«Mimi & Louis», das könnte auch ein Filmtitel sein. Doch die beiden gelernten Köche Mimi und Louis Bischofberger stehen mit beiden Beinen fest auf dem Boden und blicken auf eine Karriere in der Gastronomie zurück, die mindestens so spannend wie ein fiktiver Plot ist. Noch lieber leben sie die Gegenwart – und sie planen Grosses: Am 1. September möchten sie alle ihre ehemaligen Mitarbeitenden, die im Laufe ihrer 36-jährigen Wirtetätigkeit in der Braui-Buchsi in Herzogenbuchsee BE (1984 bis 1989) und im Gasthof Kreuz in Egerkingen SO (1989 bis 2018) bei ihnen angestellt waren, zu einem Fest unter dem Motto «Weisch no?» zusammenbringen.
340 sind es insgesamt. Wo erwünscht, hielten sie immer Kontakt zu den Ehemaligen, die meisten haben sie gefunden und angeschrieben. Eine gute Quelle waren die Lohnbriefe und Zeugnisse. «Wir haben alle aufbewahrt», sagt Louis. «Leider haben wir einige Kontaktdaten durch Heirat oder Wegzug verloren.» 230 haben sich bereits angemeldet, Bischofbergers rechnen mit über 250 Teilnehmenden (Ehemalige, die noch keine Infos haben, bei mimib@ggs.ch melden). Auch die Gewerbeschullehrer laden sie ein, ein Moderator wird Anekdoten von damals aufleben lassen. Und sie werden all die alten Fotoalben mitnehmen.
Eine eigene Beiz haben sie nicht mehr. So findet das Fest im Betrieb eines ihrer ehemaligen Lernenden, bei Samuel Müller im Gasthof Reh in Herbetswil SO, statt. Als er den Betrieb vor zwei Jahren übernommen hat, sind ihm Bischofbergers dabei als Mentoren etwas zur Seite gestanden.
Darf Arbeit Spass machen?
«Es war eine grossartige Zeit damals im Kreuz», erzählt Mimi. «Obwohl wir von acht Uhr morgens bis zwei Uhr nachts arbeiteten.» Sie an der Front, er in der Küche. 100 Plätze innen, 80 im Gärtli, 3 Säle plus 12 Hotelzimmer galt es zu bewirtschaften. Während all der Jahre war das Kreuz im GaultMillau gelistet, erst mit 13 und 14, dann über 20 Jahre mit 15 Punkten. «Konstanz ist so wichtig für die Gäste – und die Mitarbeitenden», sagt Louis.
«30 Prozent Lernende mag es gut leiden, wir fuhren super damit!»
Am längsten dabei war Roland Ettlin, ihr Bankettchef und Haustechniker. Heute arbeitet er als Hauswart in einem Altersheim. Und es entstanden auch Pärli und Familien in der Braui und im Kreuz. Rund zwölf seien es. Unter ihnen ist der Präsident des Schweizer Kochverbands Thomas Nussbaumer, der seine Frau Patrizia im Kreuz kennenlernte. «Das war kurz nach seiner Lehre», erinnert sich Mimi. Bischofsbergers selbst hatten immer acht bis zehn Lernende gleichzeitig, 30 Prozent aller Mitarbeitenden. «Das mag es gut leiden, wir fuhren super damit», sagt Louis. Die 140 Lehrabschlüsse mit einem Notendurchschnitt von 5,3 zeugen davon.
Speziell war, dass fast alle Lernenden während der Lehrzeit nebenan in einem Mehrfamilienhaus als WG lebten. Das hatte viele Vorteile. Erstens war das Problem des Arbeitswegs und der Zimmerstunde gelöst, und zweitens haben sie sich gegenseitig erzogen und gestützt. «Sie kamen als Teenager und gingen als Damen und Herren», so Mimi. «Und viele von ihnen sind noch auf dem Beruf, gut 80 Prozent sind in der Gastro- oder Lebensmittelbranche tätig.» Einer von ihnen ist Simon Grimbichler, kürzlich Kandidat bei der Qualifikation zum Bocuse d’Or Schweiz. Andere gingen in die Politik wie Cécile Peter-Jost, heute Gemeinderätin in Rütschelen BE, wo Louis dieses Jahr die 1.-August-Ansprache hält. Thema: «Darf Arbeit Spass machen?»
Kochen mit Ricola
Und mit Spass kennen sich Bischofbergers aus. «Unser Restaurant musste eine Bühne sein, wo sich die Darsteller ausleben konnten und wo das Publikum den Plausch hatte – die Gäste haben quasi unser Hobby finanziert!», sagt Louis lachend. Sie haben insgesamt 100 sogenannte Rendez-vous Culinaire organisiert, drei pro Jahr. Ziel dieser mehrwöchigen Events war, Stammgäste zu erfreuen und Kundenbeziehungen aufzubauen.
Einige der 5500 Einladungen gingen jeweils an die Medien, und für die Mitarbeitenden war es eine tolle Abwechslung. «Sie setzten sich mit etwas auseinander, das in einem normalen Speiserestaurant nie Thema wäre», so Louis. Kochen mit Kaffee etwa oder Kochen mit Ricola. Einmal hatten sie im ganzen Haus englische Oldtimer-Töffs ausgestellt, gekocht wurden englische Gerichte. Ehrensache, dass Bischofbergers dafür nach England reisten, um die Mailings von dort aus zu versenden, damit darauf ein englischer Stempel prangte! «Das zog viele Motorradfans an, so haben wir neue Gäste generiert.» Aus dem Rendez-vous Culinaire «Kochen mit Globi» entstand das 66. Globibuch «Hotel Globi».
Sie haben viele grossartige Momente erlebt, doch jener, als sie das Kreuz übernahmen, bleibt der Unvergesslichste. Als sie mit den Mitarbeitenden ins Haus wollten, hatten die Umbauarbeiten am über 300-jährigen Haus noch gar nicht begonnen. Was nun? «Da gingen wir eben auf den Bau. Zu fünft arbeiteten wir als Bauhilfsarbeiter, und Mimi startete mit einem Mitarbeitenden eine Mini-Baukantine», erzählt Louis. Bischofbergers bestanden darauf, dass derweil alle eine Weiterbildung machen konnten.
Sie erfinden sich immer wieder neu
In den letzten 15 Jahren ihrer Wirtezeit bauten sie das Catering aus, das am Ende einen Drittel des Umsatzes einbrachte. «Das machen wir im kleinen Rahmen immer noch», so Mimi. Brauchen sie Leute, können sie auf ehemalige Mitarbeitende zählen. Und sie geben ihr Wissen weiter, stehen für Konzepterarbeitung, Motivationsvorträge oder für das Testen von Funktionen und der Markttauglichkeit neuer Gastrogeräte zur Verfügung. Kürzlich haben sie für ein Fachgeschäft einen Dialoggarer getestet. Trotz aller Aktivitäten finden sie Zeit, mit ihrem Camper durch die Lande zu fahren.
Zurückzuschauen ist schön, aber Repetition existiert nicht in Mimis und Louis DNA, sie leben jetzt, sind superaktiv, nehmen an Branchenanlässen teil und erfinden sich immer wieder neu. «Das alles gefällt uns sehr, wir sind Beizer ohne Beiz!», sagt Mimi. Und Louis ergänzt: «Ein Musiker bleibt nach der Pensionierung Musiker. So ist es bei uns, die Gastronomie interessiert uns einfach.»
- - - - - - - - - - - - - - -
★ Von Anton Mosimann über Mexiko bis zum Bocuse d’Or
Mimi und Louis Bischofberger (beide 69) haben fünf Jahre die Braui-Buchsi in Herzogenbuchsee BE und von 1989 bis 2018 das Gasthof Kreuz in Egerkingen SO geführt. Nach einer Haushaltlehre machte Mimi im Hotel Ochsen in Davos-Platz GR ihre Kochlehre, Anton Mosimann war ihr Gewerbeschullehrer. Nach einer Commisstelle im Palace Luzern nahm sie den Saucierposten im Montreux Palace an, wo sie auf einen gewissen Louis traf, der dort Koch lernte. Beide machten Karriere in diversen Betrieben in der Schweiz. Unvergessen bleibt ihr Auslandaufenthalt 1978/1979 in den USA und in Mexiko.
Mimi schaffte später das Wirtepatent und den Weinhandelsausweis. Louis absolvierte ein Konditor-Volontariat, die Meisterprüfung im Casino Bern, den Küchenchef sowie den Betriebswirtschafter. Er war in der Schweizer Kochnationalmannschaft und Schweizer Finalist am Bocuse d’Or 1989 in Lyon (Platz 4). Beide amteten als Ausbildner und Coach und waren Lehrmeister des Jahres. Das Paar lebt in Egerkingen und betreibt ein Catering.
- - - - - - - - - - - - - - -