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Hotellerie

Villa Florhof: «Unsere Mitarbeitenden prägen unser Haus»

Reto E. Wild – 05. August 2026
Am 1. August 2026 eröffnete die Villa Florhof. Im Vorfeld sorgte der plötzliche Abgang von Starkoch Christian Jürgens für mediale Aufmerksamkeit. Wie ist nun der Betrieb auf Kurs? Was sind die Pläne, und wie will er sich auf dem Platz Zürich abheben? Tanja Wegmann, General Manager Lalique Hospitality und VR-Präsidentin der Villa Florhof AG, bezieht Stellung.
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Villa Florhof @DigitaleMassarbeit

Von diesem Betrieb wird die ganze Stadt Zürich reden: Die Villa Florhof beim Kunsthaus eröffnete am 1. August 2026 in einem Haus mit einer über 600-jährigen Geschichte – und mit 13 Hotelzimmern, einer Brasserie mit rund 80 Weinpositionen (Flaschen ab 45 Franken!) und viel Liebe zum Detail, wie ein Augenschein vor Ort zeigt.

Die Unternehmer Silvio Denz und Peter Spuhler liessen sich dieses Projekt, das Zürichs Seidentradition mit zeitgenössischem Design, Gastronomie und Handwerkskunst verbindet, einen «tiefen zweistelligen Millionenbetrag» kosten, wie sie sagen. Und Silvio Denz betont, dass ihm faire Weinpreise sehr wichtig sind. «Ich möchte eine volle Brasserie.»

Der Name des Boutiquehotels in einer denkmalgeschützten Liegenschaft aus dem 15. Jahrhundert kommt nicht von ungefähr und lehnt sich bewusst an die Villa René Lalique im Elsass an. «Das ist nun unser fünfte Betrieb und der erste in einer Stadt. Wir sind gourmetaffin und führen Restaurants mit Hotelzimmern und nicht umgekehrt», betont Tanja Wegmann, General Manager Lalique Hospitality, voller Stolz.

Das GastroJournal hat die erfahrene und visionäre Hotelière zum Interview getroffen.

Tanja Wegmann, wie ist der Florhof gestartet?
Tanja Wegmann: Gut. Unsere Brasserie mit 50-60 Terrassen- und 30-35 Innenplätzen war am 1. August bereits ausgebucht. Wir haben herzliche Gäste und aufgestellte Mitarbeitende. Für alle war es sehr wichtig, dass der Vorhang endlich aufgeht und wir die Generalproben mit Familien und Freunden hinter uns haben. Für die derzeit gut 30 Mitarbeitenden ist es bereichernd, dass sie endlich wirken dürfen. Das ehrliche Feedback der Gäste ist erfüllend.

Was sagen die Gäste?
Sie schätzen unseren ruhigen Ort, wo man Wärme und Herzlichkeit spürt. Die Gäste sagen, sie fühlen sich bei uns wie in den Ferien, gut aufgehoben und wahrgenommen. Sie mögen die Herzlichkeit unserer Mitarbeitenden. Wir sind eine Oase im Herzen von Zürich.

Wie stark schadet der plötzliche Abgang des Starkochs Christian Jürgens dem Florhof?
Sicher hat er für mediale Aufmerksamkeit gesorgt. Wir schauen nun aber positiv vorwärts. 

Wo will Tanja Wegmann den Florhof letztlich positionieren? Was wird im Florhof anders sein als bei anderen Betrieben in der Stadt Zürich?
Wir sind ein kleines Boutiquehotel mit 13 Zimmern, das sich auf die Gastronomie spezialisiert. Und wir sind als Teil der Lalique Hospitality Collection einziges Mitglied von Relais & Châteaux in der Stadt Zürich. Wir avisieren eine Kundschaft, die gourmetaffin ist und gerne isst und unsere edlen Weine geniesst. Wir richten uns an Gäste, die nicht in ein Grandhotel wollen und ein Boutiquehotel vorziehen. Lalique ist eine Marke, die in Europa vor allem für Kristallkunst bekannt ist. Wir zelebrieren das – auch dadurch, dass Silvio Denz (Investor, Anmerkung der Redaktion) mit Lalique sehr viele Partnerschaften mit Künstlern wie Zaha Hadid, James Turrell oder Damien Hirst eingegangen ist. Wir starten also nicht bei 0. 

Zur Brasserie plant der Florhof im ersten Stock ein Gourmetrestaurant. Was für ein Koch soll das verantworten? Ist ein grosser Name wichtig, oder kann es auch ein junger, talentierter Koch sein, der noch nicht landesweit bekannt ist?
Wir befinden uns in der Konzeptüberarbeitung und suchen uns danach einen passenden Koch aus. Er muss zum Haus passen und wie bei Lalique Hospitality Geradlinigkeit und Produktorientiertheit auf den Teller bringen. Und es muss eine Persönlichkeit sein (offenbar haben sich schon viele Köche beworben, Anmerkung der Redaktion). Wir wollten das Signature Restaurant von Anfang an bewusst später eröffnen, um uns zuerst auf die Qualität der Brasserie und den Gästeservice konzentrieren zu können. 

Wie viele Plätze wird dieses Gourmetrestaurant anbieten können?
Wir haben viele Anfragen für Events und Gruppen. Da ist die Zahl der Sitzplätze immer wieder ein Thema. Wir haben mit 30 bis 35 Plätzen budgetiert, für Events mit bis zu 60 Plätzen. Die Tische sind letzte Woche ausgeliefert worden. Auf die Stühle warten wir noch und testen danach verschiedene Layouts. Auf dem Papier sieht immer alles schön und gut aus. Doch es muss auch operativ umsetzbar sein. Letztlich werden wir unser Versprechen einhalten, das Restaurant im Spätherbst zu eröffnen. 

Die Herzlichkeit der Mitarbeitenden ist dem Florhof sehr wichtig.
Ja, wir wollen uns mit einem herzlichen, professionellen Team auszeichnen. Dazu gehört der Allgäuer Kilian Rainalter, der als Projektmanager startete und nun seit dem 1. August Hotelmanager ist. Der Elsässer Julien Beltzung ist unser Chefsommelier, der in der Welt von Lalique Hospitality gross geworden ist, einen Abstecher nach Hongkong machte und danach das Zweisterne-Restaurant The Glenturret in Schottland mitprägte sowie im Château Lafaurie-Peyraguey im Sauternes danach die dortige Terrasse eröffnete. Unsere Keller im Florhof hat Platz für 12 000 Flaschen, und wir profitieren vom Privatkeller von Silvio Denz . Unsere Mitarbeitenden prägen unser Haus. 

Und die Brasserie steht unter der Leitung von John Schiffmann?
Ja, er ist seit Ende April 2026 im Team. An seiner Seite steht Christian Hoffmann, der als Souschef für das gesamte Haus verantwortlich ist. Wir sind stolz, sie beide im Team zu haben.

Was sind die nächsten grossen Herausforderungen?
Zuerst gilt es, unser Bijou so aufzustellen, dass das Team gut eingespielt ist. Das sind diverse Puzzleteilchen. Jetzt darf das Puzzle leuchten – mit unserem exzellenten Service und der erwähnten Herzlichkeit. Das braucht viel Zusammenarbeit und gute Kommunikation. 

Und zweitens?
Zweitens gehen wir die Planung unseres Signature Restaurants ab Ende dieser Woche konkret an. Wir wollen das Team langfristig und stabil aufbauen. Ein kleines Boutiquehotel funktioniert nur, wenn die Mitarbeitenden die gleiche Philosophie haben. Wir wollen die Mitarbeitenden mit auf die Reise zur Erlebniswelt Villa Florhof nehmen. Und die Gäste so verwöhnen, dass sie gerne wiederkommen. Uns ist die Liebe zum Detail sehr wichtig, was sich nur schon im Logo mit einem Seidenfalter zeigt. Im 16. Jahrhundert begann der Aufschwung der Zürcher Seidenindustrie.

Welche Ziele sind für 2027 vorgesehen?
Wir sind ein professioneller Betrieb und steuern die Rentabilität an. Unsere 13 Hotelzimmer kosten dank einem Einführungspreis ab 600 Franken und sind in vier Kategorien eingeteilt bis zur Suite. Ab dem Zurich Film Festival gilt der 20-prozentige Einführungsrabatt nicht mehr. Meine Philosophie: Wir sind Restaurants mit Hotelzimmern und nicht ein Hotel mit Restaurants. Oder anders ausgedrückt: Die Zimmer helfen, die Gastronomie zu rentabilisieren. Denn das Konzept von Lalique Hospitality ist, die Gastronomie mit L'art de la table zu zelebrieren. 

 

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Tanja Wegmann

General Manager Lalique Hospitality und VR-Präsidentin der Villa Florhof AG