Paulo Basso, Präsident der Association Suisse des Sommeliers Professionnels (ASSP) und Tessiner Winzer, schlägt Alarm. «Der Schweizer Weinbau befindet sich in einer schwierigen Phase. Der Rückgang des Konsums, der Druck durch ausländische Weine, Absatzschwierigkeiten und die Debatte um die Rodung von Rebflächen zeigen deutlich, dass es nicht mehr ausreicht, nur über Schweizer Weine zu sprechen: Man muss dort handeln, wo der Wein ausgewählt, empfohlen und verkauft wird.»
Und weiter: «98 Prozent der Schweizer Weine werden in der Schweiz verkauft: Daher muss dringend in diesem Markt reagiert werden, indem die Fähigkeit der Gastronomie und Hotellerie gestärkt wird, die nationalen Weine anzubieten, zu präsentieren und aufzuwerten.»
Weiterbildung im Fokus
Deshalb beabsichtigt der Schweizerische Verband der professionellen Sommeliers (ASSP) ein nationales Programm mit dem Titel «Sensibilisierungs- und Schulungstage zum Verkauf von Schweizer Weinen» zu lancieren, das sich an Sommeliers, Gastronomen, Hoteliers, Weinhändler, F&B-Verantwortliche und an das Servicepersonal richtet. Das Ziel: Fachleuten praktische Werkzeuge zu geben, um Schweizer Weine besser zu verstehen, sie überzeugender zu präsentieren und sie den Gästen häufiger anzubieten. Denn: In vielen Restaurants hängt die Entscheidung nicht von der Weinkarte ab, sondern von der Empfehlung. Eine Schweizer Flasche auf der Karte verkauft sich nicht automatisch: Es braucht Wissen, Vertrauen, Argumente und die Fähigkeit, den Wert zu vermitteln. Viele Fachleute, die in der Schweizer Gastronomie tätig sind, stammen jedoch aus dem Ausland, ohne wirkliches Wissen über Schweizer Weine zu haben. «Das ist eine berufliche Realität, auf die man pragmatisch und effizient reagieren muss», so Basso.
Ihm schwebt vor, diese weiterbildenden Veranstaltungen allen Fachleuten aus den Bereichen Verkauf, Service und der Gastronomie zur Verfügung zu stellen. Basso erklärt: «Sie setzen keinerlei Vorkenntnisse voraus. Das Ziel ist nicht, einzuschüchtern, sondern einzubeziehen, zu motivieren und Werkzeuge an die Hand zu geben, die sofort im Arbeitsalltag anwendbar sind. Diese Veranstaltungen werden abwechselnd Verkostungen, Treffen mit Produzenten, interdisziplinäre Vorträge sowie Schulungen zu Weinempfehlungen und Verkauf anbieten. Jeder geschulte Teilnehmer kann so zu einem täglichen Botschafter für Schweizer Weine bei Hunderten von Kunden werden.» Derzeit sei man an der Detailplanung.
Finanzierung eines nationalen Programms
Der Schweizer Dachverband ist überzeugt, steht in einer Mitteilung, «einen konkreten Beitrag leisten zu können, da er die Sprache, die Dynamiken und die Herausforderungen der Welt des Weinservices und -verkaufs genau kennt». Genau dort, im Moment der Empfehlung, entscheide sich ein wichtiger Teil der Zukunft der Schweizer Weine.
Basso, der 2013 zum weltbesten Sommelier gewählt wurde, sagt weiter: «Als ich ein junger Sommelier war, hat mich die Vielfalt und Komplexität der Schweizer Weine beeindruckt. Sie haben mich angeregt, mein Wissen zu vertiefen und haben wesentlich zu meiner Ausbildung beigetragen. Wenn ein kleines Land wie die Schweiz einem Sommelier ein solches Mass an fachlicher und kultureller Inspiration bieten kann, verfügt er über ein wertvolles Weinbauerbe.»
Die ASSP beabsichtigt, institutionelle und private Partner aus den Bereichen Produktion, Vertrieb, Vermarktung und Förderung von Schweizer Weinen zusammenzubringen, um dieses nationale Programm mitzufinanzieren.
Silvia Zuberbühler, die am 1. Juni 2026 an der Generalversammlung des Sommelier-Verbands Deutschschweiz (SVS) in den Vorstand und für den Bereich Weiterbildung gewählt wurde, sagt: «Die Weiterbildung liegt mir sehr am Herzen. Wir sind ein Schweizer Sommelier-Verband und arbeiten deshalb auch mit Schweizer Weinen zusammen. Die Aus- und Weiterbildung ist spannend. Wir können gemeinsam so viel erreichen.» Mirko Djerić, seit 2014 Marktleiter von Aligro in Brüttisellen ZH und seit dem 1. Juni 2026 zusätzlich Leiter der Geschäftsstelle des SVS, ergänzt: «Zuerst muss der finanzielle Hintergrund gesichert werden. Sicher wird das Ausbildungsprogramm für die Gastronomen kostenlos sein. Sie sollen auf Schweizer Weine sensibilisiert werden.»