«Man muss wissen, wann es Zeit ist, loszulassen»

Reto E. Wild – 05. Februar 2026
Nach über einem Vierteljahrhundert kommt es im Restaurant zum Kaiser Franz in Zug zur Hofübergabe: Der Vollblutgastronom und Steirer Felix Franz übergibt die Betriebsführung seiner Tochter und Quereinsteigerin Lisa Franz.

Doch so kalt wie derzeit im nahegelegenen Zugersee war das Wasser nicht, denn Lisa half schon mit 14 Jahren immer wieder mal aus – «vom Abwasch über die Toilettenreinigung bis zum Saucier. Wenn du nicht selbst auf allen Posten gearbeitet hast, kannst du das von den Mitarbeitenden nicht verlangen», betont die Gastgeberin und neue Geschäftsführerin.

Der Blick ihres Vaters verrät es: Der Kaiser ist stolz auf seine Tochter und erklärt: «Lisa macht das fantastisch. Als Quereinsteigerin hat sie viele neue Ideen. Wir werden mit der Zeit betriebsblind. Unser Restaurant ist fast jeden Tag ausgebucht, da machen wir wohl vieles richtig.»

Er habe nicht vor, bis 80 zu arbeiten. Franz besitzt in der Steiermark ein schönes Domizil. Aber klar, viele Stammgäste in Zug würden nach ihm fragen. «Doch man muss wissen, wann es Zeit ist, loszulassen. Niemand will hier einen alten Sack sehen. Junges Blut ist immer gut!» Lisa hätte anderswo ebenso einen Job bekommen.

Das steirische Schmankerl-Menü als kulinarische Reise

Selbstverständlich und nicht nur das Dekor, das Personal und dessen Kleidung ganz auf Österreich getrimmt: Das Restaurant Kaiser Franz hat von Anfang an auf österreichische Küche gesetzt. Lisa begründet: «In Zug gibt es viele Restaurants, aber kein österreichisches Speiselokal mit der besonderen Küche, die sich nah an die slawische mit Gulasch und Krautwickel anlehnt. Die österreichische Gastfreundschaft steht für Herzlichkeit.» Der Fokus sei immer auf Österreich, obschon zwischendurch Hummer, grosse Kalbskoteletten oder ein Tomahawk zubereitet werde. «Das steirische Schmankerl-Menü» ist eine kulinarische Reise durch Österreich in vier Gängen und kostet inklusive Kaiserschmarren mit Zwetschgenröster 95 Franken. Allein die Nachspeise fühlt sich wie ein Hauptgang an...

Saisonalität sei der Küche wichtig. Am besten läuft zur Vorspeise Carpaccio vom Tafelspitz, Kürbiskernöl mit Salat und Kren oder die Grazer Hochzeitssuppe (eine Rindsbrühe vom Tafelspitz mit Leberknödel, Fritatten und Griessnockerl). Zum Hauptgang bestellen die Gäste vor allem Wiener Schnitzel, aber auch Gulasch oder Backhendl: «Es ist ein Wahnsinn, was da so am Tag an Schnitzeln rausgeht. Das Paniermehl importieren wir aus Graz», sagt Felix Franz. Die Produkte stammen hauptsächlich aus der Schweiz und aus Österreich; das Kürbiskernöl wenig überraschend aus der Steiermark.

Lisa Franz hat die Speisekarte sanft reduziert und mit Tagesempfehlungen wie Thunfischtatar, Entenbrust oder Lammchops modernisiert: «Wir möchten die Gäste nicht mit langen Speisekarten stressen. Viele kehren bei uns ein und wissen schon im Voraus, was sie bestellen möchten. Ich versuche, ein wenig Fusion in unsere Gerichte zu bringen.»

Die Familie Franz profitiert davon, dass die österreichische Gastkultur bei den Schweizern hoch im Kurs steht. «Wir haben Schweizer Gäste, die tragen ein Dirndlgewand oder eine Tracht, auch wenn das Jackerl zu eng geworden ist», plaudert der Patron aus dem Nähkästchen.

Sag beim Abschied herzlich Servus

Die Weinkarte hat sich seit den Anfängen von 5 auf 20 Seiten vergrössert. Die österreichischen Weingüter, die Rang und Namen haben, sind gut vertreten sowie grosse Weine aus der ganzen Welt. «Ich kaufe keinen einzigen Wein, den ich nicht persönlich mag.» Die meisten Gäste wüssten auch bei den Gerichten, was sie erwartet, «besuchen uns mit Hunger und freuen sich über die rechten Portionen. Das soll so bleiben».

Das Kaiser Franz wird seit über 25 Jahren von vielen Stammgästen sowie Mitarbeitenden von grossen Firmen und internationalen Gästen besucht. Das Motto des Betriebs? «Bei uns sind Sie Kaiser. Die Kunden fühlen sich bei uns wohl wie im eigenen Wohnzimmer und wissen, dass sie bei den Gerichten auf uns zählen können», sagt Lisa Franz. Und der Kaiser gibt zum Besten:

«Mir fehlt der Austausch mit den Gästen jetzt schon. Wahnsinn, wie schnell die Zeit verging. Ich bin sehr froh, dass Lisa den Betrieb weiterführt. Vielleicht kommt eines Tages noch Sohn Maximilian dazu, der seinen Master an der HSG in St. Gallen absolviert.» Dann verabschiedet er die Gäste mit einem herzlichen Servus!