Die Swiss Deluxe Hotels nennen sich stolz, «die exklusivsten Fünfsternehotels der Schweiz». Und das Hotel The Capra mit seinen 38 Zimmern und Suiten in drei Gebäuden am ruhigen Ortsrand von Saas-Fee VS ist seit vergangenem Sommer Mitglied dieser Vereinigung.
«Das ist für uns sehr wichtig und brauchte Überzeugungsarbeit, weil wir als Boutiquehotel nicht der typische Palast sind. Wir haben das bewusst so gewählt, damit der Gast bei uns nicht vor Ehrfurcht erstarrt, wenn er in unser Hotel tritt. Für Luxus braucht es keine Kleidervorschriften oder Kronleuchter. Die Gäste sollten aber zur Ruhe kommen können», erklärt Cornelia Destouches im Gespräch mit dem GastroJournal. Und dafür sorgen die rund 50 Mitarbeitenden mit einem persönlichen Service, was schon beim Check-in an der Rezeption auffällt, die eher an ein Wohnzimmer erinnert und zwischen Hoteleingang und Restaurant steht.
Destouches und «Tour de Suisse»
Die Deutsche Destouches war von 2017 bis 2021 Hoteldirektorin des Boutiquehotels The Capra, das zusätzlich Mitglied von Preferred Hotels & Resorts ist. Und sie startete ihre «Tour de Suisse», wie sie sagt, bereits 2002 und arbeitete in so renommierten Häusern wie dem Park Hotel Vitznau LU, dem Grand Resort Bad Ragaz SG, als Frontmanagerin im Hotel de la Paix in Genf (heute ein Ritz-Carlton) oder dem Alpina Gstaad BE. Heute sei sie Bindeglied zwischen der griechischen Besitzerfamilie und der neuen deutschen Hotelmanagerin Viktoria Schlegel und arbeite strategisch im Hintergrund. Destouches und Schlegel sitzen im gleichen Büro und haben einen regelmässigen Austausch. Die 32-jährige Schlegel stiess im Februar 2026 vom Beau-Rivage Palace Lausanne VD zu The Capra und verantwortete am Lac Léman den operativen Betrieb.
Zurück ins Saastal: Wie übersetzt die hochmotivierte junge Generation, die das Ruder im Hotel übernommen hat, die Erwartungen der griechischen Besitzerfamilie? Cornelia Destouches hat auch auf diese Frage sofort eine druckreife Antwort: «Wir haben mit den Besitzern eine offene Kommunikation. Sie sind sehr gerne und häufig im Wallis. Wir erklären allen eintretenden Mitarbeitenden unsere Vision und wie wir Luxus verstehen.» Sie habe schon in ihrer Diplomarbeit geschrieben, wie wichtig die menschliche Beziehung gerade im Zeitalter der sozialen Medien ist.
Keine Roboter als Mitarbeiter
Für Destouches ist es entscheidend, das Menschliche im Betrieb sichtbar zu machen. «Das wollen wir mit dem Gast und den Mitarbeitenden pflegen. Wir möchten keine Roboter. Klar haben auch wir unsere Richtlinien. Aber wichtig ist uns Authentizität. Darauf schauen wir schon beim Rekrutierungsprozess», sagt die erfahrene und charmante Hotelière.
Heute darf sich das The Capra zu den Vorzeigebetrieben in der Schweizer Hotellerie zählen. Das Boutiquehotel steht jedoch etwas im Schatten der medialen Berichterstattung. Destouches hat eine einfache Erklärung: «Wir sind nicht St. Moritz oder Gstaad mit den Luxusboutiquen und befinden uns in einem Bergdorf, wo alles sehr bodenständig ist.» Sie räumt ein, dass der Betrieb jahrelang auf Understatement setzte. «Heute haben wir mehr Selbstvertrauen, in dem was wir machen. Wir sind stolz, dass wir anders und keine Luxusdestination sind.»
Sebastian Walczak auf der Hotelterrasse: «80 Prozent unserer Produkte stammen aus der Schweiz.» (Foto: Reto E. Wild)
Beeindruckend präsentiert sich der Ende 2017 eröffnete Spa, der sich auf 1500 Quadratmetern ausdehnt und so exotische Körperpackungen wie Schokolade mit Pfefferminz, Rose und Sandelholz oder solche mit Mayoran, Thymian und Rosmarin anbietet. Für Letztere werden die Kräuter oberhalb von Saas-Fee gesammelt. Die Kaffeepackung soll die Verdauung anregen, erklärt uns die Spa-Leiterin. Täglich um 15 Uhr profitieren die Gäste von einem kostenlosen Yoga.
Ein individuelles Spa-Programm von drei Stunden koste gut 400 Franken. Möglich ist auch ein Personaltrainer oder Wanderungen wie zu den Gletschern von Saas-Fee, zum 40 Meter hohen Fellbach-Wasserfall in Saas-Almagell oder zum Mattmarkstausee. Alle diese Beispiele verdeutlichen, wie wichtig dem Betrieb der Bezug zur Region ist. Dazu passt, dass The Capra davorsteht, sich im Nachhaltigkeitsprogramm des Schweizer Tourismus von Swisstainable II zur Stufe III hochzuarbeiten.
The Capra profitiert von der Hitze
Phaedra Letrou, die Tochter der Besitzer und Kreativdirektorin, erklärt: «65 Prozent unserer Gäste sind Schweizer. Zu den wichtigen Märkten zählen Grossbritannien, die USA, Deutschland und Österreich.» Sie ist auch privat sehr angetan vom Saastal. «Unsere Gäste werden alle an der Türe begrüsst, wie in einer Familie. Die Lobby bildet das Herz unseres Hotels.» Damit zeigt sich der Faktor Mensch, wie ihn Cornelia Destouches beschrieben hat. Sie sagt: «2026 wird kein Spitzenjahr. Die internationale Lage sorgt für viel Verunsicherung. Das führt dazu, dass noch kurzfristiger gebucht wird. Uns hilft aber, dass die Schweizer zuverlässig nach Saas-Fee reisen. Und wir profitieren von den Hitzewellen im Flachland.» Es gäbe Gäste, die würden erst am Buchungstag anreisen und dann gleich eine Woche bleiben.
Die regionale Verankerung widerspiegelt sich im Weinangebot, das aus 150 verschiedenen Positionen besteht. Davon stammen 100 aus der Schweiz und wiederum 89 aus dem Wallis. Und der 44-jährige Chefkoch Sebastian Walczak, der seit 2016 im The Capra und seit 2021 in der Funktion des Executive arbeitet, schaut, dass die Gerichte dazu passen. Er ist für das Hauptrestaurant Brasserie 1809 mit seinen 65 Plätzen und der modernen und alpinen Küche mit regionalen und nachhaltigen Zutaten verantwortlich, aber auch für den Ganztagesbetrieb beispielsweise auf der Terrasse, wo die Gäste selbst mitten im Hochsommer ein Fondue bestellen können. Der Pole aus Breslau, der vor seiner Walliser Zeit in Athen und auf Kreta arbeitete und heute Vorgesetzter von rund einem Dutzend Angestellten ist (im Sommer sind es halb so viel), sagt: «80 Prozent unserer Produkte stammen aus der Schweiz. Das ist mein Fokus. Ich schaue zuerst immer, was es im Wallis für Zutaten gibt.» Er lobt beispielsweise den Ziegenkäste vom Hannig, den Honig aus Saas-Balen VS, den Safran aus Mund VS oder die Käseauswahl der Familie Walker aus Bitsch im Obergoms VS. «Manchmal gehe ich in die Berge und suche Pilze.» Die Fische bezieht er aus Lostallo GR oder von Bianchi.
Gäste mögen Kalbs- und Rindfleisch
Mitte Juli wechselte der Chefkoch zum Sommermenü oder von eher grünen auf rote und orange Farben in Form von Tomaten und Walliser Aprikosen. «Unsere Gäste wollen weder Kaviar noch Garnelen. Zum Mittagessen ziehen sie ein Schnitzel vor oder einen Salat, abends mögen gerade die Schweizer Kalbs- oder Rindfleisch.» Auch sein Strudel werde sehr gut nachgefragt. «Letztlich muss das Essen schmackhaft sein. Ich sorge für eine moderne, alpine Küche mit meinem eigenen Stil. Es gab aber auch schon den Gemüsekuchen Cholera.»
GaultMillau zeichnet seine Küche mit 14 Punkten aus. «Vielleicht schaffen wir eines Tages 16 Punkte. Ich bereite zu, was ich selbst mag, und bin stolz, in diesem Fünfsternehotel arbeiten zu können», sagt Walczak bescheiden. Und er erwähnt, dass er sich erst in der Küche wie ein Fisch im Wasser fühlt und nicht der grosse Kommunikator ist.
Eine grosse Herausforderung: Personal zu finden, das bereit ist, den Lebensmittelpunkt nach Saas-Fee zu verschieben. «Die meisten arbeiten nur für eine Saison. Immerhin besteht unser Team nun schon seit drei Jahren aus den gleichen Leuten.» Und dann eilt Sebastian Walczak mit grosser Freude wieder zurück in die Küche.