«Wir befinden uns auf den letzten Metern»

Oliver Borner – 25. Februar 2026
Am 15. und 16. März kocht Karina Fruman in Marseille (F) für die Schweiz um den Einzug ins Weltfinale des Bocuse d'Or. In der Trainingsküche in Olten SO gibt sie Einblick in ihre Vorbereitung.

In knapp einem Monat gilt es für Karina Fruman ernst. Dann kocht sie, als erste Schweizer Frau überhaupt, in Marseille (F) um den Finaleinzug der Schweiz ins Weltfinale des Bocuse d'Or  2027 in Lyon (F), dem renommiertesten Kochwettbewerb der Welt.

Seit ihrem Sieg an der Schweizer Selektion im Juni 2025 in Vitznau LU bereitet sich die Solothurnerin auf den Europafinal an der Côte d' Azur vor. Dafür zog die Trainingsküche, die für die letzten beiden Ausgaben des Bocuse d'Or in Schüpfen BE stand, extra nach Olten SO um – in unmittelbare Nähe von Frumans Wohnort. «Es ist ein Spaziergang von fünf Minuten von meiner Wohnung bis hierhin», sagt die 26-Jährige am Rande eines Trainingstags vergangene Woche. Dies sei zwar einerseits «cool», verleite aber dazu, noch mehr Zeit in der Küche zu verbringen als eigentlich geplant.

Die Zeit als grosser Gegner

Und das tut die leidenschaftliche Köchin auch. «Ich wohne momentan praktisch hier», gesteht Fruman. Pro Woche finden zwischen zwei bis drei Testläufe statt, dazwischen ist sie mit ihrem Team mit Mise en Place und Debriefing beschäftigt. Aber: es lohnt sich. «Wir haben mit dem Team bereits sechs Probeläufe hinter uns und die Abläufe sitzen mittlerweile sehr gut», freut sie sich. Diesen Eindruck bestätigt Jean-Michel Martin, der Coach des Küchenteams. «Wir sind auf einem sehr guten Weg. Nun geht es noch darum, die Details zu perfektionieren.»

Die grösste Herausforderung dabei? «Die Zeit», sagt Martin ohne zu zögern. «Fünfeinhalb Stunden für ein Menü und eine Platte scheinen viel Zeit zu sein, sind aber in der Endabrechnung genau berechnet und ein straffes Programm. Es dürfen keine Fehler passieren, sonst kann man die verlorene Zeit nicht mehr aufholen.»

Ein Blick in die Küche zeigt, was Martin damit meint. Fruman und ihr Team arbeiten zwar konzentriert und präzise, bis zum Schluss wird die Zeit dennoch knapp. Der Service des Tellers und der Platte ist eng getaktet, auch hier sind hohe Konzentration und Präzision gefragt. «Ein falscher Handgriff könnte, wie beim Menü, das Ende bedeuten», so Martin.

DSC02148

In der Testküche in Olten wird fleissig trainiert. Bis zu drei Testläufe finden jede Woche hier statt. (Bild: Oliver Borner)

Grosse Vorfreude

Apropos Menü: Das bleibt, aus Schutz vor den Blicken der internationalen Konkurrenz, bis zum Wettkampftag geheim. Klar ist nur, welche Zutaten Fruman und ihr Team im Menü verarbeiten müssen.

Beim Teller ist ein Surf & Turf zu gleichen Teilen Rindsfilet und Sepia, ergänzt durch eine Aioli, die mit einer landestypischen Zutat kombiniert werden muss, und einer veganen Komponente, gefordert. Die Platte muss aus sieben ganzen, gefüllten Knurrhähnen mit den Pflichtkomponenten Artischocke, Kichererbse und Seeigel bestehen. Die Kichererbsen-Komponente muss mit einer landestypischen Zutat ergänzt werden.

Dabei sei gerade die Verwendung von Knurrhähnen in Kombination mit dem Seeigel und einer landestypischen Zutat eine Herausforderung, sagt Coach Martin. «Der Knurrhahn wird wegen seines geschmackvollen Aromas vor allem in einer Bouillabaisse verwendet, als Filet wird er seltener serviert. Ausserdem braucht das Filetieren des Fischs wegen seines starken Skeletts ein wenig Übung.»

Das macht Fruman indes keine Sorgen. Ihr Fokus liegt auf dem Europafinale in Marseille Mitte März. «Die Vorfreude ist gross. Ich kann es kaum erwarten, die Schweiz in Marseille zu vertreten, und dass mein Menü mich hoffentlich nach Lyon führt!» Bis dahin wird sie noch einige Testläufe absolvieren, bis zum Finale sollen es insgesamt zehn oder elf werden.