Weltklasse aus der Bündner Herrschaft

Reto E. Wild – 25. Juni 2026
«Es würde mich freuen, wenn die Gastronomen vermehrt zum Schweizer Wein zurückfinden», sagt Roland Lampert vom Weingut Heidelberg in Maienfeld. Seine Weine überzeugen – auch durch ein faires Preis-Genuss-Verhältnis.

Heidelberg ist eine deutsche Stadt am Neckar, aber auch ein jahrhunderte­alter Flurname in der Bündner Herrschaft. Diese zählt zu den renommiertesten und dank dem Föhn zu den wärmsten Weinregionen der Deutschschweiz und kommt auf eine Rebfläche von etwas mehr als 400 Hektaren. Die bedeutendste Weinregion der Schweiz, das Wallis, ist gut zehnmal grösser.

Sinnigerweise am Heidelberggässli 4 oberhalb von Maienfeld GR befindet sich das Weingut Heidelberg, das Roland Lampert (37) am 1. Januar 2026 von seinem Onkel Hanspeter Lampert (64) übernommen hat. Die Familie Lampert führt es seit fünf Generationen. «Mein Neni hat den damaligen Bauernbetrieb auf Weinbau umgestellt. Sein Traum war immer ein reines Weingut, das die Trauben nicht mehr im Dorf verkauft. Hans-peter gehörte zu den ersten Winzern in Graubünden, die Ende der 1980er-Jahre Barriques einsetzten.» Vorsicht: Es gibt gleich mehrere Schweizer Weingüter, die den Namen Lampert tragen.

Das Weingut Heidelberg weist eine Rebfläche von sechs Hektaren auf und produziert laut Roland Lampert jährlich rund 35 000 Flaschen. In den USA würde so ein Betrieb wegen seiner überschaubaren Grösse Boutique Winery genannt. 

Verkauf über Gastronomie schrumpft

Passend zum Beinamen «Burgund der Schweiz», der für die Bündner Herrschaft verwendet wird, sorgt der Blauburgunder im Weingut Heidelberg für rund drei Viertel der Produktion. Je 40 Prozent der Gesamtproduktion werden über den Weinhandel und über Privatkunden verkauft. «Die Gastronomie hat einen Anteil von 20 Prozent, der Handel wurde stärker», sagt Roland Lampert. Er bedauert die Entwicklung. «Ich würde mich freuen, wenn die Gastronomen vermehrt zum Schweizer Wein zurückfänden, obschon dieser ein wenig teurer sein kann. Aber zu einem Schweizer Gericht passt doch ein Schweizer Wein hervorragend!» Er stört sich daran, wenn ein Restaurant etwa Offenwei­ne aus Spanien anbietet. «In welchem Weinbauland kommt es vor, dass die eigenen Weine mit so wenig Loyalität verkauft werden?», fragt der Winzer, der vor acht Jahren seine Ausbildung am Weinbauzentrum Wädenswil ZH abgeschlossen hat. Dem wirkt eine Aktion der Swiss Wine Promotion unter dem Motto «Let’s dine with Swiss wine» entgegen (siehe Kasten unten).

Lampert schwärmt für den Brunnen 

Dennoch finden sich seine Weine in renommierten Restaurants wie im Corso in St. Gallen, im Gasthaus am Brunnen in Valendas GR oder im Va Bene in Chur. «Der Brunnen gehört mit seinem riesigen Holzbrunnen zu meinen Lieblingsrestaurants. Das Essen ist fantastisch, die Gastgeber ebenso. Das muss man erlebt haben», lobt Roland Lampert. Die Weine seien stilsicher ausgewählt, das Personal erzähle viel über die Weine.

Das Weingut Heidelberg kann ebenfalls ein interessantes Storytelling garantieren, denn die Weine überzeugen durchwegs. Sie sind tiefgründig und unverfälscht, charakterstark und im besten Sinn traditionsreich. Sie haben seit drei Jahren ein neues Etikett, das die Wertigkeit der Produkte mit klassischen Bündner Motiven verstärkt.
Roland Lampert steigt in den blitzsauberen und aufgeräumten Keller und holt eine Flasche Elli Cuvée Blanc 2024 hervor. «Das ist unser wichtigster Weisswein. Von ihm verkaufen wir mengenmässig am meisten», erklärt der Winzer. Der Riesling-Silvaner (Müller-Thurgau) bildet das Rückgrat und gibt ihm eine schlanke und trinkfreudige Note, der Chardonnay Vollmundigkeit und Wärme, und zehn Prozent Sauvignon Blanc sorgen für ein duftendes Bouquet. «Jugendlich hat dieser Wein Energie und Leben. Je älter, desto stimmiger wird er. Das ist wie bei gereiften Menschen mit Lebenserfahrung», so Lampert: 17 Punkte. Diese breite Einsatzmöglichkeit macht den Wein für die Gastronomie interessant.

Der Chardonnay 2024, knapp elf Monate im französischen Burgunderbarrique ausgebaut, hat eine burgundische Stilistik, ist klassisch filigran und nicht mastig. «Es ist unendlich spannend, wie sich diese Traubensorte entfalten kann, mit Noten von weissem Pfeffer und Kräutern», freut sich Lampert. Der 
Höhepunkt des Weins, der 34 Franken kostet, dürfte zehn Jahre nach der Lese erreicht sein: 17,5 Punkte.

Beim Badrus 2023 handelt es sich um einen grossartigen Blauburgunder, der gegenüber den Vorjahren qualitativ nochmals zulegen kann und zwei Jahre im Fass ausgebaut wurde: 18 Punkte. Lampert empfiehlt, ihn an einem Sommerabend bei 15 Grad zu servieren.  «Wenn die Weine zu warm sind, verlieren sie an Komplexität.»

Geradezu begeistert ist der Autor vom Jubiläum 2019, wiederum einem reinen Pinot Noir, dessen Reben von den ältesten Lagen des Weinguts stammen und fünf Jahre in Barriques reifen: Noten von dunklen Kirschen, Bleistift und ein leicht körniges Tannin. Nach fünf Jahren Lagerung wird man einen Weltklassewein kredenzen können, der sich jetzt schon zugänglich zeigt: 18,5 Punkte.

Schweizer Wein im Mittelpunkt

Im Rahmen von Swiss Wine Gourmet waren Restaurants eingeladen, ein originelles Veranstaltungskonzept rund um Schweizer Weine anzubieten und dieses bis zum 15. Juli 2026 im Betrieb zu offerieren. Eine Jury wählte 30 Betriebe aus, welche die Schweizer Regionen repräsentieren – unter dem Projekt «Let’s dine with Swiss wine».

Es sind dies das Restaurant Varone in Savièse VS, das La Goutte d’Eau in Aigle VD, das Boutique Hotel & Restaurant Glacier in Grindelwald BE, das L’Etable in Gryon VD, das Genepy by Hemizeus in Zermatt VS, die Chesa Stüva Colani in Madulain GR, die Domaine de la Crausaz in Grandvaux VD, das Romantik Hotel Castello-Seeschloss in Ascona TI, das Café du Nord in Champéry VS, Le Cercle in Martigny VS, das Kemmeriboden-Bad in Schangnau BE, das Fol’terres in Fully VS, das Flotteur Trotteur in Salvan VS, die Vinothèque Le Canon in Ollon VD, Refuge de Grammont in Miex VS, das Hafenbuffet in Rorschach SG, das Grand Appétit in Nyon VD, das Au Coeur de la Côte in Vinzel VD, das Hôtel de Ville in Avenches VD, die Krone in Thun BE, das Boutique Hotel The River House in Andermatt UR, der Rechberg 1837 in Zürich, die Buvette de la Plage in Tannay VD, das Gasthaus Heiligkreuz in Binn VS, das Café Bellagio in ­Montreux VD, das Barrique in Biel BE, der Stall 247 in Maienfeld GR, das La Sorgente in Via Morcote TI, die Brasserie Le Gogand im Hotel des Horlogers in Le Brassus VD sowie der Landgasthof Wartegg in Wigoltingen TG.

Diese Betriebe haben von der Swiss Wine Promotion in Bern jeweils eine finanzielle Unterstützung von 2000 Franken für die Organisation von Veranstaltungen wie Themenabenden, Degustationen oder Wine&Dine erhalten. Andererseits haben sich die teilnehmenden Restaurants verpflichtet, mindestens drei Schweizer Weine glasweise anzubieten, mindestens zwei Schweizer Weinregionen zu vertreten, mindestens 15 Schweizer Weine ganz­jährig auf der Weinkarte zu führen, das Logo von Swiss Wine zu verwenden und letztlich über den Erfolg zu berichten, etwa über die Besucherzahl.