Das Restaurant zum Kaiser Franz im Rössl ist heute eine Institution und befindet sich am Rand der Zuger Altstadt am Zugersee, dort, wo einst das Hotel Rössli stand. «Als ich von meiner Frau Karin erfuhr, dass das ehemalige Rössli zu pachten wäre, habe ich mich beworben und den Zuschlag durch die Besitzer Annemarie und Werner Jenni erhalten, die mir ihr Rössli vor über 25 Jahren anvertraut haben. Ihnen möchte ich ein herzliches Dankeschön aussprechen», erzählt Felix Franz (64) in seinem Restaurant, das für ihn über die Jahre zum erweiterten Wohnzimmer geworden ist. Dass die Wahl auf den Südsteirer aus Leibnitz gefallen ist, liege wahrscheinlich daran, dass Annemarie Jenni ebenfalls aus Österreich stammt. «Wir Österreicher halten zusammen», lacht Franz, der von Gästen manchmal auch als Kaiser angesprochen wird.
Am 11. April 2000 ging der Betrieb an den Start. «Ich habe alles komplett verändert und in das Kaiser Franz umgewandelt», sagt der Kaiser. Der wirkliche Kaiser Franz Joseph I. blickt seither von einem grossen Bild ins Restaurant mit seinen 70 Plätzen (30 weitere gibt es im Sommer draussen) und der Bar. Das Kaiser Franz wurde in seiner Geschichte mehrmals verändert und war früher dunkler und mit grauen Vorhängen bestückt. Inzwischen sind diese beige, die langen Fensterfronten lassen viel Tageslicht zu. Das Knutwiler Mineralwasser ist mit einem eigenen Etikett ausgestattet: Hier ist alles auf Felix Austria getrimmt.
«Bei uns sind alle Mitarbeitenden Gastgeber»
Heute ist der Betrieb von Montag bis Freitag mittags und abends geöffnet. In der Küche arbeiten vier und im Service fünf Mitarbeitende, die auf der Menükarte namentlich erwähnt sind – inklusive ihrer Nationalität. «Bei uns sind alle Mitarbeitenden Gastgeber, nicht nur Tellerschlepper. Der beste Zusatzverkauf ist Freundlichkeit und alle Gäste gleich zu verwöhnen. Dafür sorgen unsere Top-Mitarbeitenden jeden Tag», betont Franz. 13 GaultMillau-Punkte und einen Bib Gourmand hält das Restaurant.
Diese österreichische Wohlfühloase wird seit ein paar Monaten von Lisa Franz (29) als Gastgeberin geführt; der Kaiser hat seiner Tochter Platz gemacht. «Jetzt bin ich Mädchen für alles und unterstütze Lisa, wo es geht. Wenn es sein muss, kann ich auch in der Küche oder im Service einspringen, ich habe beides gelernt. Lisa frage ich manchmal, ob sie mich braucht. Sie sagt dann nein, aber du könntest den Weinkeller aufräumen und die Weinkarte schreiben», witzelt der geborene Gastgeber Felix Franz, der so manches Schmankerl zu erzählen weiss und Experte für die Lehrlingsausbildung im Kanton Zug war.
Er selbst ist der Liebe wegen als gelernter Koch und Kellner vor 45 Jahren in die Schweiz gezogen und heuerte die erste Saison im Hotel Restaurant Landhaus in Baar ZG an. Später war er unter anderem stellvertretender Geschäftsführer im Top Air am Flughafen Zürich sowie Leiter Gastronomie im Art Deco Hotel Montana in Luzern.
Psychologiestudium und Herzinfarkt
Lisa Franz hat einen anderen Weg ins Berufsleben eingeschlagen: Sie studierte an der Uni Zürich Psychologie und erlangte ein Nachdiplom als Marketingmanagerin. «Ich bin keine gute Studentin – ich habe Lust, Hand anzulegen. Deshalb bin ich im Kaiser Franz eingestiegen.» Und so startete sie Ende 2023 ein halbes Jahr in der Küche, wechselte in den Service, und 2025 übernahm sie beides. Der Kaiser erlitt bei der Arbeit im Februar 2025 einen Herzinfarkt. Ihm sei zum Verhängnis geworden, dass er immer mit Leidenschaft und Vollgas gearbeitet habe. Sehr lange Arbeitstage waren damals Normalität. Lisa Franz bilanziert: «Das war ein Sprung ins kalte Wasser. Anfangs habe ich nicht geplant, in der Gastronomie zu arbeiten, es ist ganz einfach passiert.»
Doch so kalt wie derzeit im nahegelegenen Zugersee war das Wasser nicht, denn Lisa half schon mit 14 Jahren immer wieder mal aus – «vom Abwasch über die Toilettenreinigung bis zum Saucier. Wenn du nicht selbst auf allen Posten gearbeitet hast, kannst du das von den Mitarbeitenden nicht verlangen», betont die Gastgeberin und neue Geschäftsführerin.
Der Blick ihres Vaters verrät es: Der Kaiser ist stolz auf seine Tochter und erklärt: «Lisa macht das fantastisch. Als Quereinsteigerin hat sie viele neue Ideen. Wir werden mit der Zeit betriebsblind. Unser Restaurant ist fast jeden Tag ausgebucht, da machen wir wohl vieles richtig.»
Er habe nicht vor, bis 80 zu arbeiten. Franz besitzt in der Steiermark ein schönes Domizil. Aber klar, viele Stammgäste in Zug würden nach ihm fragen. «Doch man muss wissen, wann es Zeit ist, loszulassen. Niemand will hier einen alten Sack sehen. Junges Blut ist immer gut!» Lisa hätte anderswo ebenso einen Job bekommen.
Das steirische Schmankerl-Menü als kulinarische Reise
Selbstverständlich und nicht nur das Dekor, das Personal und dessen Kleidung ganz auf Österreich getrimmt: Das Restaurant Kaiser Franz hat von Anfang an auf österreichische Küche gesetzt. Lisa begründet: «In Zug gibt es viele Restaurants, aber kein österreichisches Speiselokal mit der besonderen Küche, die sich nah an die slawische mit Gulasch und Krautwickel anlehnt. Die österreichische Gastfreundschaft steht für Herzlichkeit.» Der Fokus sei immer auf Österreich, obschon zwischendurch Hummer, grosse Kalbskoteletten oder ein Tomahawk zubereitet werde. «Das steirische Schmankerl-Menü» ist eine kulinarische Reise durch Österreich in vier Gängen und kostet inklusive Kaiserschmarren mit Zwetschgenröster 95 Franken. Allein die Nachspeise fühlt sich wie ein Hauptgang an...
Saisonalität sei der Küche wichtig. Am besten läuft zur Vorspeise Carpaccio vom Tafelspitz, Kürbiskernöl mit Salat und Kren oder die Grazer Hochzeitssuppe (eine Rindsbrühe vom Tafelspitz mit Leberknödel, Fritatten und Griessnockerl). Zum Hauptgang bestellen die Gäste vor allem Wiener Schnitzel, aber auch Gulasch oder Backhendl: «Es ist ein Wahnsinn, was da so am Tag an Schnitzeln rausgeht. Das Paniermehl importieren wir aus Graz», sagt Felix Franz. Die Produkte stammen hauptsächlich aus der Schweiz und aus Österreich; das Kürbiskernöl wenig überraschend aus der Steiermark.
Lisa Franz hat die Speisekarte sanft reduziert und mit Tagesempfehlungen wie Thunfischtatar, Entenbrust oder Lammchops modernisiert: «Wir möchten die Gäste nicht mit langen Speisekarten stressen. Viele kehren bei uns ein und wissen schon im Voraus, was sie bestellen möchten. Ich versuche, ein wenig Fusion in unsere Gerichte zu bringen.»
Die Familie Franz profitiert davon, dass die österreichische Gastkultur bei den Schweizern hoch im Kurs steht. «Wir haben Schweizer Gäste, die tragen ein Dirndlgewand oder eine Tracht, auch wenn das Jackerl zu eng geworden ist», plaudert der Patron aus dem Nähkästchen.
Sag beim Abschied herzlich Servus
Die Weinkarte hat sich seit den Anfängen von 5 auf 20 Seiten vergrössert. Die österreichischen Weingüter, die Rang und Namen haben, sind gut vertreten sowie grosse Weine aus der ganzen Welt. «Ich kaufe keinen einzigen Wein, den ich nicht persönlich mag.» Die meisten Gäste wüssten auch bei den Gerichten, was sie erwartet, «besuchen uns mit Hunger und freuen sich über die rechten Portionen. Das soll so bleiben».
Das Kaiser Franz wird seit über 25 Jahren von vielen Stammgästen sowie Mitarbeitenden von grossen Firmen und internationalen Gästen besucht. Das Motto des Betriebs? «Bei uns sind Sie Kaiser. Die Kunden fühlen sich bei uns wohl wie im eigenen Wohnzimmer und wissen, dass sie bei den Gerichten auf uns zählen können», sagt Lisa Franz. Und der Kaiser gibt zum Besten:
«Mir fehlt der Austausch mit den Gästen jetzt schon. Wahnsinn, wie schnell die Zeit verging. Ich bin sehr froh, dass Lisa den Betrieb weiterführt. Vielleicht kommt eines Tages noch Sohn Maximilian dazu, der seinen Master an der HSG in St. Gallen absolviert.» Dann verabschiedet er die Gäste mit einem herzlichen Servus!