Das Restaurant du Bourg in der Bieler Altstadt ist vieles: ein gastronomischer Leuchtturm, Träger von 15 GaultMillau-Punkten, ein Treffpunkt für Jung und Alt. Aber ein Filmset, das war es noch nie – bis jetzt. Im Rahmen der Kampagne «Grand Culinary Tour of Switzerland» war hier kürzlich Schweiz Tourismus zu Gast. Mit dabei: die beiden Gesichter der Kampagne, Noah Bachofen, Koch und Foodfluencer, und Nico Franzoni, Journalist und Influencer. Die beiden Gourmetfreunde reisen bereits zum zweiten Mal miteinander durch eine Schweizer Region und entdecken dabei an ungewöhnlichen Orten kulinarische Spezialitäten, regionale Lebensmittel und aussergewöhnliche Unterkünfte.
Begleitet werden sie von einem Filmteam von Schweiz Tourismus, das die Abenteuer der beiden mit der Kamera dokumentiert. Für die neue Staffel der Kampagne, die Mitte November erscheint, entdecken die beiden die Region Jura und das Berner Seeland. Dabei stellen sie sich an jedem Ort, den sie besuchen, mutig einer Aufgabe, die direkt mit der Kulinarik vor Ort zusammenhängt.
So auch im Restaurant du Bourg. Noah und Nico müssen sich hier das Mittagessen verdienen. Die Aufgabe: Einen Tisch nach der Vorgabe des Hauses decken. Neben dem Platzieren von Gläsern und Besteck gehören auch das Bügeln der Servietten und das Siegeln der Menükarten zu den Aufgaben. Die Aufgabenteilung ist schnell gemacht: «Ich siegle, du bügelst», bestimmt Franzoni. «Als Hausmann kannst du sowieso viel besser bügeln als ich», und macht sich ans Werk. «Ich bügle wahrscheinlich besser, als du siegelst», entgegnet Bachofen. Ob die Lösung der Aufgabe so gelingt?
Kulinarik erlebbar machen
Im Hintergrund zieht Urs Michel, Accommodation & Gastronomy Manager bei Schweiz Tourismus, die Fäden. Er ist mit seinem Team verantwortlich für die Planung und die Durchführung der Kampagne. «Der Aufwand wird von Staffel zu Staffel grösser», sagt er und lacht. «Aber es macht riesigen Spass.»
Die Grundidee, zwei Gourmetfreunde auf eine Reise durch die Schweiz zu schicken und daraus eine Kulinarikkampagne zu drehen, sei durch einen Zufall entstanden.«Meine Kollegin Yamuna Betschart, Leiterin des Markts Schweiz bei Schweiz Tourismus, und ich, hatten schon länger die Absicht, der Schweizer Kulinarik mittels einer Videokampagne ein Schaufenster zu geben. Kulinarik ist bei Schweiz Tourismus schliesslich kein Nebenschauplatz, sondern dank des ‹Tourismus Monitors Schweiz› als Reisemotiv der Gäste längst bekannt. Als dann Nico an einem Anlass auf Yamuna zukam und genau die gleiche Idee hatte, wussten wir: Das müssen wir machen! Noah war ebenso sofort begeistert, und so drehten wir 2024 einen Pilotfilm, bei dem Nico und Noah durch die ganze Schweiz reisten, an verschiedenen Orten Zutaten sammelten und daraus am Schluss im Hotel Schweizerhof in Bern ein Menü zubereiteten, das den Röstigraben ‹zukochen› sollte. Die Videoreihe kam sowohl beim Publikum als auch bei den Restaurants, Hofläden und Hotels sehr gut an», erinnert sich Michel.
Kein Wunder also, dass 2025 die erste Staffel mit einer Reise durch die Ostschweiz und im November nun der Jura und das Berner Seeland folgen.
Aufmerksamkeit für die Branche
Dabei fokussiert die Kampagne auf ein klares Ziel. «Wir wollen mit den Videos einerseits die Vielfalt der Schweizer Kulinarik sichtbar machen und andererseits den aussergewöhnlichen Menschen hinter den Produkten und Dienstleistungen eine Bühne bieten», sagt Michel. Unterstützt wird Schweiz Tourismus dabei von zahlreichen Partnern, darunter auch GastroSuisse. «Wenn Culinary draufsteht, muss auch Culinary drin sein», sagt Kevin Abgottspon, Marketingleiter bei GastroSuisse.
«Für GastroSuisse war von Anfang an klar, dass wir bei dieser Kampagne dabei sein wollen. Einerseits, weil wir uns als Verband im Bereich B2C präsentieren können, und andererseits, weil es für unsere Mitglieder und deren Betriebe eine grosse Reichweite gibt.» Gleichzeitig helfe die Kampagne dabei, das Image der Branche zu pflegen und Aufmerksamkeit zu erhalten – gerade Betriebe in Regionen, die in der Schweiz weniger bekannt sind. «Die Betriebe für die Kampagne suchen wir in der Regel zusammen aus. Das heisst, die allermeisten Restaurants und Hotels, die bei der Kampagne dabei sind, sind Mitgliedsbetriebe von GastroSuisse.»
Seit der zweiten Staffel sind neu auch Label Fait Maison-Betriebe, also Restaurants, die ihre Speisen vollständig oder zum grössten Teil in ihren eigenen Küchen zubereiten, Teil der Kampagne. Im Jura und Berner Seeland durfte sich beispielsweise das Restaurant Peanut Lodge in St. Ursanne präsentieren.
Ein harmonisches Team – auch ohne Kamera
Zurück zum Geschehen vor der Kamera. Mittlerweile hat Franzoni die Menükarten gesiegelt und Bachofen die Servietten gebügelt. Das Gedeck auf dem Tisch nimmt langsam Formen an. Dass die Kamera während der Lösung der Aufgabe läuft, scheint die beiden nicht zu stören. Mit Witz und Charme, dem einen oder anderen Seitenhieb und mit ein bisschen Unterstützung von Gastgeberin Petra Christen bewältigen sie die Aufgabe schliesslich mit Bravour. «Kompliment an euch beide, das Mittagessen habt ihr euch damit redlich verdient», gratuliert Christen, die gesteht, dass sie vor dem Dreh schon ein wenig nervös war. «Als es dann losging, war das aber kein Problem mehr», sagt sie lachend.
Keine Mühe mit der Kamera bekunden hingegen die zwei Gourmetfreunde. Ein Skript gibt es nicht. Die beiden bekommen zwar vor der Aufnahme ein paar Anweisungen, was gesagt und was passieren wird, der Rest wird völlig dem Zufall überlassen. So läuft die Kamera auch weiter, als Franzoni in der Hektik den Behälter mit den Wachskügelchen aus Versehen zu Boden wirft und den Boden des Restaurants kurzerhand umdekoriert. Kein Problem für Kampagnenleiter Michel. «Von solchen spontanen Aktionen leben diese Videos. Sie machen sie authentisch und glaubhaft.»
Trotz des Zwischenfalls ist das Video innerhalb kürzester Zeit im Kasten. Ohne Unterbrechung und ohne Schnitt, als hätten Bachofen und Franzoni noch nie etwas anderes gemacht. «Der Dreh der ersten Staffel und unsere Aktivität vor der Kamera auf Social Media oder bei unserer Kochshow sind sicherlich ein Vorteil», so Bachofen. Dadurch falle es ihnen mittlerweile leicht, die Episoden authentisch und mit Witz abzudrehen. Wichtig dabei sei die Dynamik, die zwischen den beiden bestehe. «Wir nehmen unbewusst unterschiedliche Rollen ein und ergänzen uns dabei meistens perfekt. Der eine geht mit mehr Selbstvertrauen an eine Aufgabe heran, während der andere mehr Fallhöhe hat. So kommen wir automatisch wieder in ein Gleichgewicht und unterstützen uns gegenseitig», sagt Bachofen. Genervt habe man sich gegenseitig übrigens noch nie, auch wenn die Drehtage lang und intensiv seien. «Dafür sind das Thema und die Umgebung zu positiv», sagt Franzoni. «Wir dürfen während unserer Reisen so viele interessante Persönlichkeiten, Betriebe und Geschichten kennenlernen. Da überwiegen immer die Freude und die Dankbarkeit.»
Die andere Seite der Gastronomie zeigen
Das ist bei der zweiten Staffel der Kampagne nicht anders. Die Region rund um den Jura und das Berner Seeland ist den beiden Kulinarikfreunden weitgehend unbekannt. «Ich kenne die Gegend nur von einem Kochwettbewerb aus jungen Jahren. Dort hiess das Thema Jura und ich musste ein Menü mit Zutaten aus der Region kochen», sagt Bachofen. Auch für Franzoni ist die Region Neuland, obwohl er selbst Berner ist. «Das macht es für Noah und mich aber umso spannender. Wir können ganz spontan und naiv an die Sache herangehen, uns auf die Region einlassen und uns überraschen lassen. Dann entstehen immer die besten Momente.» Solche Momente gab es schon öfter, sie haben für die beiden bereits Legendenstatus. «Ich erinnere mich an die letzte Staffel, als wir bei Silvio Germann im Restaurant Mammertsberg (2 Michelin-Sterne und 18 GaultMillau-Punkte) in Freidorf TG waren und zusammen mit ihm ein Dessert anrichteten. Das mit Nico zu erleben, war schon sehr cool», erinnert sich Bachofen.
Neben den eigenen bereichernden Erfahrungen sehen die beiden Hauptdarsteller auch für die Betriebe, die ein wichtiger Teil der Kampagne sind, viele Vorteile. «Die Betriebe können zeigen, dass es in der Schweiz sehr schöne Flecken gibt, die es wert sind, entdeckt zu werden. Es muss nicht immer die Costa Brava oder das Piemont sein. Es reicht, vor der eigenen Haustür zu suchen», sagt Franzoni.
Und Bachofen ergänzt: «Für die Betriebe bietet sich die Chance, sich von einer anderen Seite, also nicht nur aus der Sicht des Gastes, zu zeigen. In jedem Betrieb, den wir besuchen, arbeiten wir auch mit und zeigen dadurch, was hinter den Kulissen abläuft. So ergeben sich für die Zuschauenden sicherlich einige Aha-Momente, die das Verständnis und die Wertschätzung für die Branche in der Bevölkerung steigern können.»
Nächste Staffel in Planung
Das kommt bisher bei den Gastrobetrieben sehr gut an. «Wir haben von allen Betrieben, sei es ein Restaurant, ein Hotel oder ein Hofladen, durchs Band positive Rückmeldungen erhalten», sagt Kampagnenleiter Urs Michel. Die Branche sei der Kampagne gegenüber sehr aufgeschlossen und sehe den Mehrwert, den sie generiert. Dies kann Gastgeberin Petra Christen nur bestätigen. «Es ist für unseren Betrieb eine schöne Chance, über die regionalen und kantonalen Grenzen eine Plattform zu erhalten und unsere Küche zu präsentieren. Gleichzeitig sind wir dankbar, dass Schweiz Tourismus der Branche diese Plattform bietet.»
Diese Plattform soll in den nächsten Jahren ausgebaut werden. «Schweiz Tourismus und GastroSuisse haben die Zusammenarbeit für die Kampagne auf drei Jahre festgelegt. Da wird sicher noch einiges kommen», verspricht GastroSuisse-Marktetingchef Kevin Abgottspon.
Für die Wintersaison 2025/2026 ist bereits eine neue Staffel in der Pipeline. Dann werden Noah Bachofen und Nico Franzoni durchs Bündnerland reisen und dem Publikum damit eine neue Region der Schweizer Kulinarik präsentieren. Und worauf dürfen sich die Zuschauenden bei der aktuellen Staffel freuen? «Auf ganz viel Schweiz, eine grosse kulinarische Vielfalt und natürlich auf uns!», sagt Franzoni. Die neue Staffel gibt›s ab dem 11. November auf dem YouTube-Kanal von Schweiz Tourismus zu sehen.