Bruno Huggler, die Mountainbike-WM 2025, die Ski-WM 2027, das Omega European Masters der Golfer: Wie gelingt es Crans-Montana immer wieder, solche Sportanlässe zu gewinnen?
Bruno Huggler: Letztlich ist der Kompetenzbeweis als Organistor entscheidend, die Finanzierung sicherzustellen und dass die Investitionen nachhaltig sind. Der Event ist immer Mittel zum Zweck und hilft, die Infrastruktur generell zu verbessern. Wenn wir beispielsweise das Omega Masters nicht hätten, wäre unser Golfplatz nicht auf diesem Niveau. Der Ski- und Golfsport gehören zu den ursprünglichen Geschäftsfeldern. Damit wurde Crans-Montana gross.
1911 fand die erste Abfahrt statt.
Ja, von der Wildstrubelhütte nach Montana, das Golfturnier ist ebenso über die Jahrzehnte gewachsen, was für eine hohe Kompetenz in der Organisation und in der Wahrnehmung sorgte, bis 1987 die Ski-WM in Crans-Montana ausgetragen wurde – und wir uns seither im Weltcup etabliert haben. Crans-Montana ist übrigens im Bereich Ski bei der Schweizer Kandidatur für die Olympischen Spiele Switzerland 2038 vorgesehen. Wir verfügen über entsprechende Erfahrungen, die Piste und die Infrastruktur, und beispielsweise auch die Verkabelungen.
Und Mountainbike?
Das hat sich damals als neue Sportart am Berg entwickelt. Ich regte an, eine Strategie fürs Mountainbiking zu erstellen. 2021 fingen wir mit der Austragung der Enduro World Series an, 2023 gelang uns der Zuschlag der Schweizer Meisterschaften Cross-Country, 2024 des Weltcups und 2025 die erwähnte Mountainbike-WM in dieser Disziplin. Hier war es wichtig, unsere Kompetenz zu beweisen, bei der Organisation, der Logistik beim Gelände, der Infrastruktur, den Partnern.
Was bringen diese internationalen Grossanlässe dem Tourismus?
Sichtbarkeit, direkte und indirekte Wertschöpfung und Glaubwürdigkeit. Wir sind heute als Bike-, Golf- und Ski-Destination angesehen und beherbergen die besten Athletinnen und Athleten. Diese reden über uns und betonen, wie gut es hier ist. Das ist viel mehr wert, als wenn der Tourismusdirektor die Destination lobt. Das sorgt für Impulse für die gesamte Angebotsentwicklung. Und es lockt Investoren an.
Wie hat sich Crans-Montana in den letzten Jahren verändert?
Der Bereich Golf hat ein noch höheres Niveau erreicht. Im Bikebereich sind wir im Rahmen des Masterplans weitergekommen und konzipieren heute auch spezielle Strecken für E- Bikes, aber auch für Anfänger sowie Fortgeschrittene mit erhöhten Kurven und Sprüngen. Das ist die grösste Entwicklung. Dieses Jahr haben sich zudem 8000 Interessierte für den Trail Wildstrubel bei UTMB eingeschrieben, deren Läufe alle in Crans-Montana enden.
Das hört sich alles so wunderbar an. Trotzdem könnte Crans-Montana mehr Deutschschweizer begrüssen.
Wir wünschen uns tatsächlich mehr Gäste aus der Deutschschweiz. Das stimmt. Doch die Tendenz ist zunehmend. Und die Zahlen aus der Westschweiz konnten wir halten. Wir haben viele Gäste aus der Waadt und aus Genf. Wenn wir mehr Reisende aus Bern, Zürich und der Nordwestschweiz haben, hilft uns das, die Ferienzeit zu verlängern.
Was erwartest Du für eine Sommer- und Wintersaison?
Einen Rekordsommer wird es nicht geben. Aber ich bin zurückhaltend optimistisch und hoffe, dass sich die Zahlen auf dem Vorjahresniveau einpendeln. Der Winter wird dann ganz im Zeichen der Ski-WM stehen. Während zwei Wochen, vom 1. bis 14. Februar 2027, wird jedes Zimmer besetzt sein. Wir müssen aber unseren Gästen klarmachen, dass Crans-Montana auch im Dezember und Januar zugänglich ist. Letztlich ist der Ski-Grossanlass eine riesige Chance, uns im internationalen Scheinwerferlicht zu präsentieren.
Welche Rolle spielt das Six Senses, das am 1. Februar 2023 als erstes Six Senses Resort der Schweiz eröffnete?
Es sorgt in der Hotellerie für eine der wichtigsten Gästefrequenzen. Das Six Senses ist ein Leuchtturm mit einer internationalen Ausstrahlung, wobei es selbstverständlich für die Wahrnehmung von Crans-Montana hilft, dass das Hotel bei den Travel + Leisure World›s Best Awards 2026 auf den zweiten Platz der besten Resorts Europas gewählt wurde.
Wer Crans-Montana hört, denkt unweigerlich an die Brandkatastrophe vom 1. Januar 2026 in der Bar Le Constellation. Wie hat diese dem Ruf des noblen Ferienorts geschadet?
Die Frequenzen haben sich im Winter klar reduziert. Ich hoffe, dass sich das nun stabilisiert. Wie sich die Katastrophe mittelfristig aufs Image auswirkt, werden wir sehen. Erste Events wie der Weltcup im letzten Januar haben gezeigt, dass Crans-Montana ein Ferienziel ist, das trotz der Tragödie weiterlebt und wo man schöne Ferien verbringen kann. Dieses Bewusstsein braucht jedoch Zeit.
Wie seid Ihr in der Kommunikation vorgegangen?Einerseits muss der Ferienort beworben werden, andererseits braucht es Respekt gegenüber den Opfern und ihren Familien.
Wir haben die Werbekampagne ab dem 1. Januar 2026 alle abgesagt, waren aber gleichzeitig gefordert, zu kommunizieren, dass Leute das Recht haben, bei uns Ferien zu verbringen. In den vergangenen Wochen haben wir die Zahl der Clips in unseren sozialen Medien sukzessive erhöht – bewusst nur mit Botschaften von Leuten die Crans-Montana mitgestalten und über Landschaften und Stimmungsbildern.
Was dürfen wir von Crans-Montana in den nächsten Jahren erwarten?
Dass die Lehren gezogen werden aus dem, was passiert ist und dies uneingeschränkt aufgearbeitet wird. Crans-Montana wird sich stark weiterentwickeln. Wir haben eine hohe Nachfrage von Investoren für Hotelprojekte. Das frühere Hotel Mirabeau, im Zentrum von Crans-Montana, wird im Dezember als Boutiquehotel L’Uciole mit einer wundervollen Holzfassade eröffnet. Mit dem Aminona Luxury Resort and Village geht es vorwärts, und die Investoren von Maya Capital haben das Belmont gekauft. Kurz: Die Fünfsternehotellerie wird sich in den nächsten Jahren weiterentwickeln. Ebenso wird Vail Resorts, die 2024 die Bergbahnen und zehn Bergrestaurants gekauft haben, weiter investieren.