Petition fordert Stopp von missbräuchlichen Online-Bewertungen

Oliver Borner – 04. Juni 2026
Eine Online-Petition will missbräuchliche Bewertungen von Gastronomie- und Hotelbetrieben im Internet bekämpfen. Sie fordert von der Politik konkrete Massnahmen.

Das Gastgewerbe lebt von Online-Bewertungen. Mal wird ein Betrieb gut beurteilt, mal weniger gut, mal schlecht. Das gehört zum Geschäft.

Auf Bewertungsplattformen wie Tripadvisor oder Google kommt es dennoch regelmässig vor, dass User Betriebe gezielt schlechtreden oder diskreditieren. Eine Umfrage des Branchenverbands GastroSuisse ergab 2024, dass über 80 Prozent der befragten Gastronominnen und Gastronomen bereits mit unwahren, irreführenden oder verletzenden Kommentaren auf Bewertungsplattformen konfrontiert wurden.

Konkrete Massnahmen gefordert

Gegen solche missbräuchlichen Bewertungen will eine Online-Petition nun vorgehen. Über die Kampagnen-Plattform Campax sammelt Sacha Ercolani, Betreiber der Fondue Burg und der Sust Lodge in Hospenthal UR, aktuell Unterschriften für einen parlamentarischen Vorstoss in Bern. Die Forderung: «Die Politik muss verbindliche Gesetze schaffen, die Unternehmen wirksam vor anonymen Fake-Bewertungen, digitaler Rufschädigung und Hasskommentaren schützen.»

Er selbst sei bisher zwar von solchen Bewertungen verschont geblieben, allerdings kenne er viele Hoteliers und Gastronomen, die damit kämpfen. «Es gab bereits Gäste, die versuchten, Hoteliers mit schlechten Bewertungen zu erpressen, weil sie ihr Geld zurückwollten. Es ist mir daher ein grosses Anliegen, dass endlich etwas gegen solche Bewertungen unternommen wird», sagt er auf Anfrage.

Konkret fordert die Petition mehrere Massnahmen zur Bekämpfung von Falsch- oder missbräuchlichen Bewertungen. So sollen nur echte Gäste bewerten dürfen. Rezensionen sollen nur noch nach nachweislichem Besuch eines Betriebs, beispielsweise durch einen Beleg, möglich sein. Gleichzeitig sollen die Gäste, die bewerten, im Netz eindeutig identifizierbar sein.

Die Forderungen richten sich dabei auch an die Plattformen selbst. So sollen gemeldete Fake-Bewertungen und Hasskommentare innerhalb von 48 Stunden überprüft und gelöscht werden müssen. Bei Untätigkeit sollen die Plattformen dafür rechtlich belangt werden können.

Bundesrat ist gefordert

Unterstützung erhält Ercolani von GastroSuisse. «GastroSuisse teilt das Anliegen der Petition. Missbräuchliche Bewertungen können gezielt das Ansehen eines Unternehmens schädigen und verursachen weltweit jährlich wirtschaftliche Schäden von etwa 152 Milliarden US-Dollar», sagt Severin Hohler, Leiter Politik und Wirtschaft beim Branchenverband.

Die Lösungsvorschläge der Petition gingen in die Stossrichtung des Verbands, allerdings stelle sich die Frage, wie weitreichend diese sein sollen. So sei zu prüfen, ob die bewertenden Personen tatsächlich eindeutig identifizierbar sein müssen. Entscheidender sei, «dass verifizierte Kontaktdaten hinterlegt sind, um bei einer Beanstandung den Sachverhalt klären zu können», heisst es weiter. Zudem sei unklar, wie eine Eingrenzung der Bewertung auf Gäste umgesetzt werden kann. Allfällige Massnahmen dürften nicht zu grosse Hürden für eine Bewertung darstellen.

GastroSuisse wolle deshalb auf den Bericht des Bundesrats zum 2024 eingereichten Postulat von Mitte-Ständerat Fabio Regazzi abwarten. Der Tessiner fordert darin den Bundesrat auf, zu prüfen, welche gesetzlichen Massnahmen man treffen könnte, um die Transparenz bei Onlinebewertungen zu gewährleisten. Es soll zudem abgeklärt werden, inwiefern Bewertungsplattformen in die Verantwortung genommen werden können. Der Ständerat hat das Postulat im September 2024 an den Bundesrat überwiesen, eine Antwort steht noch aus.