Nach zehn Jahren ist Schluss mit dem Weihnachtsdorf in Zürich

Nicole Steffen – 09. Dezember 2025
Die aktuelle Bewilligung für das Weihnachtsdorf auf dem Sechseläutenplatz läuft Ende dieses Jahres aus. Ab 2026 wird neu die Future Events GmbH das Weihnachtskonzept umsetzen. Das GastroJournal hat mit Katja Weber (46), Co-Gründerin Zürcher Weihnachtsdorf, über den Entscheid gesprochen.

Katja Weber, was bedeutet der Entscheid des Stadtrates für Sie?
Katja Weber: Das können wir aktuell noch gar nicht genau sagen. Den Markt machen jedes Jahr 400 Mitarbeitende und rund 190 wechselnde Ausstellende möglich und natürlich werden wir versuchen, für alle gute Lösungen zu finden.

 

Wie können Sie sich diesen Entscheid erklären?
Ehrlich gesagt gar nicht. Wir haben unser Weihnachtsdorf über all die Jahre stetig weiterentwickelt, zahlreiche Turbulenzen überstanden und zuletzt für die ganze Stadt international Anerkennung erreicht (u.a. Forbes). Wir waren zum Beispiel der erste Grossanlass in Zürich, der innert kürzester Zeit ein Mehrwegsystem eingeführt hat.

Was bedeutet das konkret?
Wir haben eine halbe Million Franken investiert und eine massive Infrastruktur aufgebaut. Rund 60'000 Tassen, Besteck und Mehrweggeschirr und die passenden Schränke, Wägen und Tablets gekauft. Hinzu kommt das ganze Standmaterial, die Depot-Häuser, etc. Das alles nach nur zwei Jahren nicht mehr zu nutzen widerspricht der Idee der Nachhaltigkeit.

Was war denn ihr Vorschlag für das neue Konzept?
Wie es die Ironie will, wollten wir genau in Punkto Nachhaltigkeit weiter investieren. Unsere Idee war es, dass wir innerhalb der nächsten fünf Jahre komplett auf Bio umstellen, sprich alle Getränke und Speisen unserer Marktteilnehmenden hätten bio-zertifiziert sein müssen. Das war ein riesiges Commitment, das uns alle da gegeben haben. Zudem wollten wir noch mehr Platz für den Kinderbereich schaffen und unser Angebot für Kulturlegi weiter ausbauen. 

 

Wie geht es nun weiter?
Wir sind Unternehmende und als solche gewohnt, alles immer wieder neu zu denken; neu ist, dass wir für ein sehr grosses Projekt sehr schnell Lösungen schaffen müssen. Bei uns ist alles selbstfinanziert und die Veränderung ist einschneidend. Für unsere Mitarbeitenden, für unsere Lieferanten und für alle Ausstellenden und PartnerInnen. Auch für die Stadt, in der wir ja auch selbst leben. Ich bin nicht nur traurig, dass mir der Ort in der Vorweihnachtszeit fehlen wird. Ich war auch stolz, dass auf dem Platz von allen Akteuren für unserer Stadt in einem Monat rund 10 Millionen Schweizer Franken umgesetzt wurden. 

 

Zum Schluss: Welche Bedeutung hat das Weihnachtsdorf für die Gastronomie?
Es ist eine riesige Chance, die dadurch für neue Konzepte entsteht. Ein Markt ist immer eine Plattform. Die Betreibenden können sehr schnell mit ihren Gästen in den Austausch treten und erhalten ein direktes Feedback. In einem geschützten und zeitlich begrenzten Rahmen können die Marktteilnehmenden herausfinden, ob ihre Produkte ankommen oder nicht. 

bellevue noel

So soll das neue «Bellevue Noël» auf dem Sechseläutenplatz aussehen. (Bild: zVg)

Das neue Projekt: Bellevue Noël

Der Stadtrat hat seinen Entscheid gemäss der Empfehlung des Beratungsgremiums gefällt, wie er gegenüber dem GastroJournal sagt. Alle 5 Jahre werde eine neue Bewilligung erteilt und Ende 2025 lief die Bewilligung für das Weihnachtsdorf aus. Die Bewilligung für 2026 wird an eine neue Betreiberin erteilt. Das Konzept «Bellevue Noël» der Future Events GmbH hebe sich thematisch und gestalterisch deutlich von anderen Konzepten ab. Zusätzlich zur gewohnten Weihnachtsmarktatmosphäre setze es auf einen ikonischen Adventskranz mit einem Durchmesser von 50 Metern und einer begehbaren Plattform in fünf Metern Höhe. Mit einem sonntäglichen Kerzenritual und der Zelebrierung der Werte Gemeinschaft, Hoffnung, Frieden und Freude setzt «Bellevue Noël» auf starke Bilder und Botschaften. Das Konzept habe grosses Potenzial für ein Alleinstellungsmerkmal. Auch in Bezug auf Nachhaltigkeit habe gemäss Stadtrat das Gesuch überzeugt. Es gibt beim neuen Betreiber ein Mehrwegsystem für Tassen und Geschirr. Auch gibt es ein Konzept gegen Food-Waste, das Ganze wird durch eine Expertin für Nachhaltigkeit begleitet. «Der Entscheid des Stadtrates ist keine Entscheidung GEGEN das alte Konzept, sondern FÜR das neue Konzept», sagt Annik Ott, Sprecherin des Sicherheitsdepartementes der Stadt Zürich.

 

Die Entscheidungskriterien der Stadt

Der Sechseläutenplatz ist einer der grössten innerstädtischen Plätze der Schweiz mit einem unverwechselbaren Charakter. Die Stadt suchte dafür weiterhin ein überzeugendes Gesamtkonzept mit einem spezifischen Thema, das eine hohe Aufenthaltsqualität gewährleistet und das Umfeld berücksichtigt. Ausserdem mussten die Veranstalter*innen ein Konzept mit Mehrwegtassen und Mehrweggeschirr sowie Ideen zur Bekämpfung von Food Waste einreichen. Es wurde auch Wert gelegt auf einen ausgewogenen Mix zwischen weihnachtlichen Waren sowie Essens- und Getränkeangeboten mit nachhaltiger Ausrichtung.