Gastronomie

Schweizer Crevetten im Schweizer Salz

Heidi Bacchilega – 15. Mai 2019
Frische Crevetten sind eine Delikatesse, die es seit Kurzem in der Nordwestschweiz zu kaufen gibt. Möglich machten dies eine gute Idee eines Jungunternehmers, viel Engagement aller Beteiligten und etwas Glück.

RafaelWaberJungunternehmer Rafael Waber ist für den «Swiss Economic Award» nominiert. Der Preis wird am 24. Mai verliehen. Die frischen White Tiger Crevetten aus der Swiss Shrimp AG in Rheinfelden sind fest, saftig und feinfaserig und ohne Antibiotika herangewachsen. Rafael Waber, Geschäftsführer und Mitgründer der Swiss Shrimp AG, mag sie am liebsten kurz blanchiert, als Ceviche oder mit einer hausgemachten Pasta. Man kann die Shrimps auch roh zu Tatar oder Sushi verarbeiten. Die Frische erlaubt eine vielseitige Verwendung: Am Morgen noch munter im Becken, am Abend auf dem Teller.
Was mit einer Idee während einer Thailandreise 2008 begann, ist heute zu einem ausgereiften Geschäft herangewachsen, dessen Markteintritt kurz bevorsteht. Thomas Tschirren, Informatiker aus Solothurn, kam während seinen Tauchferien in Thailand zum ersten Mal in Kontakt mit frischen Crevetten und war sofort vom Geschmack begeistert. Gleichzeitig erkannte er die Problematik der Crevettenzucht, die durch den Einsatz von Antibiotika und skandalösen Arbeitsbedingungen immer wieder für Aufruhr sorgte. Warum also nicht in der Schweiz herstellen? Artgerecht, ohne Antibiotika und so frisch wie möglich – eine Idee war geboren!

Saline produziert Salz und Abwärme 2015 wagte das Swiss Shrimp Gründungs­team den grossen Schritt in den Aufbau einer industriellen Crevettenfarm. Ein zweijähriges Pilotprojekt in Luterbach hatte vielversprechende Zahlen geliefert. Auf der Suche nach einem geeigneten Standort für die Produktionshallen kam der Zufall zur Hilfe. Urs Hofmeier, Geschäftsführer der Schweizer Salinen AG in Rheinfelden, bekam durch einen Zeitungsartikel Wind von der Shrimps-Idee der Jungunternehmer und stellte sich daraufhin als Standortpartner zur Verfügung.
Die Saline produziert Salz und Abwärme, die Swiss Shrimp braucht dies zur Produktion. Zirka 320 Tonnen Salz wird jährlich zum Betrieb der 16 geschlossenen Salzwasseranlagen benötigt. «Mit den Schweizer Salinen haben wir den perfekten Standortpartner gefunden», erklärt Jungunternehmer Rafael Waber, der sich darüber freut, dass die Firma für den «Swiss Economic Award» nominiert worden ist. Er wird am 24. Mai 2019 verliehen.

Dass in Rheinfelden von den 3000 Crevettenarten die White Tiger Crevette heranwächst, hat durchaus praktische Gründe. Einerseits gehört sie zu den meistverkauften Arten, anderseits ist sie ein Allesfresser und hat kaum Lust auf Artgenossen. «Sie ist robust und ideal für die Haltung», so der Mitgründer von Swiss Shrimp.
Die Tiere wachsen in 16 grossen 40 mal 4 Meter grossen Kunststoffbecken heran. Das Salzwasser hat eine Temperatur von 28°C, die Luft 30°C. Eine Lichtanlage sorgt für den Tag-Nacht-Effekt. Dieser ist nötig, damit die Tiere möglichst naturnah heranwachsen. Die Fütterung steuert ein Computer, der die Menge und Grösse der Pellet variiert. «Die Bio-Pellets beziehen wir aus Frankreich. Sie bestehen unter anderem aus Fischmehl, Fischöl, Soja und Getreide», erklärt Waber. Die Postlarven der Shrimps stammen von zertifizierten Betrieben aus Italien, Spanien oder den USA. Bevor sie jedoch in den Becken der Swiss Shrimp in Rheinfelden zu Delikatessen heranwachsen, werden sie vom Veterinäramt überprüft. «So wird sichergestellt, dass sich keine Krankheiten einschleichen», erklärt Rafael Waber.

Im Vollbetrieb ab Herbst 2019 beträgt die jährliche Produktionskapazität etwa 60 Tonnen. Die ersten Postlarven kamen am 17. Oktober 2018 ins Becken und sind nun erntereif. «Wir rechnen mit fünf bis sechs Monaten Wachstum, bis die Postlarven zu einem ausgewachsenen SwissShrimp heranreifen», sagt Waber und ergänzt: «Kurz vor der Ernte der Shrimps wird nicht mehr gefüttert. So entleert sich der Darm, und die Tiere können nach der Lieferung direkt verarbeitet werden. Das mühsame Entfernen des Darms entfällt.» Eine eigens für die Swiss Shrimp entwickelte, wiederverwertbare Frischebox garantiert einen sauberen und sicheren Transport – sowohl für die Hygiene als auch für die Nachhaltigkeit.

Eine Schweizer Crevette wird nach strengen ökologischen Gesichtspunkten garantiert ohne Antibiotika aufgezogen sowie auf Bestellung geerntet. Das hat seinen Preis. Die Grösse L (zwischen 20 und 25 Gramm, mit Kopf) wird rund 100 bis 120 Franken pro Kilogramm kosten. «Der Gastropreis ist abhängig von der Jahresbestellmenge», erklärt Waber. Bestellungen aus der Gastronomie sind ab Sommer 2019 möglich: «Wir möchten sicherstellen, dass die gewünschte Menge an Crevetten jederzeit verfügbar ist.» Die Swiss Shrimp AG legt nicht nur Wert auf Transparenz bei der Herkunft und bei der Haltung, sondern auch bei der Verfügbarkeit. ________________________________________________________________________________ Frische Shrimps kaufen und ­geniessen: www.swissshrimp.ch Selbstabholung ab Juni 2019: Im Voraus im Webshop bestellen und frühestens am Folgetag in der Farm in Rheinfelden abholen.
Heimlieferung ab Juli 2019: Im Webshop bestellen und in der Mehrweg-Frischebox direkt nach Hause liefern lassen. Detailhändler seit Mitte April 2019: In ausgesuchten Detailhandelsfilialen mit Offenverkauf im Raum Mittelland/Nordwestschweiz erhältlich. Gastronomie ab Sommer 2019: Ausgesuchte Restaurants servieren die frischen Shrimps täglich.
Gastronomie ab Sommer 2019: Ausgesuchte Restaurants servieren die frischen Shrimps täglich.