Der in München geborene Axel Heinz ist in der Branche als jahrelanger Direktor und Chefönologe des legendären Weinguts Ornellaia in Bolgheri bekannt. «Im Juli 2023 bin ich zu Château Lascombes gestossen. Das Weingut gehört seit 2022 der Familie Lawrence aus den USA, die selbst Winzer sind», sagt Heinz bei seinem Besuch in Zürich. Die Familie führt in ihrem Portfolio bereits das renommierte Weingut Heitz Cellar in Napa Valley.
Herkunft ist zentral
«Es freut uns, mit dem Jahrgang 2023 unser erstes Werk vorzustellen», sagt Heinz an einem Mittagessen in der Villa Florhof in Zürich weiter, bevor er mit einem Versprechen fortsetzt: «Wir haben mit Lascombes viel vor und wollen das Weingut wieder zu dem bringen, was es war: eines der führenden Deuxième Grand Cru Classé.»
Und Heinz lässt seinen Worten Taten folgen und entkorkt «seinen» Jahrgang 2023 Château Lascombes, eine Cuvée aus 60 Prozent Cabernet Sauvignon, 37 Prozent Merlot sowie 3 Prozent Petit Verdot und Cabernet Franc. Der Ausbau erfolgte rund 18 Monate in Barriques, grossen Fässern und Amphoren: dunkle Beeren, Vanille, würzig, sehr expressiv, grosses Potenzial, 17,5 Punkte! Von welchem Potenzial die Rede ist, zeigt der maskuline, klassische Château Lascombes 1988, der 38 Jahre nach der Ernte noch immer kaum Alterungsnoten zeigt und mit Noten von Leder und Tabak überzeugt.
«Ich möchte, dass der Wein direkt von seinem Herkunftsort erzählt: Ich höre gerne auf die Trauben jeder Parzelle. Hier drückt sich die Natur in jedem Jahrgang aus. Dem kann man sich nicht widersetzen. Es reicht nicht mehr aus, grossartige Weine zu erzeugen; man muss ihnen eine erkennbare, präzise und emotionale Identität verleihen», sagt Heinze.
Dann überrascht der CEO die eingeladenen Journalisten mit einer Premiere. «Wir haben uns etwas für das linke Ufer im Bordeaux Unübliches ausgedacht: einen eigenständigen Wein aus einer isolierten Parzelle zu produzieren. Der Spitzenwein nennt sich schlicht La Côte wie seine Weinberglage.» Der Wein stammt aus einer fünf Hektar grossen, ausschliesslich mit Merlot bepflanzten Parzelle. Die über 40 Jahre alten Reben wachsen auf Böden, die von blauem Ton und Kalkstein sowie vom Einfluss der Gironde geprägt sind.
Und dieser La Côte Lascombes Margaux 2023, den er entkorkt, hat es in sich: intensive Fruchtausprägung, Brombeeren, Vanille, klassisch, dicht und zu 100 Prozent Merlot. Ein schöner Wein, 18 bis 20 Monate in Eichenfässern (60 Prozent davon neue), grossen Fässern und Amphoren ausgebaut, der sein grosses Potenzial so richtig ab 2033 entfalten wird, 19 Punkte!
Der Zweitwein von Lascombes heisst seit dem Ende der 1990er Jahren Chevalier. Beim Jahrgang 2023 zeigen sich wiederum Noten von dunklen Beeren, Cassis. Er besteht aus 70 Prozent Merlot sowie aus Cabernet Sauvignon und wenig Petit Verdot. Der Chevalier empfiehlt sich als Offenwein in der Gastronomie.
Das historische Château Lascombes dehnt sich auf 115 Hektaren aus und befindet sich seit 1855 im Herzen von Margaux, mit dem Château Margaux als Nachbarn. Die neuen Besitzer möchten das Weingut wieder zu einem familiengeführten und zukunftsorientierten Betrieb formen, wobei der Schwerpunkt auf den historischen Terroirs und einem eigenen, präzisen Stil liegt.
Zu den Weinen dieser neuen Ära zählen nun also der Château Lascombes 2023, ein Grand Vin für Sammler auf Cabernet-Sauvignon-Basis, der sich auf das historische Terroir konzentriert und einen klassischen Bordeaux-Stils bietet – nicht zu opulent, dennoch geradlinig und mit einer eleganten Fülle. Und der La Côte 2023 soll fortan den Paradewein stellen: eine Merlot-Parzelle, in der sich Kontinuität und Innovation vereinen. Die Handschrift von Heinz zeigt sich in den neuen Jahrgängen klar.