Michel Péclard setzt sich für Manuel Hinders täglich Brot ein

Corinne Nusskern – 14. Juli 2026
Manuel Hinder und seiner Schwester Nadine Jud vom Toggenburger Brothandwerk in Nesslau-Neu St. Johann SG backen Brote nach traditioneller Handwerkskunst wie kaum jemand sonst. Nun droht ihnen die Schliessung. Etwas, das einer ihrer Kunden nicht einfach so hinnehmen will: der Zürcher Gastrounternehmer Michel Péclard.

Die Suche nach Lösungen

Wird das vorgestellte Erfolgskonzept abgelehnt, muss das Brothandwerk schliessen. Das ärgert Michel. «Es macht mich hässig, dass jene, die echtes Handwerk leben, nicht den Absatz erreichen, den sie verdienen, aber parallel dazu die Grossverteiler die Kleinen mit Broten für unter einem Franken kaputtmachen!» Es ist der tägliche Preis- und Qualitätskampf der Bäckereien gegen industriell gefertigte Massenware.

Das kann Michel so nicht stehenlassen und setzt sich mit Manuel und seinen zwei Küchenchefs an einen Tisch, um nach Lösungen zu suchen. «Da macht einer die tollsten Brote und kommt finanziell nicht raus», sagt der umtriebige Unternehmer. «Würde seine Bäckerei in Zürich stehen, die würden ihm den Laden einrennen!» Er versuchte bereits, ein Zürcher Warenhaus für Manuels Brote zu begeistern. Vergeblich.

«Kannst Du Burgerbuns backen?»

Am Tisch werden Zahlen vom Warenaufwand bis zu den Löhnen diskutiert, Ideen von Marktständen und Selbstbedienungsboxen auf- und wieder verworfen. Manuel sitzt ruhig da, hört gespannt zu, beantwortet Fragen. «Kannst Du spezielle Burgerbuns für unsere Gastrobetriebe backen?», fragt Maik. «Ja, klar», sagt der Bäcker. Maik nickt. «Das schauen wir uns gemeinsam an.»

Man spürt trotz seiner weniger Wor­te, wie wichtig Manuel das Toggenburger Brothandwerk ist, dass er mit seinem Betrieb nicht einfach nur eine Nische bewirtschaften will, sondern die traditionelle Bäckerhandwerkskunst am Leben erhalten möchte und für diese hohe Qualität bereit ist, viele Stunden in der Backstube zu stehen. «Wir werden in einzelnen Betrieben wie den Restaurants Lulu oder Coco in Zürich das aktuelle Brot durch deine Brote ersetzen», sagt Michel plötzlich, greift zum Telefon und spricht kurz mit einem seiner Geschäftsführer, bevor er diesen an Manuel weiterreicht. Das scheint gut zu kommen.

«Was wäre dein Traum, Manuel?», fragt Michel. «Dass das Toggenburger Brothandwerk überlebt. Und ich hätte den Plausch, wenn die Leute für einen geilen Zopf bis aufs Trottoir anstehen würden!» Er lächelt. Michel hält kurz inne und sichert Manuel zu, dass er für die 45 000 Franken des Kredits bürgen werde, er habe Geld schon blöder investiert. Kein Profit, kein Eigennutz, einfach nur das Bedürfnis zu helfen. Manuel blinzelt, er kann es kaum glauben, jetzt ist er für einen Moment tatsächlich sprachlos – und dankbar. «Ich kann es fast nicht annehmen», sagt er bescheiden. Und alle am Tisch glauben daran, dass das Toggenburger Brothandwerk langfristig die Wertschätzung und den Erfolg bekommen wird, das es verdient.