«Wir haben ehrgeizige Pläne für die Schweiz»

Reto E. Wild – 19. August 2026
Bodega Numanthia, im Besitz des Luxusgüterkonzerns LVMH, gehört zu den aufstrebenden Weingütern im DOC Toro. Die Weine verfügen über ein attraktives Preis-Genussverhältnis und sprechen Geniesser an, die kraftvolle, fruchtbetonte und moderne Weine bevorzugen. Ein Test und ein Interview.

Im Herzen Kastiliens, in der Denominación de Origen (DOC) Toro, entstehen einige der kraftvollsten Rotweine Spaniens. Mit rund 6000 Hektar Rebfläche und einer über 1000-jährigen Weinbautradition hat sich Toro seit seiner offiziellen Anerkennung 1987 als ernstzunehmende Alternative zum klassischen, rund zehnmal grösseren Weinanbaugebiet Rioja etabliert. Die Bodega Numanthia, 1998 von der Familie Eguren gegründet und seit 2008 im Besitz von Moët Hennessy (Teil des Luxusgüterkonzerns LVMH), steht exemplarisch für das Potenzial dieser Region. Aus bis zu 150 Jahre alten Tinta-de-Toro-Reben (Tempranillo) entstehen hier Weine mit Konzentration und Finesse – allen voran der Vorzeigewein Numanthia (kommt fünf Jahre nach der Ernte auf den Markt, kostet knapp 60 Franken, erhielt für den Jahrgang 2020 94 Parker-Punkte) und der Spitzenwein Termanthia, der allerdings deutlich über 150 Franken kostet und erst sieben Jahre nach der Ernte lanciert wird.

Spaniens beste Weine

Toro-Weine zeichnen sich durch ihre intensive, dunkle Frucht, hohe Tanninstruktur und einen Alkoholgehalt von meist 14,5 bis 15,5 Prozent aus. Das kontinentale Klima mit grossen Temperaturschwankungen und die sandigen Böden sorgen für reife, farbintensive Weine mit langem Lagerpotenzial. Im Vergleich zum Rioja wirken sie oft kraftvoller, fruchtbetonter und weniger von der klassischen Holznote geprägt – Eigenschaften, die sie besonders interessant für die moderne Gastronomie machen.

Numanthia nutzt diese Gegebenheiten mit minimalistischem Eingriff: Die Trauben reifen 12 bis 18 Monate in französischer Eiche und ergeben Weine mit Aromen von schwarzer Beere, Schokolade, Tabak und einer feinen mineralischen Note. Regelmässig mit 94 bis 98 Punkten bewertet, zählen sie zu den besten Vertretern Spaniens. Gegenüber dem Rioja bieten Weine aus dem Toro nicht nur meist ein attraktiveres Preis-Genuss-Verhältnis, sondern auch eine moderne, kraftvolle Stilistik, die bei internationalen Weinliebhabern gut ankommt. Und das Ziel ist, mit dem Jahrgang 2023 nur noch biologisch zu produzieren.

Bei einer exklusiven Vertikal-Degustation in Zürich bewertet das GastroJournal die Jahrgänge: 

Numanthia 2004: 17,5 Punkte (Vanille, dunkle Beeren, Schokolade, Tabak, langer Abgang)

Numanthia 2020: 18 Punkte (runder, sehr zugänglicher Wein, Vanille, dunkle Beeren, Milchschokolade)

Numanthia 2021: 18 Punkte (der Wein deutet sein riesiges Lagerpotenzial an, schwarze Früchte, sollte noch zwei Jahre gelagert werden)

Termanthia 2017: 19 Punkte (Spitzenwein, Essensbegleiter, dunkle Beeren, balsamische Noten, unendliche Länge)

Termanthia 2018: 19 Punkte (und gleich nochmals Weltklasse, dicht, Perfektion pur, Vanille, Brombeeren, Schokolade)

Vendimia2024 187

Das GastroJournal hat Martin Derrier, Marketingmanager der Bodega Numanthia, zum Gespräch getroffen.

Martin Derrier, was sind die wichtigsten Märkte der Bodega Numanthia?
Martin Derrier: Spanien und die Vereinigten Staaten bleiben unsere zwei wichtigsten Märkte. In Spanien laufen etwa 90 Prozent unserer Verkäufe über B2B, was die starke Verbundenheit von Köchinnen und Köchen sowie Sommeliers mit unseren Weinen widerspiegelt.

  

Wie wichtig ist der Schweizer Markt?
Die Schweiz zählt zu unseren fünf wichtigsten Exportmärkten und wird weiter an Bedeutung gewinnen. Wir sehen eine steigende Nachfrage und eine hervorragende Wertschätzung der Konsumentinnen und Konsumenten für unsere Weine.

  

Welche Pläne hat Numanthia in der Schweiz?
Wir haben ehrgeizige Pläne. Wir sehen grosses Potenzial in diesem Markt, denn unsere Weine überraschen und begeistern sowohl Konsumentinnen und Konsumenten als auch Fachleute aus dem Handel. Wir werden weiterhin in den Aufbau der Marke investieren und unsere Präsenz in diesem vielversprechenden Markt stärken.

  

Die Weinindustrie befindet sich in einer Krise. Wie stark wirkt sich das auf Numanthia aus?
Die aktuelle Situation ist zweifellos herausfordernd. Doch wir haben das Glück, weiter zu wachsen – dank der Stärke unserer Weine, die ihrer Essenz treu bleiben, dank unserer langfristigen Vision und der Loyalität unserer Kundinnen und Kunden.

  

Was ist bei bei den Weinen aus Toro einzigartig im Vergleich zu Rioja oder Ribera del Duero?
Unser Terroir und unser aussergewöhnliches Erbe alter, wurzelechter Rebstöcke. Bei Numanthia interpretieren wir dieses Erbe mit einem modernen Ansatz. Unsere Weine verbinden die Tiefe und Authentizität einer alten Seele mit der Anziehungskraft und Präzision eines jungen Geistes.

  

Was sind die Ziele für die Zukunft?
Eine unserer wichtigsten Prioritäten ist die bevorstehende Veröffentlichung von Termes (derzeit in der Schweiz nicht erhältlich, Anmerkung der Redaktion). Dieser steht für eine zeitgemässere, frische und fruchtige Interpretation von Toro – begleitet von einer neuen Flasche und einem neuen Etikett. Wir sehen darin ein aufregendes Kapitel, das die Region einer neuen Generation von Weinliebhabern näherbringen wird.