Portrait Daniel Marbot

Daniel Marbot / Gemasy GmbH

«Die Gastronomie stirbt nicht am Teller – sondern am Quadratmeter»

Die Gastronomie steht unter Druck – das ist keine neue Erkenntnis. Neu ist jedoch die Geschwindigkeit, mit der immer mehr Betriebe aufgeben. Über 500 Schliessungen allein im ersten Halbjahr 2025. Die Gründe sind bekannt: Personalmangel, steigende Löhne, hohe Energiepreise. Doch der grösste Kostenblock bleibt oft unangetastet: die Miete.

In vielen Städten zahlen Gastronomen inzwischen 300 bis 500 Franken pro Quadratmeter und Jahr – teils noch mehr. Bei 300 m² Fläche summiert sich das auf über 150 000 Franken Fixkosten, bevor überhaupt gekocht, serviert oder gespült wird. Selbst in Einkaufszentren oder an Bahnhöfen sind diese Werte keine Ausnahme mehr, sondern Marktrealität.

Viele Betriebe sind anständig geführt, gut besucht und trotzdem nicht überlebensfähig – weil die Rahmenbedingungen nicht stimmen. Was folgt, ist die bekannte Spirale: erst wird an Qualität gespart, dann an Personal, dann an Öffnungszeiten – und irgendwann macht man zu.

Ich bin Gastro- und Generalplaner. Ich sehe täglich leere Lokale mit Potenzial. Und Menschen mit Mut – aber ohne Zugang, ohne Struktur, ohne Partner. Was fehlt, ist keine Kreativität. Was fehlt, ist Planung.

Die Gastronomie darf keine reine Renditefläche sein. Aber sie muss wirtschaftlich tragfähig gedacht und verhandelt werden. Es braucht faire Mietmodelle, belastbare Betriebskonzepte und Eigentümer, die verstehen: Ein gutes Lokal bringt Leben – nicht nur Cashflow.

Wenn wir die Gastronomie retten wollen, brauchen wir keine Subventionen. Wir brauchen realistische Pläne, kooperative Partner und den Willen, wieder gemeinsam zu gestalten. Sonst heisst es bald flächendeckend: Hier stand einmal ein Wirtshaus.