Bald 1000 Zimmer und ein neuer CEO

Oliver Borner – 19. Februar 2026
Guillaume Fassbind ist seit Dezember 2024 Direktor der Gruppe Hotels by Fassbind in der Region Genf. Da sein Vater Eric Fassbind, CEO, bald in den Ruhestand geht, findet ein Generationswechsel statt. Der 31-jährige Hotelier ist begeistert von seinem Beruf, zeigt sich ehrgeizig und hat grosse Träume.

Guillaume Fassbind, was ist deine Aufgabe als Direktor der Gruppe Hotels by Fassbind in der Region Genf?
Guillaume Fassbind: Im Idealfall sollte alles auch in meiner Abwesenheit funktionieren. Aber die Realität sieht anders aus: Es ist ein grosses Haus, und natürlich ist ständig etwas los! Ich versuche den Mitarbeitern so viel Eigenverantwortung wie möglich zu übertragen, und sie wissen, dass sie mich um Hilfe bitten können. Ich sehe mich als Problemlöser.

Du kannst nicht nur Feuerwehrmann spielen, sondern musst dir auch Zeit für die Strategie nehmen ...
Ich bin bereits an strategischen Entscheidungen beteiligt, da ich eines Tages die Leitung der Gruppe übernehmen werde. Ich liebe meinen Job, und ich liebe es, Manager zu sein! Ich stehe täglich mit meinem Vater in Kontakt und wir treffen Entscheidungen gemeinsam. Ich bin in Genf, um zu lernen und den Nachfolgeprozess zu beginnen, damit der Generationswechsel, der zu den Zielen für 2026 gehört, stattfinden kann.

Du sagst, du liebst deinen Job. Warum hast du diesen Weg eingeschlagen?
Dieser Bereich ist sehr bereichernd: Man trifft Menschen, leitet Teams. Ich hatte das Glück, seit meiner Kindheit in diesem Umfeld aufzuwachsen, und es erschien mir daher ganz natürlich, in diesem Bereich zu arbeiten. Mein Vater hat mich nie unter Druck gesetzt, in seine Fussstapfen zu treten. Im Gegenteil, er hat dafür gesorgt, dass der Wunsch von mir kam. Bei meinem 28-jährigen Bruder hat sich dieses Interesse noch nicht gezeigt, und er steht nicht unter Druck, den Familienweg einzuschlagen. Mein Vater möchte, dass wir glücklich sind.

Wann denkst du, wirst du CEO der Gruppe? 
Mein Vater hat immer gesagt, dass er mit 60 Jahren in Rente gehen will – die er am 7. April dieses Jahres feiern wird –, aber er hat erkannt, dass es nicht so einfach ist, loszulassen, nachdem er sich so sehr für das Familienunternehmen engagiert hat. Er hat auch gesagt,  dass er an dem Tag aufhören würde, an dem wir 1000 Zimmer haben. Das hat er im Scherz gesagt, aber dieser Tag wird schneller kommen als erwartet!

Kann dies erreicht werden, sobald die Erweiterung der Genfer Hotels abgeschlossen ist?
Wir haben im November 2025 das Gebäude direkt neben dem Tiffany gekauft, um das Hotel zu vergrössern. Das derzeitige Grossprojekt besteht darin, die beiden Hotels in Genf zu renovieren. Das Geneva wird dann 120 Zimmer haben, gegenüber heute 70. Das Gleiche gilt für das Tiffany. Wir haben den Antrag gestellt, und die Bauarbeiten werden voraussichtlich fast ein Jahr dauern, zwischen 2026 und 2027.

Noch lernst du das Handwerk an der Seite deines Vaters.
Ja, ich habe grosses Glück. Mein Vater ist mein Mentor. Wir haben ein sehr gutes Verhältnis, sowohl als Vater und Sohn als auch bei der Arbeit. Ich glaube, es ist eine Erleichterung für ihn, zu wissen, dass ich nicht nur Gefallen am Hotelierberuf habe, sondern auch den Wunsch habe, die Leitung zu übernehmen. 

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Das Restaurant Le Tiffany ist derzeit geschlossen. Es wird in Kürze mit einem neuen Konzept wiedereröffnet. (Bild: Nicolas Righetti)

Wie sieht dein Führungsstil aus, wie leitest du deine aktuell 30 Mitarbeitenden?
In der Gruppe leben wir eine flache Hierarchie: Ziel ist, dass alle Mitarbeiter alles können und Verantwortung übernehmen. Der partizipative Führungsstil ist ein hervorragendes Mittel, um Mitarbeiter zu motivieren und an das Unternehmen zu binden. 

Wie sieht dein Alltag aus?
Ich pendle zwischen den zwei Hotels, dem Geneva im Stadtteil Servette und dem Tiffany im Stadtteil Plainpalais. Mein Büro befindet sich im Tiffany, mit dem Fahrrad brauche ich nur zehn Minuten zum Geneva. Meine Aufgaben sind vielfältig: Neulich haben wir Decken geliefert bekommen. Wir beschäftigen eine Person an der Rezeption, die ihren Arbeitsplatz nicht verlassen kann, ebenso wie das Housekeeping. Also habe ich die acht Paletten abgeladen.

Du scheust dich nicht davor, selbst Hand anzulegen?
Überhaupt nicht, wenn das Ziel lautet, mit möglichst wenig Personal auszukommen, gehört das zum Job. Zudem mag ich es, wenn meine Aufgaben abwechslungsreich sind. Manchmal ver­wandle ich mich in einen Klempner oder reinige Waschbecken!

Hotels by Fassbind ist ein Familienunternehmen. Ist Familie also Teil der Werte?
Auf jeden Fall. Heute sind wir zu dritt, meine Mutter Pascale ist Architektin und beteiligt sich an bestimmten Renovierungsprojekten. Ich repräsentiere die dritte Generation, da meine Grosseltern väterlicherseits das Abenteuer mit dem Alpha Palmier in Lausanne begonnen haben.

Welche weiteren Werte zeichnen die Gruppe aus?
Unabhängigkeit. Wir machen alles selbst. Dienstleistungen wie das Housekeeping werden nicht ausgelagert. Wir sind auch finanziell unabhängig und haben keine Schulden, was in der Ho­tellerie selten ist. Auch Innovation gehört dazu. Kürzlich haben wir viele unserer Dienstleistungen digitalisiert, und wir sorgen dafür, dass unsere Häuser immer auf dem neuesten Stand sind. Wir schütten keine Dividenden aus. Alle Gewinne werden in das Unternehmen reinvestiert, sei es in Renovierungen oder in den Ausbau unseres Immobilienbestands.  

Was ist deine Vision?
Unsere Hotels haben drei oder vier Sterne, liegen im Stadtzentrum und verfügen über mindestens 50 Zimmer. Die derzeitigen Grossprojekte sind die Erweiterung des Tiffany und die Renovierung des Geneva. Im Jahr 2027 werden wir das ehemalige Kino im Swiss Chocolate Hotel in Zürich umbauen und dort Pods einrichten, etwa dreissig Kapseln mit Betten für zwei Personen, die sich über drei oder vier Etagen verteilen. Als längerfristige Vision möchten wir unsere Präsenz in den Städten, in denen wir bereits vertreten sind, stärken und uns vielleicht auch in Bern und Basel etablieren, um in jenen Schweizer Städten präsent zu sein, die an derselben Verkehrsachse liegen.

Ihr renoviert die beiden Hotels in Genf und das Swiss Chocolate in Zürich. Wie sieht es mit den Häusern in Lausanne aus?
Die Aufstockung des Alpha Palmier wurde gerade genehmigt, was bedeutet, dass zwei zusätzliche Stockwerke an der Rückseite des Gebäudes angebaut werden können. Unglaublich!

Was sind derzeit die grössten Herausforderungen für die Gruppe?
Die Rekrutierung von qualifiziertem Personal bleibt eine Herausforderung, weshalb wir voll und ganz auf die Mitarbeiterbindung setzen. Ludivine Corminboeuf, unsere Direktorin in Lausanne, hat als Housekeeping-Mitarbeiterin angefangen. Das Ziel ist es, unsere Mitarbeitenden während der Schliessung des Geneva und des Tiffany Hotels zu halten, und sie während der Bauarbeiten auf andere Standorte verteilen.

Wie lautet deine persönliche Bilanz nach einem ganzen Jahr als Regionaldirektor Genf?
Als wir das Tiffany übernommen haben, war das eine grosse Umstellung, denn ich musste alles nach Fassbind-Art umgestalten und umstrukturieren, was sich als ziemliche Herausforderung erwies. Das Restaurant arbeitete mit Verlust, ich musste leider Mitarbeiter entlassen. Ein Jahr später bin ich mit der aktuellen Situation und dem, was wir erreicht haben, zufrieden, die Bilanz ist sehr positiv. 

Reist du, um dich von Hotelangeboten auf der ganzen Welt inspirieren zu lassen?
Ja, und ich träume davon, Hotels im Ausland zu eröffnen. Da ich mich für Surfen und Kitesurfen begeistere, stelle ich mir Hotels am Wasser vor, im Boutique-Stil und mit Lifestyle-Ausrichtung, mit Aktivitäten rund um Wassersport und Yoga vor. Warum nicht in Portugal?