem auffallen?

Arnau Bellprat sagt, ein grosses Budget helfe bei der Umsetzung. Aber eine erfolgreiche Inszenierung brauche eine gute Idee und nicht einfach nur Geld. «Unser Ziel ist es, Menschen zum Träumen zu bringen und unwirkliche Welten zu schaffen.» Die Schweiz hat dabei den Vorteil eines sehr guten Images. «Deshalb können wir experimentierfreudiger sein», so Bellprat. 

Die nächste Weltausstellung findet 2030 in Saudi-Arabien statt. Eine Expo im kleineren Format – während dreier Monate – gibt es bereits 2027 in Belgrad zu sehen. Dort dürfen keine architektonischen Wunder erwartet werden, weil sich die Länder in vorfabrizierten Hallen wie an einer Uhrenmesse zeigen. Bellprat Partner betreibt zudem erlebnisreiche Szenografie mit dem Steinwichtelweg in der Lenzerheide. Diesen kann man aber erst bewundern, wenn der Schnee weg ist.