Zmittag neu gedacht

Mathias Steger – 18. Juni 2026
Ein gemütlicher Zmittag im Restaurant ist heute nicht mehr selbstverständlich. Stattdessen sind alternative Möglichkeiten gefragt, um unkompliziert zu essen. Das GastroJournal hat von drei Schweizer Gastronomiebetrieben ­erfahren, wie sie auf die veränderten Bedürfnisse der Mittagsgäste reagieren.

Die Nomad Eatery im Nomad Design & Lifestyle Hotel im Zentrum von Basel setzt mittags auf unkomplizierte Gerichte mit internationalem Flair. Während am Abend kreative Streetfood-Kreationen mit Sharing-Konzept im Fokus stehen, umfasst die Lunchkarte eine Auswahl an Klassikern aus der Abendkarte sowie einfache Gerichte aus verschiedenen Teilen der Welt. Ergänzt wird das Angebot durch drei wöchentlich wechselnde Mittagsmenüs inklusive Suppe oder Salat als Vorspeise. «Mit diesem Konzept möchten wir insbesondere Gäste ansprechen, die in ihrer Mittagspause Wert auf ein gutes und ausgewogenes Essen legen, gleichzeitig aber oft nur begrenzt Zeit haben», sagt Kanti Sievert (33), stellvertretende Direktorin.

Zu den wichtigsten Trends rund um den Lunch zählen für Sievert Schnelligkeit sowie eine ausgewogene und gesunde Ernährung. «Es gibt heute nur noch wenige Menschen, die sich zwei Stunden Mittagspause gönnen», so die Branchenkennerin. Gleichzeitig werde Flexibilität immer wichtiger: «Gäste schätzen es, wenn sie Komponenten anpassen oder einzelne Elemente eines Gerichts austauschen können.»

Die Nomad Eatery begegnet diesen Erwartungen mit ehrlicher, unkomplizierter Küche, die sich in einem klar definierten Zeitrahmen servieren lässt. Hinzu kommt ein gut geschultes Team, das auf individuelle Wünsche eingeht. «Erfolgreich sind künftig vor allem Betriebe, die Effizienz mit echter Produktqualität und einer klaren Positionierung verbinden», fasst die Gastronomin zusammen.

Kanti1

Tipps von Kanti Sievert

«Wichtig ist, sich zunächst klar darüber zu werden, wofür das eigene Konzept steht und welche Gäste man damit ansprechen möchte. Entscheidend ist aber vor allem die Leidenschaft für das, was man tut – denn nur so entsteht ein authentisches Angebot, das langfristig überzeugt.»

Japanisch-inspirierte Bowls

Ganz besonders grosser Beliebtheit für ein schnelles und unkompliziertes Essen erfreuen sich aktuell Bowls. Ein wichtiger Anbieter in diesem Bereich ist Kaisin mit FDP-Nationalrat Andri Silberschmidt als Verwaltungsratspräsident. Was 2017 als Freundschaftsprojekt begann, hat sich inzwischen zu einem erfolgreichen Konzept entwickelt. Heute bietet das Unternehmen japanisch inspirierte Bowls an elf Standorten in der Deutschschweiz an. Zudem können die Gerichte über Delivery-Dienste nach Hause bestellt werden. Die Gäste haben die Wahl zwischen vordefinierten Kreationen oder können ihre Bowl individuell mit den gewünschten Zutaten zusammenstellen.

«Für viele Menschen hat sich das Mittagessen verändert. Es muss nicht mehr das klassische Mittagsmenü sein. Gefragt sind gesunde und frische Gerichte, die gleichzeitig schnell verfügbar sind», sagt Delano Fischer (33), Mitbegründer und CEO von Kaisin. Bowls seien aufgrund ihrer frischen und vielseitig einsetzbaren Zutaten geradezu prädestiniert dafür. «Wir können damit die Bedürfnisse aller Gäste abdecken – egal ob vegan, vegetarisch oder glutenfrei.»

Auch die Zielgruppe habe sich im Laufe der Jahre deutlich erweitert. «Zu unseren Gästen gehören Menschen, die einen schnellen, frischen und qualitativ hochwertigen Lunch suchen, aber auch designaffine Personen, die Wert auf ein stimmiges Gastroerlebnis und Lifestyle legen», erklärt Fischer. Mit einem Nährwertkalkulator spricht Kaisin zudem gezielt gesundheitsbewusste Gäste an. Das Geschäft entwickelt sich laut Fischer erfreulich. Entsprechend setzt das Unternehmen auf qualitatives Wachstum. In den kommenden Wochen werden neue Standorte in Basel und Luzern eröffnet. Mittelfristig plant das Unternehmen zudem den Eintritt in die Westschweiz.

Delano Fischer

Tipps von Delano Fischer

«Die klassische Gastronomie wird nicht verschwinden. Betriebe sollten jedoch offen für neue Entwicklungen bleiben, die Bedürfnisse ihrer Gäste genau beobachten und das eigene Angebot regelmässig hinterfragen. Vielleicht besteht bei den Gästen beispielsweise ein Bedarf nach zusätzlichen Take-away-Angeboten.»

Kombi aus Zmorge und Zmittag

Das Zürcher Lokal Bank am Helvetiaplatz ist vor allem für die Kombination aus unkomplizierten Easy-Lunchgerichten und vielfältigen internationalen Frühstücks- und Brunchangeboten bekannt. Ergänzt wird das Angebot durch Signature-Gerichte wie Burger oder Sabich. Zu den Bestsellern zählen Shakshuka, verschiedene Bagel-Variationen, Rührei sowie Laugengipfeli mit Avocado und Spiegelei. Seit 2017 gehört das Lokal zur Hälfte zu den Bindella-Unternehmungen und zur anderen Hälfte dem Freddy Burger Management.

«Besonders beliebt ist unser flexibles À-la-carte-Konzept: Die Gerichte werden in kleineren Portionen serviert, sodass Gäste verschiedene Speisen kombinieren und teilen können», sagt der Unternehmer Rudi Bindella (48).

Gleichzeitig betont er, dass die Grenzen zwischen Frühstück, Brunch und Mittagessen zunehmend verschwimmen: «Daher bieten wir auch unter der Woche bis 14 Uhr zusätzlich zum regulären Lunch ein kleines Brunchangebot an, das viele Gäste gerne auch zur Mittagszeit bestellen.»

Darüber hinaus beobachtet Bindella veränderte Bedürfnisse. Gesundheit, Frische und Leichtigkeit stünden heute im Zentrum. Viele Gäste wünschten sich kleinere Portionen, mehr Flexibilität und Gerichte, die sich gut in einen aktiven Alltag integrieren lassen. «Der Faktor Zeit wird weiter an Bedeutung gewinnen. Deshalb entwickeln wir unsere Speisen so, dass sie leicht, frisch und gesund sind und gleichzeitig effizient zubereitet werden können», erklärt der Gastronom. «Viele möchten innerhalb einer Stunde essen und wieder an ihren Arbeitsplatz zurückkehren. Hohe Qualität, faire Preise und ein schneller Service werden dabei vorausgesetzt.»

Rudi BIndella (2)

Tipps von Rudi Bindella

«Entscheidend ist, den Dialog mit den Gästen aktiv zu pflegen und aufmerksam zuzuhören. Trends verändern sich schnell. Deshalb lohnt es sich, neue Ideen auszuprobieren, Angebote zu testen und offen für Feedback zu bleiben.»