Das Grand Hotel Kronenhof in Pontresina GR hat aufgerüstet. Im Sommer eröffnete das Luxushotel im Oberengadin ein neues Restaurant für seine knapp 150 Mitarbeitenden. Grössere Räumlichkeiten und ein eigenes Küchenteam sorgen seitdem für das Wohlergehen der Mitarbeitenden. Diese erhalten auf Wunsch Vollverpflegung, die Frühstück, Mittagessen, Abendessen sowie Getränke an sieben Tagen in der Woche beinhaltet.
Die Ansprüche sind gestiegen
Die Gründe für die Investitionen auf der Mitarbeitendenseite liegen für Claudio Laager, Direktor des Kronenhofs, auf der Hand. «Als Luxushotel wollen wir die besten Mitarbeitenden für uns gewinnen. Daher müssen wir den Mitarbeitenden das Beste bieten – auch bei der Infrastruktur», sagt er. Gerade in Zeiten, in denen sich Mitarbeitende den Arbeitgeber wegen des Personalmangels in der Hotelleriebranche aussuchen können, sei eine zeitgemässe Verpflegung und Unterkunft essenziell.
Dies zeigt sich exemplarisch am neuen Restaurant des Luxushotels. «Wir bieten unseren Mitarbeitenden eine grosse Vielfalt beim Menü. Es gibt vegetarische und vegane Optionen, Intoleranzen werden berücksichtigt», sagt Laager. Die Wünsche der Mitarbeitenden werden in der Regel umgesetzt. «Klar wird das Restaurant keinen Kaviar oder ein Fünfgangmenü auftischen», schmunzelt Laager, «aber wir achten darauf, dass das Menü abwechslungsreich und gesund ist.»
Das hängt nicht zuletzt mit den gestiegenen Ansprüchen der Mitarbeitenden zusammen. «Vor 15 bis 20 Jahren spielte der Lohn bei den Mitarbeitenden noch eine viel grössere Rolle», stellt Laager fest. Mitarbeitende blieben oft nur über die Wintersaison im Betrieb und wollten so viel Geld wie möglich verdienen. Ein Zimmer wurde oft mit einer fremden Person geteilt, die Aktivitäten neben der Arbeit waren sekundär.
«Heute steht die Privatsphäre und die Frage danach, was man eigentlich tut, wenn man nicht arbeitet, im Vordergrund.» Ein Personalzimmer muss heute über Dusche und WC verfügen und wird in der Regel alleine bewohnt. Daneben bietet der Kronenhof Vergünstigungen auf Skipässe, Rabatte auf Übernachtungen für Familienmitglieder und Mitarbeiteranlässe wie die Saisonabschlussparty.
Claudio Laager ist Direktor des Grand Hotels Kronenhof in Pontresina GR. (Bild: zVg)
Herausforderung Wohnraum
Diese Ansprüche gehen allerdings mit Herausforderungen herein. Eine der drängendsten ist dabei der knappe Wohnraum. Gemäss Branchenverband HotellerieSuisse seien besonders Bergregionen davon betroffen. Die Ursachen sind vielfältig: Steigende Baupreise und Hypotekarzinsen, komplizierte Raumplanungsgesetze, Föderalismus, Bürokratie sowie lange Verfahren aufgrund von Einsprachen erschwerten die Beschaffung von Wohnraum.
Dieses Problem kennt auch Hoteldirektor Claudio Laager. «Im Engadin ist die Situation besonders angespannt. Hier ist es nicht nur für Mitarbeitende, sondern auch für Einheimische, eine Herausforderung, eine Wohnung zu finden.» Das macht die Lage auf dem Wohnungsmarkt sehr schwierig und ist für die Hotellerie vor allem finanziell eine Herausforderung. «Ein Teil unserer Mitarbeitenden lebt in Pontresina in Wohnungen ausserhalb der Hotelanlage. Bei diesen Wohnungen müssen wir einen Teil der Kosten selbst tragen. Denn gerade Angestellte aus dem nahen Ausland kommen nicht zum Arbeiten ins Engadin, wenn eine Wohnung über 5000 Franken pro Monat kostet», sagt Laager.
Deshalb ist Laager froh, dass das Hotel ein Stück Land direkt am Bahnhof von der Gemeinde Pontresina erwerben konnte. Dort sollen bis 2027 15 Wohnungen für Mitarbeitende entstehen. Diese sind auch nötig. Denn: «Das Engadin ist bei den Gästen nach wie vor sehr beliebt. Es kommen jedes Jahr mehr Gäste. Das heisst für uns, dass wir auf der Personalseite investieren müssen, um der Nachfrage gerecht zu werden», sagt Laager.
Investitionen lohnen sich
Dennoch werde das neue Personalhaus für das Hotel und die Mitarbeitenden viele Vorteile bringen, ähnlich wie das neue Restaurant. «Dieses ist nicht nur ein Ort, wo gegessen wird. Es ist ein Treffpunkt, wo alle zusammenkommen, sich untereinander austauschen oder über Sorgen sprechen.» So entstehe unter den Mitarbeitenden eine grosse Familie, die als Rückzugsort und Wohlfühloase dient.
«Dieses Wohlbefinden wirkt sich positiv auf die Gäste aus», ist Laager überzeugt. Denn wenn sich die Mitarbeitenden wohl fühlen, können sie sich voll und ganz auf ihre Hauptaufgabe konzentrieren: den Service der Gäste. «Das hat wiederum positiven Einfluss auf das Gästeerlebnis, was die Bindung an das Hotel verstärkt. Die Gäste kommen wieder und sprechen in der Öffentlichkeit positiv über das Hotel. Gleichzeitig positioniert uns das als vorbildlicher Arbeitgeber in der Branche, was wiederum einfacher macht, neue Mitarbeitende zu finden. Investitionen in die Zufriedenheit – und damit auch in die Infrastruktur für Mitarbeitende – lohnen sich daher immer.»