«Koch ist nach wie vor der schönste Beruf auf Erden!»

Caroline Goldschmid – 21. Mai 2026
Anton Mosimann lebt in Montreux VD und wird am 9. Juni als Gast an der Delegiertenversammlung von GastroSuisse teilnehmen. Er erzählt uns, warum er sich für die Riviera entschieden hat, und berichtet von dem von ihm ­gegründeten Museum «The Mosimann Collection» in Le Bouveret VS, das die weltweit grösste Sammlung an Kochbüchern beherbergt.

Anton Mosimann, du lebst in Montreux. Wie sieht dein Alltag aus?
Anton Mosimann: Ich gehe dreimal pro Woche ins Museum «The Mosimann Collection». Es ist mit 6000 Kochbüchern das grösste kulinarische Museum der Welt. Einige sind sogar 500 Jahre alt! Die meisten sind Erstausgaben. Sie sind wirklich etwas ganz Besonderes. Es ist, wenn ich das so sagen darf, die schönste und grösste kulinarische Ausstellung der Welt.

 

Die grösste der Welt?
Ich habe bereits viele Museen besucht, insbesondere in den Vereinigten Staaten oder auch das Escoffier-Museum im französischen Villeneuve-Loubet. In meinem Museum hat es unglaublich alte Speisekarten. Nebst den Kochbüchern sind über 30 000 Speisekarten und Menüs dabei. Das älteste Menü stammt von 1737 und wurde für König George II. serviert.

 

Das Museum befindet sich in Le Bouveret VS auf dem Campus der Culinary Arts Academy. Wie ist dieses Projekt entstanden?
Ich habe lange nach einem Ort gesucht, da ich schon immer Bücher und Speisekarten gesammelt habe. Meine Sammlung ist im Laufe der Jahre immer weiter gewachsen. Also wollte ich sie der breiten Öffentlichkeit zugänglich machen. Die Leute haben Sammlungen, die in ihren Kellern schlummern oder irgendwo versteckt sind. Ich wollte aber, dass die Öffentlichkeit Zugang erhält. Vor allem junge Menschen. Die Schule zählt mittlerweile 350 Schüler und ich denke, dass alles, was in diesem Museum ausgestellt ist, für sie eine Quelle der Motivation und Inspiration sein kann. Dazu gehören auch die 50 Goldmedaillen, die ich gewonnen habe, und nicht weniger als 260 Schwarz-Weiss-Fotos, die sehr bedeutende Persönlichkeiten zeigen. Ich hoffe, dass sich die jungen Leute sagen: «Wenn Mosimann das kann, dann kann ich das auch!»

 

Mit 79 Jahren scheinst du noch sehr aktiv zu sein...
Ich koche noch immer für besondere Anlässe, überall auf der Welt. Im Laufe meines Lebens habe ich in 80 Städten gekocht, darunter im Fernen Osten und in Japan, ebenfalls in den Vereinigten Staaten und in Südamerika. Ich habe ein Jahr in Japan gelebt, ein Jahr in Italien in Frankreich und Schweden, über 50 Jahre in England.

 

Du bist in viele Länder und Regionen der Welt gereist und hast dort gelebt. Warum hast du dich für Montreux als Wohnort entschieden?
1969, als ich von einem Aufenthalt in Kanada zurückkehrte, verbrachte ich eine Saison in Montreux. Und ich habe mich in diese Stadt verliebt. Auch meine Frau, die ein Jahr in Glion VD studiert hat, ist dem Charme dieser Region erlegen. Nach 50 Jahren in London hatten wir beschlossen, in die Schweiz zurückzukehren, und Montreux stand auf unserer Liste. Wir sind hier sehr glücklich. In dieser Region werden wir so richtig verwöhnt. 

 

Du kochst immer noch bei Veranstaltungen: Auch dieses Jahr?
Ja, ich werde öfters an spezielle Veranstaltungen eingeladen –als Gast, Ehrengast oder «Guest Speaker». Kürzlich war ich im Dolder Grand in Zürich als Ehrengast eingeladen. An diesem Anlass waren 20 Persönlichkeiten als «Legenden» ausgezeichnet, ich war eine davon, eine grosse Ehre für mich. Unter diesen 20 wurden César Ritz, Claude Nobs und Yehudi Menuhin ebenfalls ausgezeichnet. Dabei waren der Schweizer Botschafter aus London und der Britische Botschafter aus Bern.

Abgesehen vom Museum The Mosimann Collection, worin besteht deine Zusammenarbeit mit der Culinay Arts Academy?
Ich stehe den Studierenden sehr nahe. Ich sehe sie regelmässig. Manchmal kochen wir zusammen. Dann unterhalten wir uns, ich erzähle ihnen von meinem Werdegang, sie stellen mir Fragen zu ihrer Zukunft und viel mehr. Ich gebe meine Leidenschaft für diesen schönen Beruf an sie weiter. Ich ermutige sie, durchzuhalten und sich nicht vom Weg abbringen zu lassen.

 

Welche Botschaft möchtest du der neuen Generation von Köchen mitgeben?
Eine sehr gute Frage! Sie haben sich entschieden, den Beruf des Kochs zu erlernen und in die Gastronomie einzusteigen. Für mich ist das nach wie vor der schönste Beruf der Welt. Ich koche seit über 60 Jahren und stehe jeden Morgen glücklich auf und freue mich darauf, zur Arbeit zu gehen. Ich versuche, eine positive Einstellung zu bewahren, denn für mich ist es grossartig, Menschen mit einem guten Essen und einem hochwertigen Service glücklich zu machen. Das bereitet mir grosse Freude. Auf Englisch sagt man: «The sun doesn’t always shine. There is some rain, there is thunderstorm. That’s life!» Genauso ist es in diesem Beruf: Frühmorgens aufstehen und sich sagen: «Wow, heute ist ein neuer Tag und ich freue mich darauf!» Das ist die Botschaft, die ich meinen Schülern weitermitgebe, wenn ich sie wiedersehe, damit sie in diesem Beruf bleiben. Es ist ein Beruf, der glücklich macht. Es ist wichtig, im Leben etwas zurückzugeben.