Andermatt und Luštica: zwei Ziele, eine Vision

Reto E. Wild – 09. Juli 2026
Im Herzen der montenegrinischen Adriaküste treibt die Orascom-Gruppe der Familie Sawiris ein Milliardenprojekt voran, das den Tourismus neu erfindet. Luštica Bay nennt sich die mediterrane Luxusdestination, die für die Orascom-Tochter Andermatt Swiss Alps eine wichtige Rolle spielt.

Die hügelige Halbinsel Luštica, 15 Fahrminuten vom Flughafen Tivat entfernt (Edelweiss fliegt bis im Oktober nonstop ab Zürich nach Tivat), ist ein landschaftlicher Traum mit versteckten Buchten, glasklarem Wasser, immergrünen Wäldern sowie alten Olivenhainen und mediterranen Maccia-Gewächsen. Am Horizont zeichnet sich das Lovćen-Massiv ab. Der berühmte «schwarze Berg» gab Montenegro seinen Namen und gilt als Herzstück des Landes, das im Juni den 20. Geburtstag seiner Unabhängigkeit feierte.

In dieser lange Zeit weitgehend unberührten Region erfolgte 2013 dank dem ägyptisch-montenegrinischen Milliardär und Investor Samih Sawiris der Spatenstich für ein gigantisches Tourismusprojekt der Orascom Development Holding (ODH):: die luxuriöse Feriendestination Luštica Bay. Das Projekt dehnt sich auf 690 Hektaren aus und ist damit mehr als doppelt so gross wie der berühmte Central Park von New York. Luštica Bay steht für 1500 Ferienwohnungen, diverse Bars und Restaurants, ein halbes Dutzend Hotels, 2 Marinas (eine muss noch gebaut werden) und einen von Gary Player entworfenen Golfplatz, dessen erste 9 Löcher dieses Jahr und die weiteren 9 Löcher Ende 2028 fertiggestellt sein werden.

Der Tourismus, der Euro und die Masterpläne

Orascom wurde in Montenegro mit offenen Armen empfangen. Der Tourismus ist der wichtigste Wirtschaftszweig des EU-Beitrittskandidaten (angepeilt wird eine Mitgliedschaft im Jahr 2028, der Euro ist heute schon offizielle Währung) und macht rund einen Viertel des Bruttoinlandsprodukts (BIP) aus.

Oudad W. Kheir (48), seit Januar 2026 CEO von Luštica Bay und damit auf der Lohnliste von Orascom Development, betont: «Wir befinden uns heute im Masterplan I, der Masterplan II ist noch nicht fertig gedacht. Bis jetzt haben wir von den Masterplänen nur zehn Prozent umgesetzt. Unser Projekt, das grösste Südosteuropas, wird massiv zum BIP von Montenegro beitragen, weil wir Milliarden von Euro investieren.»

Im Masterplan I wurden über 1000 Wohnungen in Luštica Bay verkauft. Die Besitzer stammen aus über 50 verschiedenen Nationen und schätzen an Montenegro die Sicherheit und die politische Stabilität, die guten Flugverbindungen, die gastfreundlichen Einwohner, das angenehme adriatische Klima und die landschaftliche Schönheit.

Der Libanese Kheir versteht es, in grossen Dimensionen zu denken, von 2020 bis 2026 zeichnete er als Chief Operating Officer für das Orascom-Flaggschiff in El Gouna am Roten Meer verantwortlich, einer weiteren Orascom-Destination wie Andermatt UR. Gleich wie in Andermatt gehörten Teile von Luštica Bay einst dem Militär, was dafür sorgte, dass die Halbinsel zu Zeiten des jugoslawischen Präsidenten Tito vergessen ging.

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Östlich des Marina Village finden sich solche unberührten Buchten. Noch gilt Montenegro als touristischer Geheimtipp. (Bild: Reto Wild)

Das Orascom-Bauvorhaben des Masterplans I ist in vier Viertel aufgeteilt: das mondäne und zu 95 Prozent fertiggestellte Zentrum am Wasser heisst Marina Village und zeichnet sich durch Restaurants, Residenzen und das Hotel The Chedi aus. Die Promenade dem Meer entlang ist wie überall in Luštica Bay so sauber, das man sich dort hinlegen könnte.

Centrale nennt sich das urbane, lebendige Herz des Projekts, das sich auf einer Anhöhe befindet. «Hier haben wir 40 Prozent der Bauvorhaben abgeschlossen», informiert Kheir. In Nachbarschaft zu ein paar Ferienwohnungen von Einheimischen gibt es Fitnessgeräte unter freiem Himmel, einen Supermarkt, eine Bank, eine Post, einen Schönheitssalon, ein Pub, eine Apotheke, ein Café, Restaurants wie das hervorragende Luca mit montenegrinischen Spezialitäten, ein Hotel, Schulen, medizinische Einrichtungen und Wohnungen. Kurz: Alles, was das Leben täglich bietet und erfordert – vom Reissbrett aus geplant. The Peaks steht für das luxuriöseste Viertel, das sich über Centrale befindet und die Kulisse für den Golfplatz bildet. Horizon schliesslich heisst das neueste Wohnviertel am Hang. In Zukunft werden Busse zwischen den Vierteln pendeln.

Oudad W. Kheir, der Chef von über 1200 Angestellten ist sowie Arabisch, Französisch, Englisch, Russisch und Italienisch spricht, erläutert: «Wir kreierten mit diesen Stadtteilen die Plattform, wo Gas­tronomen ihre eigenen Restaurants eröffnen können.» Und er, der so lange in der Wüste lebte und arbeitete, betont: «Was Luštica Bay wirklich einmalig macht, sind die versteckten Strände an unserem Lungomare. Ab dem Chedi fahren auch Boote dorthin.» Der CEO ist so stolz auf die Natur in der Umgebung, dass er sich kurzfristig entscheidet, mit dem Besucher aus der Schweiz auf den Trampelpfaden östlich des Marina Village entlang der Adriaküste auf eine kurze Entdeckung mitzugehen.

«Letztlich werden in Luštica Bay sechs bis neun Hotels stehen, mehrheitlich Vier- und Fünfsternehäuser, sowie gegen 60 Restaurants und Cafés. Für die Hotels sind Westeuropa und Nordamerika die wichtigsten Märkte, bei den Immobilien gibt es aber auch viele Interessenten aus Ex-Jugoslawien und Osteuropa. Es wird interessant sein, wie eine EU-Mitgliedschaft von Montenegro den Markt beeinflussen wird», sagt Kheir.

Wichtig sei auch der Schweizer Markt, denn das Management in Andermatt ermuntere die Schweizer, Montenegro zu besuchen. Zudem befindet sich der Orascom-Hauptsitz bekanntlich in Altdorf GR. Er selbst stehe im regelmässigen Austausch mit Raphael Krucker, dem CEO von Andermatt Swiss Alps (Details in den «Drei Fragen an» nebenan).

Keine schnellen Gewinne, nachhaltig und Gastrotourismus

Kheir betont: «Wir kreieren hier Gemeinschaften in neuen Wohnquartieren und reden nicht von Kunden, sondern von Bewohnern, die hier das ganze Jahr leben können. Wir sind nicht auf schnelle Gewinne aus. Luštica Bay ist ein Projekt, das für die nächsten 40 oder 50 Jahren angelegt ist.»

Dazu passt, dass dem CEO vorschwebt, den gastronomischen Tourismus auf die Halbinsel an der Adria zu locken. Einer der Chedi-Zwillinge aus Andermatt, Fabio Toffolon, ist nach Luštica Bay gereist, um das dortige Restaurant The Japanese im Marina Village an einer kuratierten Soirée aufzuwerten. Die Strategie dahinter erklärt Kheir so: «Ich möchte hier in Zukunft gastronomische Wochen in drei, vier Restaurants etablieren.»

Klar ist, dass sich Luštica Bay als aufstrebender Premium­destination an der Adriaküste mit einem integrierten Lifestyle­konzept positioniert. Und hier ist sie wieder: die Parallelität zu Andermatt, sagt doch Krucker gegenüber dem GastroJournal: «Wir haben den klaren Anspruch, Andermatt als ‹Prime Alpine Destination› zu positionieren. Wir entwickeln unser Angebot von Hotels über Sport- und Freizeitinfrastruktur bis hin zu Veranstaltungen und Immobilien gezielt weiter.» Diese Pläne sind deckungsgleich mit jenen von Oudad W. Kheir am Ferienziel Luštica Bay, das alle Trümpfe für einen erfolgreichen und nachhaltigen Tourismus vereint – auch dank der zauberhaften Natur.

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3 Fragen an Raphael Krucker, CEO der Andermatt Swiss Alps AG

Welche Rolle spielt Luštica Bay in den Überlegungen von Andermatt Swiss Alps?
Luštica Bay ist für uns eine wichtige komplementäre Destination zu Andermatt. Während Andermatt als alpine Ganzjahresdestination positioniert ist, steht Luštica Bay für ein maritimes Lebensgefühl, geprägt von mediterraner Kultur, Landschaft und Lebensstil. Beide Orte bieten ein hochwertiges Umfeld, sprechen eine ähnliche Zielgruppe an und sind gut erreichbar.

 

Wieso die Investition in Montenegro?
Das Land verfügt über eine aussergewöhnlich attraktive Küstenlandschaft, ist klimatisch begünstigt und gleichzeitig noch nicht so stark entwickelt wie andere Mittelmeerdestinationen. Das eröffnet die Chance, ein Projekt von Beginn an nachhaltig und qualitäts­orientiert aufzubauen. Zudem sehen wir eine wachsende internationale Nachfrage nach neuen, authentischen Destinationen. Genau hier kann Montenegro eine starke Position einnehmen. 

 

Was sind die Bedenken?
Natürlich bringt ein solches Engagement auch Herausforderungen mit sich, etwa in Bezug auf Infrastruktur oder regulatorische Rahmenbedingungen. Aber genau darin liegt die unternehmerische Chance, aktiv mitzugestalten. Zudem hat Orascom Development Holding (Andermatt Swiss Alps ist ein Tochterunternehmen von Orascom, Anmerkung der Redaktion) über 35 Jahre viel Erfahrung im Aufbau neuer Destinationen.