«Wir geben den Menschen eine Chance auf Integration, darum liebe ich meinen Job», erklärt Goran Radovic (52), Franchisenehmer von vier McDonald’s-Restaurants (drei davon in Zürich und eines in Spreitenbach AG). Als Radovic 1987 in die Schweiz kam, waren seine Eltern und die beiden jüngeren Geschwister bereits hier. Der gebürtige Serbe kann sich gut an die Worte seines Vaters erinnern: «Integrieren kannst du dich nur, wenn du die Sprache lernst.» Gesagt, getan. Radovic hat sechs Monate intensiv Deutsch gebüffelt, danach die Sekundarschule absolviert und ein Architekturstudium begonnen. Zu dieser Zeit hat er auch bei McDonald’s in St. Gallen als Crew-Mitglied begonnen. «Die Arbeit hat mir damals sehr geholfen, neue Freunde zu finden und die Sprache zu lernen», erzählt der Unternehmer.
Die Sprache als Türöffner
Deshalb arbeitet Radovic heute mit einer Schule zusammen, in der seine rund 200 Mitarbeitenden ein Jahr lang kostenlos Deutsch und andere Sprachen lernen können. «Wir möchten allen eine Chance geben und ihnen die Vorteile einer gemeinsamen Sprache aufzeigen», erklärt der Lizenznehmer. In seinem Team gebe es viele Mitarbeitende, die sprachlich nicht perfekt seien, jedoch grosse Gastgeberqualitäten aufwiesen, und das soll gefördert werden. «Rund 40 Prozent meiner Mitarbeitenden nutzen das Angebot für den Deutschunterricht», so Radovic.
Vor allem für die ältere Generation sei der Unterricht wichtig, da sie weniger soziale Kontakte als die Jungen haben und deshalb die Sprache über andere Wege erlernt werden müsse. Zudem sei eine gemeinsame Sprache bei über 200 Mitarbeitenden aus rund 30 Nationen entscheidend, um allfällige Missverständnisse vorzubeugen. «Wir haben eine grosse Vielfalt an unterschiedlichen Altersklassen, Nationen, Ausbildungsniveaus, Rollen, Hobbys und Kulturen bei unseren Mitarbeitenden», so Radovic stolz. Dies bringe viele Vorteile, jedoch auch einige Herausforderungen mit sich. «Ich habe herausgefunden, dass die Ursache bei Diskussionen oft ein Verständigungsproblem aufgrund der Sprachbarriere ist», erzählt Radovic. Deshalb sei es extrem wichtig, nachzufragen, wie es die andere Person verstanden hat und im Anschluss zu verifizieren, ob dies mit der eigenen Absicht deckungsgleich ist. So könnten Missverständnisse einfach, schnell und problemlos geklärt werden, und man könne sich wieder auf das gemeinsame Arbeiten konzentrieren. «Wir möchten uns nicht auf die Unterschiede, sondern auf die Gemeinsamkeiten konzentrieren», so der Unternehmer.
Gleiche Rechte und Chancen für alle
«Die Herkunft spielt bei uns keine Rolle, hier sind wir alle gleichgestellt», erklärt Radovic. Seine Tochter, Milica Kovacevic (27), verantwortlich für das Personalwesen und in Ausbildung zur Schichtführung, ergänzt: «Es spielt keine Rolle, wer du bist und was du machst, wenn du bei McDonald’s eine Karriere machen willst, dann kannst du das schaffen.» Wenn Kovacevic und ihre Kollegen aus ihrer Abteilung die Aufstiegsmöglichkeiten bei McDonald’s vorstellen, nutzen sie die Geschichte ihres Vaters. Denn das Beispiel zeige auf, was möglich ist.
Angefangen als Crew-Mitglied in der Küche führt Radovic knapp 40 Jahre später 200 Mitarbeitende und ist verantwortlich für vier Restaurants. Für den Arbeitgeber ist genau diese Vielfalt und Diversität auch das Erfolgsrezept von McDonald’s. Auch wenn alle unterschiedlich seien, ist es beim weltweit umsatzstärksten Fast-Food-Konzern wie bei einer kleinen oder grossen Familie. «Ein Weihnachtsessen bei uns fühlt sich an wie ein Familienfest», erklärt Kovacevic. Es wird zusammen gelacht, gefeiert und genossen. Es ist dem Unternehmer sehr wichtig, diese Vielfalt zu zelebrieren. So sei es für ihn auch selbstverständlich, dass bei Bedarf die eigene Kleidung inklusive des Kopftuchs getragen werden kann. «Bei uns muss sich jede und jeder wohlfühlen», ergänzt er.
Die Vorteile von Teilzeitpensen
Von den rund 200 Angestellten arbeiten rund 90 Mitarbeitende im Vollzeitpensum. Die restlichen Mitarbeitenden sind in verschiedenen Teilzeitpensen angestellt. Das ermögliche bei der Personalplanung einen grossen Spielraum. Für beide Seiten.
«Unsere stärksten Zeiten sind über den Mittag, dann benötigen wir die grösste Anzahl an Mitarbeitenden», erklärt Radovic. Auch die Vorbereitungen für das Mittagsgeschäft gehören dazu. So gebe es beispielsweise eine Mutter, die trifft am Morgen ein, bereitet das Restaurant vor und geht um 11 Uhr wieder nach Hause, um das Essen für ihre Kinder zuzubereiten. Auch gebe es Familien unter seinen Angestellten, die sich den Arbeitstag bei McDonald’s und die Kinderbetreuung 50/50 aufteilen.
«Während die Mutter bei uns tagsüber arbeitet, betreut der Vater die Kinder», erklärt Radovic. «Und wenn der Papa abends arbeiten geht, übernimmt die Mama», führt er weiter aus. Wieder andere Schichten am Wochenende oder abends werden vor allem von Studentinnen und Studenten übernommen, weil diese sich gut mit ihren Schulzeiten und dem Selbststudium vereinen lassen. «In unserem Restaurant an der Langstrasse haben wir fixe Teilzeitpensen (40, 50, 60 und 70 Prozent), sodass die Mitarbeitenden jeden Monat gleich viel verdienen», so Radovic. «Anhand ihrer Verfügbarkeiten werden sie eingeplant und erhalten regelmässig die gleiche Anzahl Stunden vergütet», ergänzt seine Tochter. Das ermögliche eine gute Planungssicherheit für beide Seiten, führt die HR-Verantwortliche weiter aus.
Auch sie selbst kann täglich von dieser Flexibilität profitieren. «Als ich Mama geworden bin, war es für mich der Zeitpunkt, zu McDonald’s zurückzukehren», erklärt sie. «Hier habe ich die Flexibilität, am Morgen oder am Abend zu arbeiten und so die Betreuung meiner Tochter mit meinem Mann aufzuteilen, der übrigens ebenfalls für meinen Vater arbeitet», ergänzt sie schmunzelnd.
It's a family affair
Nach ihrer Ausbildung als Kleinkinderzieherin Fachangestellte Betreuung kam Kovacevic über die Handelsschule zur Bank. Mit dem Mamawerden wechselte sie zurück zu McDonald’s. Die 27-Jährige möchte eines Tages in die Fussstapfen ihres Vaters treten und befindet sich in der Ausbildung zur Schichtführerin. «Ich bin aufgewachsen mit McDonald’s, das war für mich immer wie ein zweites Zuhause», erklärt sie. Als sich Kovacevic entschieden hat, in das Geschäft ihres Vaters einzusteigen, war für die beiden klar, dass sie als Mitarbeiterin und nicht als Tochter in den Betrieb einsteigt. «Wir sprechen bei der Arbeit nicht über private Dinge. Wenn meine Tochter krank ist, dann melde ich mich offiziell krank, genauso wie das alle anderen Mitarbeitenden auch tun», erklärt die Schichtführerin in Ausbildung. Der einzige Nachteil, so müssen beide einräumen, sei, dass diese Abgrenzung in die andere Richtung oftmals nicht funktioniere. «Es passiert oft, dass wir bei einem Familienessen zu Hause über die Arbeit sprechen.» Denn auch die Ehefrau von Radovic ist seit dessen Beginn vor acht Jahren im Betrieb tätig, und der Ehemann von Kovacevic ist derzeit Supervisor von zwei der vier Restaurants.
Jeder Tag ist eine neue Herausforderung
Im Gespräch mit Vater und Tochter ist die Begeisterung für das Unternehmen und die tägliche Arbeit spürbar. «Für mich ist es die grösste Herausforderung, eine gute Balance zwischen dem Gast und dem Team zu finden», erklärt Kovacevic. Wenn das Restaurant beispielsweise voll sei und eine Mama mit ihrem Kind hereinläuft, dann helfe ich, wo ich nur kann.
«Das sind die kleinen Wohlfühlmomente, bei denen wir einen Unterschied machen können», ergänzt sie. Für ihren Vater steht vor allem eine wertschätzende, inspirierende und motivierende Führung im Zentrum. «Meine Aufgabe ist es, meinen Gästen ein tolles Erlebnis zu bieten und diese Erwartung an die Mitarbeitenden zu transferieren», so Radovic. Dabei sei der Faktor Motivation elementar. Für den Arbeitgeber bedeutet dies vor allem auf die Schulter klopfen, die Wertschätzung auch durch einen angemessenen Lohn zeigen, die Erwartungen klar kommunizieren und erreichbare Ziele gemeinsam definieren respektive herausfinden, wie Mitarbeitende dort hinkommen. «Das Gastgebersein hat man im Blut, doch wenn nicht, kann man es auch lernen», so Radovic.
Ketchup in den Adern
«Wenn ich bei einem Mitarbeitenden das Gastgeber-Gen spüre, dann nutze ich es, um den anderen Teamkollegen zu zeigen, wie es geht», so Radovic. Ein freundliches «Grüezi», «en Guete» und «Herzlichen Dank für die Bestellung» gehören bei ihm einfach dazu. Auch die Art und Weise, wie ein Tablar angerichtet und hingestellt wird, trage einen massgeblichen Teil zu einem perfekten Gästeerlebnis bei. «Wir befinden uns bei McDonald's in der Systemgastronomie. Oftmals muss es schnell gehen», so Radovic. Dies solle sich jedoch niemals negativ auf die Qualität des Essens oder des Services auswirken. Im Gegenteil. Er habe einen Mitarbeitenden, der sprachlich nicht perfekt, aber einer der besten Gastgeber sei, den er je getroffen habe. «Er ist offen, lebendig, sieht alles, arbeitet extrem schnell und hat einen hohen Wiedererkennungswert», erklärt Radovic. So etwas können andere nur verstehen und umsetzen, wenn sie es spüren und sehen. Für ihn sei es sehr wichtig, die Mitarbeitenden dort einzusetzen, wo sie ihre Stärken haben. Hier seien auch die Innovationen im Bestellprozess seitens McDonald’s Schweiz in den letzten Jahren sehr hilfreich gewesen.
Kommunikationswege werden vereinfacht
«Wir haben wieder mehr Zeit für den Gast und den Service am Tisch, weil die verschiedenen Bestellwege digitalisiert wurden», ergänzt Radovic. «Die Digitalisierung hat jedoch nicht nur auf die Art und Weise, wie wir heute mit unseren Gästen interagieren, beeinflusst, sondern auch bei der Mitarbeitendenkommunikation einen grossen Unterschied gemacht», so Radovic. «Heute leben die Menschen mit ihrem Mobiltelefon. Das macht die Kommunikationswege direkter, kostengünstiger und einfacher», so der Unternehmer.
McDonald's Schweiz pflegt einen offiziellen Kommunikationskanal über den mit allen Mitarbeitenden kommuniziert und ebenfalls informiert werden kann. Zudem gebe es pro Restaurant eine interne McConnect-Chat-Gruppe, über welche die Möglichkeit zum Kommunizieren bestehe. Hier haben Geburtstagswünsche, Ferienfotos und sonstige Eindrücke aus dem Privatleben einen Raum. Radovic betont jedoch, dass neben den digitalen Kanälen der direkte Austausch und Kontakt mit den Mitarbeitenden nach wie vor das wichtigste Gut bleibe. «Wir investieren viel in den persönlichen und direkten Austausch vor Ort und festigen das Wir-Gefühl mit tollen Aktivitäten und gemeinsamen Essen», erklärt er. Und dies scheint zu funktionieren. Denn die meisten seiner Mitarbeitenden kommen immer noch über eine Empfehlung rein.
Es sei erstaunlich, wie sich die Strukturen der Mitarbeitenden in den Betrieben bilden. «In einem Betrieb, da haben wir beispielsweise viele Studenten. Das steckt an, weil es cool ist, hier zu arbeiten», sagt Radovic. Und im Schnitt bleiben seine Mitarbeitenden über mehrere Jahre, sogar die Studenten. «Wir haben eine Sekundarlehrerin, die bei uns vor acht Jahren als Studentin angefangen hat und immer noch einen Tag in der Woche für uns arbeitet», erzählt Radovic stolz.