«Jeder Mensch hat eine Geschichte zu erzählen!»

Corinne Nusskern – 10. Dezember 2025
Die Storytellerin Claudia Salzmann kreiert für Gastronominnen und Wirte Social-Media-Inhalte und verleiht den Betrieben so mehr Sichtbarkeit. Als Gastrojournalistin kennt sie deren Bedürf­nis­se und transportiert ihren analogen Alltag in die digitale Welt.

Claudia Salzmann, warum ist es heute für Gastronomen so wichtig, auf den Social-Media-Plattformen aktiv zu sein?
Claudia Salzmann: Mit Social Media ist ein Betrieb permanent im Hosensack seiner Gäste präsent. Die Gastrobranche ist so lebendig, sie lebt von Farben und Formen auf dem Teller, aber die Gäste wollen mehr sehen: die Menschen dahin­ter. Wir alle möchten doch dort Einblick haben, wo man selten hindarf – in die Küche. Mit gezielten Social-Media-Posts kann ein Betrieb zeigen, was dort alles so brutzelt und passiert. Und wenn die Gäs­te dann noch Essensbilder posten, ist das zusätzliche Gratiswerbung.

 

Viele Gastronomen sind heute mit der Social-Media-Arbeit überfordert.
Absolut verständlich. Nach zwölf Stunden in der Küche mögen die wenigsten noch Fotos bearbeiten, Texte schreiben, posten und Tags setzen. Es fehlt entweder an der Zeit oder am Know-how. Qualitativ schlechte Fotos oder Storys sind da eher kontraproduktiv. Zudem ist es wichtig, kanalgerecht zu kommunizieren, Tik­­tok, Facebook oder Linked-In verlangen nach verschiedenen Formaten.

 

Sie bieten Hilfe an und realisieren Inhalte in Form von Posts und Storys. Was ist auf diesen zu sehen?
Das ist individuell. Alles, was lebendig ist, kann eine Geschichte sein. Etwa ein Blick in die Küche. Versteht jemand viel von Wein, kann man eine Weinserie starten oder Lieblingsgerichte von Mitarbeitenden präsentieren. Oder vielleicht kommt jeden Morgen ein Bauer vorbei und überreicht dem Wirt ein Karton Eier?

 

Das heisst, Sie müssen den Betrieb und seine Menschen kennenlernen, damit Sie ihre analoge Welt in die digitale transportieren können?
Genau. Es geht immer um Menschen, Emotionen und Erlebnisse.

 

Wie läuft es ab?
Erst telefonieren wir, dann treffen wir uns für ein Vorgespräch. Danach beobach­te und fotografiere ich die Menschen, während sie in der Küche oder im Gastraum arbeiten. Das ist real und wirkt unverkrampft. Oft sind sie zu Beginn etwas schüchtern und denken, es sei nichts Spezielles, was sie da tun. Aber jeder Mensch hat eine Geschichte zu erzählen! 

 

Und was kostet die Umsetzung?
Das kleinste einmalige Amuse-Bouche kostet 380 Franken. Bewährt haben sich zwei Posts pro Woche, einer bringt wenig, alles darüber ist den meisten Follower zu viel. Es gibt aber auch Monatsabos ab 890 Franken sowie das «Gourmetmenü» für 3500 Franken. Die­ses eignet sich auch für Konzeptwech­sel und Neueröffnungen.

 

Ist es für die Betriebe zeitaufwendig?
Das ist unterschiedlich, für das kleine Amuse-Bouche reicht eine gute Stun­de, für die grösseren braucht es mehr Zeit. Wir erstellen gemeinsam einen Social- Media-Plan, eine Art Terminplan. Und, ich lasse alle Texte und Fotos von den Protagonisten immer erst freigeben. Sie müssen die Hoheit über die Inhalte behalten. Ich bin als Storytellerin nur ihr technischer verlängerte Arm. 

 

Der Erfolg orientiert sich an Reichweite, Sichtbarkeit und Rückmeldungen. Wie garantieren Sie diesen?
Es ist wie im richtigen Leben, es gibt kei­ne Garantien. Ich muss noch etwas festhalten: Ich bin keine Gastroberaterin! Mit Social Media bringt man einen Betrieb, der nicht läuft, nicht wieder zum Laufen. Ich bilde nur ab, was ist, und trage dies in die Welt hinaus. 

 

Die Storytellerin

Claudia Salzmann (42), gestandene Bernerin und Gastrojournalistin mit einem Master in Multimediajournalismus, ist am Beizen­tisch genauso ­zu Hause wie in der Social-Media-Welt. 

diestorytellerin.ch