«Der Schweizer Tourismus ist sehr gut aufgestellt»

Oliver Borner – 25. August 2026
Seit Anfang Juni ist Markus Kohli neuer CEO bei Switzerland Travel Centre (STC). Im Interview mit dem GastroJournal spricht er über seinen neuen Job, Trends und aktuelle und zukünftige Entwicklungen im Schweizer Tourismus.

Markus Kohli, seit Anfang Juni bist du neuer CEO von STC. Wie hast du die ersten Monate in deinem neuen Job erlebt?
Markus Kohli: Es waren intensive erste Monate, aber ich finde die Aufgabe unglaublich spannend. Die Zeit war geprägt durch Zuhören, Verstehen und vielen Begegnungen mit Mitarbeitenden. Dazu kommen Besuche von unseren Büros in London, Stuttgart und Hongkong und Treffen mit Partnern und Kunden.

 

Mit deinem Wechsel bist du nach vielen Jahren bei TUI und Knecht vom Outgoing-Tourismus nun auf der anderen Seite, im Incoming-Tourismus angelangt. Wie hat sich deine Arbeit dadurch verändert?
Es hat sich gar nicht so viel verändert. Lediglich die Perspektive ist anders. Früher habe ich Schweizer Gäste ins Ausland geschickt, jetzt hole ich ausländische Gäste in die Schweiz. Die Grundthemen sind daher die gleichen. Was in der Schweiz anders ist, ist der hohe Stellenwert des öffentlichen Verkehrs, der weltweit einzigartig ist.

 

Der Sommer ist fast vorbei. Wie sieht die Zwischenbilanz bei STC aus?
Wir sind auf Kurs. Aktuell entwickeln wir uns besser als der Markt, gerade was die Übernachtungszahlen angeht. Auch die Prognosen für den Herbst sind sehr gut. Wir sind zuversichtlich, dass wir dieses Jahr mit einem positiven Ergebnis beenden werden.

 

Welche Gästegruppen reisen derzeit am meisten in die Schweiz?
Die meisten Gäste stammen aus den USA und Grossbritannien. Grosses Wachstum verzeichnen wir aktuell aus Japan. Aber auch der Schweizer und deutsche Markt laufen sehr gut. Schlechter sieht es bei den indischen und chinesischen Gästen und vor allem bei den Gästen aus Australien aus. Da hat die aktuelle geopolitische Lage einen grossen Einfluss. Diese Gäste bleiben der Schweiz fern, weil viele Flüge über die Golfstaaten abgewickelt werden. Dadurch ist die Unsicherheit sehr gross, und viele australische Gäste verzichten auf eine Reise nach Europa. Die Ausfälle können wir aber mit den Zuwächsen in anderen Märkten kompensieren.

 

Wie präsentiert sich aktuell das Buchungsverhalten?
In den letzten Jahren stellten wir einen Trend zu Last-Minute-Buchungen fest. In diesem Jahr blieb dieser praktisch komplett aus. Lediglich Gäste aus Australien oder Asien, die trotz der angespannten geopolitischen Lage in die Schweiz reisten, buchten kurzfristiger, da sie abwarteten, wie sich die Situation entwickelte.

 

Welche STC-Angebote laufen aktuell am besten?
Das sind nach wie vor Rundreisen mit den Panoramazügen Bernina, GoldenPass und Glacier-Express. Unsere Gäste buchen diese oft in Kombination mit Aufenthalten in Luzern, Interlaken BE, Lausanne VD, Genf oder Zürich. Am besten läuft die Grand Train Tour of Switzerland als Panoramazugreise und die Grand Tour of Switzerland als Busrundreise oder Roadtrip.

 

Welche Rolle spielt die Gastronomie/Kulinarik?
Die Kulinarik spielt eine grosse Rolle, ist aber kein zentraler Reisegrund für ausländische Gäste. Wir verbinden die Kulinarik gerne mit unseren Rundreisen. So bieten wir beispielsweise Wein-Tastings an der Riviera in Montreux VD oder Gourmet-Cruises in Luzern auf dem Schiff an. Was immer beliebter wird, sind kulinarische Stadtführungen oder spezielle Erlebnisse wie Fondue-Kochen in Interlaken oder Risotto-Kochen im Tessin.

 

Warum ist die Schweiz bei ausländischen Gästen nach wie vor beliebt?
Die Schweizer Natur ist ein wahrer Verkaufsschlager. Die Gletscher, Seen, Flüsse und Berge ziehen die Gäste magisch an. Die heile Heidi-Welt fasziniert nach wie vor. Daneben punkten auch die Städte, die im Ausland als eher klein und charmant wahrgenommen werden. Gleichzeitig ist die Schweiz sehr sicher, sauber und gastfreundlich. Das sind alles wichtige Faktoren, dass ausländische Gäste unser Land besuchen wollen.

 

Und dass, obwohl die Schweiz im internationalen Vergleich sehr teuer ist. Ist das hohe Preisniveau damit kein Nachteil für den Tourismusstandort Schweiz?
Das würde ich pauschal so nicht sagen. Generell würde ich behaupten, dass das Preis-Leistung-Niveau in der Schweiz, gemessen an der Qualität der Leistung, sehr ausgeglichen ist. Das hohe Preisniveau bringt natürlich Vorteile mit sich. Beispielsweise verhindert es die grossen Touristenanstürme, wie man sie aus anderen europäischen Ländern kennt, weil sich nicht alle Reisenden die Schweiz leisten können. Das Preisniveau fungiert damit als Regulator. Gleichzeitig stärkt das hohe Preisniveau das Image der Schweiz als hochwertiges und exklusives Reiseziel, was die Attraktivität im Marketing zusätzlich erhöht. 

 

Dieser Sommer war sehr heiss und trocken. Welche Herausforderungen bringen steigende Temperaturen/Klimawandel für den Schweizer Tourismus und für STC als Anbieter von Reisen mit sich?
Die hohen Temperaturen waren bei unseren Gästen tatsächlich ein Thema. Wir hatten teilweise Reklamationen wegen ausgefallenen Klimaanlagen in öffentlichen Verkehrsmitteln. Zudem hatten wir vermehrt Anfragen von Gästen, insbesondere aus den USA und Asien, betreffend Hotels mit Klimaanlagen. Das ist in den Städten weniger ein Problem, da es bereits Unterkünfte mit Klimaanlagen gibt. Schwieriger ist das an Orten, die auf einer Höhe liegen, wo es bisher keine Klimaanlagen brauchte, zum Beispiel in St. Moritz oder in Zermatt. Dort sind viele Hotels noch nicht mit Klimaanlagen ausgestattet, was für uns als Anbieter vor allem in Zukunft eine Herausforderung sein wird, da wir auf die Infrastruktur der Hotels keinen Einfluss haben.

 

Ein Coolcation-Trend ist in diesem Sommer also nicht zu beobachten?
Nein, zumindest bei uns nicht. Es war in diesem Sommer schlicht überall sehr heiss und daher wurde nicht mehr in den Bergen gebucht als in anderen Jahren. Wir bewerben Destinationen auch nicht gezielt als Coolcation-Reiseziele. Natürlich erwähnen wir bei einzelnen Angeboten die Höhenlage mit ihrer klimatischen Vorteilen, es gehört aber nicht explizit zu unserer Strategie.

 

Zwei andere grosse Themen, die den Tourismus aktuell beschäftigen, sind Overtourism und Tourismusakzeptanz. Inwieweit versucht STC, seine Gäste darauf zu sensibilisieren und zu steuern?
Wir anerkennen unsere Verantwortung in diesem Bereich und versuchen daher, unsere Reisen auch abseits der grossen Hotspots stattfinden zu lassen. So bauen wir immer wieder unbekanntere Destinationen – in Graubünden zum Beispiel mit Ardez, Brigels oder Savognin – in unsere Reisen ein. Wir buchen auch regelmässig Hotels abseits der grossen Hotspots. Zudem achten wir darauf, hauptsächlich Kleingruppen zu bilden, um vor Ort das Gästeaufkommen nicht zu verstärken, und empfehlen, Sehenswürdigkeiten nach Möglichkeit bei Randzeiten zu besuchen. Letztlich können wir aber nicht alles steuern. Die Gäste reisen nun mal gerne zu ihrer Ferienzeit und wollen in Zermatt das Matterhorn sehen.

 

Blicken wir in die Zukunft. Wo siehst du bei STC noch Entwicklungspotenzial für die kommenden Jahren?
Die Zukunft verspricht viel Potenzial. Der Wohlstand und die Reisebudgets steigen weltweit. Strategisch werden wir uns mit unserem Büro in Hongkong verstärkt auf Asien konzentrieren und den Luxusmarkt ausbauen. Dort erwarten wir in den kommenden fünf bis zehn Jahren ein grosses Wachstum. Interessant wird auch die Nutzung der Nebensaisons sein. Schweiz Tourismus bewirbt seit ein paar Jahren aktiv den Herbst als Reisesaison für ausländische Gäste. Das ist eine gute Strategie. Es wird aber noch dauern, bis dies Früchte tragen wird.

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