«Wir fördern die Vielfalt und leben die Integration»

Nicole Steffen – 11. September 2025
Goran Radovic ist lokaler Unternehmer, Arbeitgeber und Lizenzpartner von McDonald’s Schweiz. Er beschäftigt in seinen vier Restaurants mehr als 200 Voll- und Teilzeitangestellte aus rund 30 Nationen.

Die Vorteile von Teilzeitpensen

Von den rund 200 Angestellten arbeiten rund 90 Mitarbeitende im Vollzeitpensum. Die restlichen Mitarbeitenden sind  in verschiedenen Teilzeitpensen angestellt. Das ermögliche bei der Personalplanung einen grossen Spielraum. Für beide Seiten. 
«Unsere stärksten Zeiten sind über den Mittag, dann benötigen wir die grösste Anzahl an Mitarbeitenden», erklärt Radovic. Auch die Vorbereitungen für das Mittagsgeschäft gehören dazu. So gebe es beispielsweise eine Mutter, die trifft am Morgen ein, bereitet das Restaurant vor und geht um 11 Uhr wieder nach Hause, um das Essen für ihre Kinder zuzubereiten. Auch gebe es Familien unter seinen Angestellten, die sich den Arbeitstag bei McDonald’s und die Kinderbetreuung 50/50 aufteilen.

«Während die Mutter bei uns tagsüber arbeitet, betreut der Vater die Kinder», erklärt Radovic. «Und wenn der Papa abends arbeiten geht, übernimmt die Mama», führt er weiter aus. Wieder andere Schichten am Wochenende oder abends werden vor allem von Studentinnen und Studenten übernommen, weil diese sich gut mit ihren Schulzeiten und dem Selbststudium vereinen lassen. «In unserem Restaurant an der Langstrasse haben wir fixe Teilzeitpensen (40, 50, 60 und 70 Prozent), sodass die Mitarbeitenden jeden Monat gleich viel verdienen», so Radovic. «Anhand ihrer Verfügbarkeiten werden sie eingeplant und erhalten regelmässig die gleiche Anzahl Stunden vergütet», ergänzt seine Tochter. Das ermögliche eine gute Planungssicherheit für beide Seiten, führt die HR-Verantwortliche weiter aus.

Auch sie selbst kann täglich von dieser Flexibilität profitieren. «Als ich Mama geworden bin, war es für mich der Zeitpunkt, zu McDonald’s zurückzukehren», erklärt sie. «Hier habe ich die Flexibilität, am Morgen oder am Abend zu arbeiten und so die Betreuung meiner Tochter mit meinem Mann aufzuteilen, der übrigens ebenfalls für meinen Vater arbeitet», ergänzt sie schmunzelnd. 

It's a family affair

Nach ihrer Ausbildung als Kleinkinderzieherin Fachangestellte Betreuung kam Kovacevic über die Handelsschule zur Bank. Mit dem Mamawerden wechselte sie zurück zu McDonald’s. Die 27-Jährige möchte eines Tages in die Fussstapfen ihres Vaters treten und befindet sich in der Ausbildung zur Schichtführerin. «Ich bin aufgewachsen mit McDonald’s, das war für mich immer wie ein zweites Zuhause», erklärt sie. Als sich Kovacevic entschieden hat, in das Geschäft ihres Vaters einzusteigen, war für die beiden klar, dass sie als Mitarbeiterin und nicht als Tochter in den Betrieb einsteigt. «Wir sprechen bei der Arbeit nicht über private Dinge. Wenn meine Tochter krank ist, dann melde ich mich offiziell krank, genauso wie das alle anderen Mitarbeitenden auch tun», erklärt die Schichtführerin in Ausbildung. Der einzige Nachteil, so müssen beide einräumen, sei, dass diese Abgrenzung in die andere Richtung oftmals nicht funktioniere. «Es passiert oft, dass wir bei einem Familienessen zu Hause über die Arbeit sprechen.» Denn auch die Ehefrau von Radovic ist seit dessen Beginn vor acht Jahren im Betrieb tätig, und der Ehemann von Kovacevic ist derzeit Supervisor von zwei der vier Restaurants. 

Jeder Tag ist eine neue Herausforderung

Im Gespräch mit Vater und Tochter ist die Begeisterung für das Unternehmen und die tägliche Arbeit spürbar. «Für mich ist es die grösste Herausforderung, eine gute Balance zwischen dem Gast und dem Team zu finden», erklärt Kovacevic. Wenn das Restaurant beispielsweise voll sei und eine Mama mit ihrem Kind hereinläuft, dann helfe ich, wo ich nur kann.

«Das sind die kleinen Wohlfühlmomente, bei denen wir einen Unterschied machen können», ergänzt sie. Für ihren Vater steht vor allem eine wertschätzende, inspirierende und motivierende Führung im Zentrum. «Meine Aufgabe ist es, meinen Gästen ein tolles Erlebnis zu bieten und diese Erwartung an die Mitarbeitenden zu transferieren», so Radovic. Dabei sei der Faktor Motivation elementar. Für den Arbeitgeber bedeutet dies vor allem auf die Schulter klopfen, die Wertschätzung auch durch einen angemessenen Lohn zeigen, die Erwartungen klar kommunizieren und erreichbare Ziele gemeinsam definieren respektive herausfinden, wie Mitarbeitende dort hinkommen. «Das Gastgebersein hat man im Blut, doch wenn nicht, kann man es auch lernen», so Radovic. 

Ketchup in den Adern

«Wenn ich bei einem Mitarbeitenden das Gastgeber-Gen spüre, dann nutze ich es, um den anderen Teamkollegen zu zeigen, wie es geht», so Radovic. Ein freundliches «Grüezi», «en Guete» und «Herzlichen Dank für die Bestellung» gehören bei ihm einfach dazu. Auch die Art und Weise, wie ein Tablar angerichtet und hingestellt wird, trage einen massgeblichen Teil zu einem perfekten Gästeerlebnis bei. «Wir befinden uns bei McDonald's in der Systemgastronomie. Oftmals muss es schnell gehen», so Radovic. Dies solle sich jedoch niemals negativ auf die Qualität des Essens oder des Services auswirken. Im Gegenteil.  Er habe einen Mitarbeitenden, der sprachlich nicht perfekt, aber einer der besten Gastgeber sei, den er je getroffen habe. «Er ist offen, lebendig, sieht alles, arbeitet extrem schnell und hat einen hohen Wiedererkennungswert», erklärt Radovic. So etwas können andere nur verstehen und umsetzen, wenn sie es spüren und sehen.  Für ihn sei es sehr wichtig, die Mitarbeitenden dort einzusetzen, wo sie ihre Stärken haben. Hier seien auch die Innovationen im Bestellprozess seitens McDonald’s Schweiz in den letzten Jahren sehr hilfreich gewesen. 

Kommunikationswege werden vereinfacht

«Wir haben wieder mehr Zeit für den Gast und den Service am Tisch, weil die verschiedenen Bestellwege digitalisiert wurden», ergänzt Radovic. «Die Digitalisierung hat jedoch nicht nur auf die Art und Weise, wie wir heute mit unseren Gästen interagieren, beeinflusst, sondern auch bei der Mitarbeitendenkommunikation einen grossen Unterschied gemacht», so Radovic. «Heute leben die Menschen mit ihrem Mobiltelefon. Das macht die Kommunikationswege direkter, kostengünstiger und einfacher», so der Unternehmer.

McDonald's Schweiz pflegt einen offiziellen Kommunikationskanal über den mit allen Mitarbeitenden kommuniziert und ebenfalls informiert werden kann. Zudem gebe es pro Restaurant eine interne McConnect-Chat-Gruppe, über welche die Möglichkeit zum Kommunizieren bestehe. Hier haben Geburtstagswünsche, Ferienfotos und sonstige Eindrücke aus dem Privatleben einen Raum. Radovic betont jedoch, dass neben den digitalen Kanälen der direkte Austausch und Kontakt mit den Mitarbeitenden nach wie vor das wichtigste Gut bleibe. «Wir investieren viel in den persönlichen und direkten Austausch vor Ort und festigen das Wir-Gefühl mit tollen Aktivitäten und gemeinsamen Essen», erklärt er. Und dies scheint zu funktionieren. Denn die meisten seiner Mitarbeitenden kommen immer noch über eine Empfehlung rein.

Es sei erstaunlich, wie sich die Strukturen der Mitarbeitenden in den Betrieben bilden. «In einem Betrieb, da haben wir beispielsweise viele Studenten. Das steckt an, weil es cool ist, hier zu arbeiten», sagt Radovic.  Und im Schnitt bleiben seine Mitarbeitenden über mehrere Jahre, sogar die Studenten. «Wir haben eine Sekundarlehrerin, die bei uns vor acht Jahren als Studentin angefangen hat und immer noch einen Tag in der Woche für uns arbeitet», erzählt Radovic stolz.