«Luxus ohne Krawatte, aber mit Wanderschuhen»

Reto E. Wild – 02. April 2026
Dem Engelberger Luxushotel Kempinski Palace ist mit dem Zuzug von Stefanos Ioannidis als Executive Chef ein kluger Schachzug gelungen. Damit unterstreicht das Haus seine kulinarischen Ambitionen.

Der Irankrieg beeinflusst auch das Geschäft in der Schweizer Luxushotellerie. Andreas Magnus (43), Hoteldirektor des Kempinski Palace Engelberg OW, bestätigt: «Annullationen haben wir kaum. Aber wir erhalten derzeit nur wenige Neu­buchungen. Das spürt man überall in der Schweiz.»

Das Luxushotel im Klosterdorf hat einen entscheidenden Vorteil: Gegen 40 Prozent der Gäste sind Schweizer, 25 Prozent Amerikaner und der Rest, so Magnus, «gemischt». Diese Kunden würden abwarten, wie sich der Krieg entwickle, und dann entscheiden, ob sie annullieren oder nicht. «Die weitere Entwicklung des Kriegs hat nicht nur für arabische Gäste einen grossen Einfluss, sondern auch für asiatische, die über Dubai oder Katar fliegen», erklärt der norwegische Hoteldirektor, der im Dezember 2020 in Engelberg startete und schon seit 15 Jahren für Kempinski arbeitet – vier Jahre davon in Bangkok.

Engelberg statt Dubai

Das geschichtsträchtige Kempinski in Engelberg, ein Ganzjahresbetrieb mit rund 150 Angestellten bei 129 Zimmern und Suiten ab 450 Franken pro Nacht, sei sehr zufrieden mit dem Winter 2025/ 2026, und habe davon profitiert, dass Schweizer Gäste statt Thailand oder Dubai die Alpen wählten. Das Frutt Mountain Resort, von Kempinski geführt, habe beispielsweise im Dezember 2025 den Umsatz gegenüber dem bereits starken Vorjahresmonat um 10 Prozent gesteigert, und von seiner Schneesicherheit auf Melchsee-Frutt OW, gut 1900 Meter über Meer, profitiert.

Dass das Kempinski im Klosterdorf ganzjährig geöffnet ist, sei ein bewusster Entscheid, der gemeinsam mit den Besitzern gefällt wurde. Das sei wichtig für die Entwicklung der Destination, die mit dem Gondelunglück Mitte März für negative Schlagzeilen sorgte. Kempins­ki-Engelberg-Besitzer ist der Milliardär Yunfeng Gao (59), dem auch das Mandarin Oriental Palace Luzern gehört.

Der Mann aus Rhodos

In diesem Mandarin Oriental arbeitete Stefanos Ioannidis (35) von Juni 2022 bis Juli 2025 als Souschef und sammelte in der gleichen Funktion von Dezember 2017 bis Mai 2022 Erfahrungen im Chedi Andermatt UR. Seit August 2025 zeichnet der auf der griechischen Insel Rhodos aufgewachsene Koch als Executive Chef im Kempinski Engelberg und damit für die gesamte Kulinarik im Hotel inklusive Bankett verantwortlich. Er rapportiert direkt an Magnus, der über den prominenten Transfer sagt: «Stefanos macht einen tollen Job. Er ist leidenschaftlich und ehrgeizig und zeigt erstmals als Nummer 1, was er in der Küche kann.»

Und der Grieche und sein Team mit 30 Mitarbeitenden aus 11 Nationen halten sich an die Philosophie des Hauses, möglichst lokale Produkte aus der Umgebung zu verwenden. Trotzdem positioniert Ioannidis, der mit seiner Frau und den beiden Söhnen in Luzern lebt, das Vorzeigerestaurant Cattani näher zur mediterranen Küche. «Das kommt bei den Gästen sehr gut an und passt zu Stefanos», urteilt der Hoteldirektor. Das Cattani sei eine Melange zwischen familiären Gerichten und Haute Cuisine.

Eine wichtige Rolle spielt dabei die «Cattani Collection»: Sie präsentiert saisonale Kreationen, zeitlich limitierte Gerichte und Degustationsmenüs von Chef Ioannidis, die für eine Reise durch die gastronomische Vielfalt der Schweiz sorgen. Diese kulinarischen Reisen werden von ausgezeichneten Weinen begleitet, derzeit von der Domaine Denis Mercier aus Sierre VS.

Griechischer Einfluss in Engelberg

Stefanos Ioannidis hat dem Restaurant bereits seinen Stempel aufgedrückt, wie ein Testbesuch zeigt: Zum Frühstück kann der Gast, ebenfalls im Cattani-Restaurant, beispielsweise Kagianas bestellen. Das ist die traditionelle (und sehr schmackhafte) griechische Art von Rührei mit Tomaten und Kräutern.

Abends steht bei der Vorspeise das sehr nahrhafte Skordopsomo zur Auswahl: ein Fladenbrot, das Ioannidis mit Alpkäse, Jalapeños und Knoblauch kombiniert – Griechenland trifft Schweiz. Vegetarier freuen sich über Randen mit Eichenhonig, Baumnuss, Knoblauch und Chälä-Rugelikäse oder ein Onsenei mit Sellerie und grilliertem Lauch. Die Hummerbisque ist zum Signature Dish avanciert und erreicht Michelin-Niveau, eben­so der Seeteufel mit Kräuterkruste an einer säurebetonten Beurre-blanc-Sauce mit eingelegten Zitronen.

«Die Zutaten sind die Stars. Ich fokussiere auf qualitativ hochstehende Produkte und sorge dafür, dass diese brillieren. Unsere Gäste wollen etwas Anderes erfahren», beschreibt Stefanos Ioannidis seinen Stil.

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Andreas Magnus in der Hotelhalle des Kempinski Palace in Engelberg: «Ich profitiere vom besten Team meiner Hotelkarriere.» (Bild: zVg)

Er lebe nun seit zehn Jahren in der Schweiz und habe gute Kontakte zu Produzenten. Der Seeteufel erinnere ihn an seine Kindheit und an seine Grossmutter, die für das gleiche Rezept allerdings Steinbutt benützte. Sein Ziel: «Ich möchte dieses Palasthotel als kulinarische Destination etablieren. Die Gäste sollen uns nicht nur wegen unserer schönen Zimmer und des Spa besuchen, sondern wegen unseres alpin-mediterranen Essens.»

Ambitionierte Zukunftspläne

Gerade für ein Hotelrestaurant sei es wichtig, einen eigenen Weg zu gehen und nicht nur Trends zu folgen. «Wir geben das Beste, was wir mit unseren Herzen erreichen können. Wir müssen stolz auf das sein, was wir machen. Ob es dann zu einer bestimmten Anzahl GaultMillau-Punkte oder zu einem Stern kommt, ist nicht prioritär. Aber wir wollen Erinnerungen kreieren», betont der Chefkoch, der sich als Mentor für die nächste Generation von Köchen fühlt.

Ende Juni feiert das Kempinski Engelberg seinen fünften Geburtstag mit zahlreichen Anlässen. Hoteldirektor Magnus wünscht sich für die Zukunft ein drittes Restaurant, zwei, drei zusätzliche Suiten statt Zimmer und ein aufgemöbeltes Spaangebot. «Wir verstehen uns als Luxus ohne Krawatte, aber mit Wanderschuhen. Wir wollen das Hotel als Basis für Aktivitäten wie einen Klosterbesuch, Gleitschirmfliegen, Klettern oder Wandern positionieren. Dabei profitiere ich vom besten Team meines Lebens», sagt er.