Wie das Kultgut Pio Cesare der Weinkrise begegnet

Reto E. Wild – 26. März 2026
Das Familienunternehmen Pio Cesare aus dem Piemont steht unter der Leitung der 28-jährigen Federica Boffa Pio. Die neuesten Jahrgänge überzeugen, wie ein Test des GastroJournals zeigt.

Dieses Jahr wird Federica Boffa Pio 29 Jahre alt und zählt damit zu den jüngsten Winzerinnen Italiens. Ihr Erbe: Das renommierte Weingut Pio Cesare im historischen Zentrum von Alba, das sie in der fünften Generation leitet, seit ihr Vater 2021 unerwartet starb. 

Seit 145 Jahren verkörpern die beiden klassischen Weine Barolo Pio und Barbaresco Pio die Essenz der gutseigenen Rebberge von Pio Cesare, die in den Anbauzonen der Langhe liegen: Treiso und San Rocco Seno d'Elvio, Serralunga d'Alba, Monforte d'Alba, La Morra, Novello und Grinzane Cavour. Das Terroir-Mosaik mit unterschiedlichen Eigenschaften bei Böden, Lage und Höhe verleihen den beiden Weinen eine authentische Identität. Sie werden im Weinkeller aus dem 18. Jahrhundert vergoren und ausgebaut, einer der wenigen, die noch im historischen Zentrum von Alba betrieben werden.

Ein wichtiges Exportgut

Federica sagt: «Wir wollen Weine produzieren, die Teil der Familiengeschichte sind und keinen Modetrends folgen. Wir halten unsere Produktion bewusst limitiert. Unser Erfolg basiert auf dieser kleinen Produktion.» Auf 80 Hektaren dehnen sich die Rebberge aus. Bewusst produziert Pio Cesare daraus nur 500 000 Flaschen. «Wir könnten auf dieser Fläche für dreimal mehr Weine sorgen. Uns ist aber viel wichtiger, Weine zu produzieren, die für Qualität stehen, was sich in den Preisen widerspiegelt, die gleichzeitig konsumentenfreundlich sind.»

Beim Schweizer Generalimporteur Terravigna kostet eine Flasche Barolo Pio Cesare 2021 65 Franken (Gastropreise auf Anfrage). Federica Boffa Pio betont: «Wir haben das Privileg, mit Importeuren zusammenzuarbeiten, die langjährige, treue Partner sind.» In Italien werden 30 Prozent der Jahresproduktion abgesetzt, der Export macht 70 Prozent aus, wobei die USA die Nummer 1 vor Kanada ist. In der Schweiz werde rund ein Zehntel des USA-Anteils verkauft, obwohl die Einwohnerzahl rund 37mal kleiner ist, was die Bedeutung des Schweizer Markts unterstreicht.

Pio Cesare Weinberge1

Die Rebberge von Pio Cesare dehnen sich auf 80 Hektaren aus. Die Jahresproduktion beträgt trotzdem bewusst nur 500 000 Flaschen.

Der erwähnte 2021er gilt als einer der besten Jahrgänge der letzten Jahre, dank gleichmässigen Wetterbedingungen (kein Frost, kein Hagel, keine Hitze) oder wie es Federica Boffa Pio ausdrückt: «2021 hat es uns ähnlich wie 2019 erlaubt, aussergewöhnliche Barolo und Barbaresco zu erzeugen und uns mit einer perfekten Balance zwischen der Kraft und der dem Nebbiolo eigenen Eleganz beschenkt.» Bei der Online-Degustation mit dem GastroJournal deutet der Barolo Pio 2021 sein grosses Potenzial an, mit Noten von Vanille, Kirschen, Tabak und Milchschokolade. Der Klassewein überzeugt durch seine Sortentypizität: 19 Punkte. 

Der Barolo Pio vom etwas wärmeren Jahrgang 2020 zeigt sich - kaum überraschend - zugänglicher als der Jahrgang 2021, der noch mehr Ecken und Kanten aufweist. Tabak, Leder, Kirschen und ein kräftiger Abgang: 18,25 Punkte.

Junge Weine bereits gut

Ebenfalls sehr schön zeigt sich der 30 Monate in grossen französischen Eichenfässern ausgebaute Barbaresco 2021, der kleine Bruder des Barolo, der genau gleich lang in Eichenfässern ruhte und dessen Trauben auf rund 400 Meter über Meer wachsen (Böden mit Kalkstein und nur wenig Sand): Der Barbaresco Pio ist eine Spur würziger, elegant, hat kräftige Tannine, im Gaumen Cassisnoten und Kirschen: 18 Punkte.

Und der Tipp der Betriebsleiterin: «Dank dem Klimawandel kann man unsere Weine schon jung geniessen. Der Jahrgang 2021 wird allerdings erst in zehn Jahren auf dem Höhepunkt sein und ist bis 2050 lagerbar.»

Ihr Vater gehörte zu den Pionieren, die in den 1970er Jahren neben Barolo und Barbaresco in Chardonnay und Sauvignon blanc investierten. Um die Produktion der Weissweine zu steigern, hat Federica in Cissone zusätzliche Rebflächen gekauft. Heute machen die Weissen rund 30 Prozent der Produktion des Weinguts aus. «Barolo und Barbaresco bleiben unsere Flaggschiffe und bilden das Herz von Pio Cesare», betont Federica Boffa Pio und stösst mit einem Glas Barolo auf die Zukunft an.