Ruhig, fast bescheiden, sitzt er in der Weinstube des Gasthaus Krone in Attinghausen UR. Doch sobald Nicolas Imholz vom Kochen erzählt, kommt Bewegung in seinen Körper, und es blitzt ein Feuer in seinen Augen auf, das die Freude am gelebten Traumberuf verrät - und seine Ambitionen. Bis Mitte Mai absolviert er noch die Rekrutenschule für selektionierte Truppenköche im Ausbildungszentrum Verpflegung in Thun BE. «Da kocht man auch mal für Bundesräte», so der Isenthaler. Sein grösstes Ziel dieses Jahr heisst aber: WorldSkills.
Nicolas Imholz, du hast 2025 am Gusto Silber gewonnen sowie Gold an den SwissSkills. Holst du dir dieses Jahr an den WorldSkills in Shanghai die ganze Welt?
Nicolas Imholz: (lacht) Das wäre schön! Das Ziel ist hochgesteckt, ich werde mein Bestes geben und sehen, wo es hinführt. Ich will etwas erreichen und stolz auf mich sein. Bis zu den WorldSkills im September muss ich noch mein Englisch verbessern, vor allem Begriffe aus der Küchentechnik, aber auch alle Zeitpläne müssen auf Englisch geschrieben sein.
Du fühlst dich sichtlich wohl in dieser Wettbewerbswelt. Was ist der Reiz daran?
Kochwettbewerbe faszinieren mich seit Beginn der Kochlehre. Das Adrenalin ist der Reiz, aber auch die Kreativität voll ausschöpfen zu können. Etwas, das ich während meiner Lehre im Altersheim nicht so stark auskosten konnte. Und toll ist das Netzwerk, das man durch die Wettbewerbe bekommt, das ist krass!
Bist du jeweils nervös, die Ruhe selbst oder durch das Adrenalin auf Vollgas gespurt?
Wenn ich nicht nervös wäre, wäre es nicht normal. Ich muss mich an Wettbewerbstagen jeweils zwingen, etwas zu frühstücken. Bei den SwissSkills war ich während vier Tagen voll fokussiert. Man muss in diesem Flow bleiben und darf sich nicht ablenken lassen. Ich lege dann jeweils das Handy etwas zur Seite (schmunzelt). Beim Gusto hatte ich das Angebot für Mentaltraining bei Andreas Fleischlin wahrgenommen. Bei den WorldSkills ist dieses sogar Pflicht, da wird Andreas wieder an meiner Seite sein.
Wie läuft das Mentaltraining ab?
Man liegt auf einer Yogamatte, wird in sein Unterbewusstsein geführt und lernt, Dinge, die einen ablenken oder belasten, aus dem Kopf zu bekommen. Irgendwann kann man dies abrufen. Das bringt mir auch etwas für das Leben.
Wie entstehen deine kulinarischen Ideen für einen Wettbewerb?
Bekomme ich die Vorgaben, schaue ich, was am Wettbewerbsdatum gerade Saison hat, und fokussiere darauf. Viele Inspirationen finde ich auf Instagram, diese vermische ich mit meinen eigenen Ideen und Gelerntem aus meinen Stages. Dann koche ich das Gericht so oft, bis es für mich passt. Man könnte es auch zeichnen, aber auf dem Teller sehe und schmecke ich sogleich, wo ich noch justieren muss – zudem ist der Geschmack das Wichtigste.
Demzufolge widmest du dem Geschmack die grösste Aufmerksamkeit?
Absolut, der Geschmack gibt auch die meisten Punkte. Ist ein Gericht gut abgeschmeckt und wird zur richtigen Zeit geschickt, hat man schon sehr viel richtig gemacht.
Was ist wichtiger: Talent oder Fleiss?
Etwas Talent braucht es schon, aber Fleiss und Eigeninitiative sind wichtiger. Und dass man bereit ist, seine Freizeit zu opfern und zu trainieren. Auch so baut man sich Talent auf.
Wo siehst du deine Stärken, wo Schwächen, und woran musst du noch feilen?
Ich bin mental sehr stabil. Ich kann viel einstecken, und bis ich laut werde, braucht es umso mehr. Bei den SwissSklills konnte ich primär mit dem Geschmack überzeugen, auch arbeitstechnisch bin ich nicht schlecht, ich arbeite sauber. Feilen möchte ich an diversen Kochtechniken und -prozessen. Ich will mich überall weiterentwickeln, auch geschmacklich und bei der Geschwindigkeit.
«Etwas Unvorhergesehenes? Ist mir an Wettbewerben zum Glück noch nie passiert», so Nicolas Imholz. «Da muss man ruhig bleiben und eine Lösung finden.» (Bild: Daniel Winkler)
Dein Coach für die WorldSkills ist Mario Garcia, zweifacher Juniorenkochweltmeister, Fünfter am Weltfinale Bocuse d’Or, Coach der Schweizer Kochnationalmannschaften. Kennt ihr euch gut?
Wir haben schon mehrmals an diversen Events zusammengearbeitet, zuletzt im Winter-Pop-up AL & Mario Garcia in St. Moritz, wir sind bereits ein bisschen eingespielt. Das Programm der WorldSkills wird jedoch erst zwei Monate vor dem Wettbewerb bekannt gegeben. Angeblich soll es dieses Jahr völlig anders ablaufen, vieles soll spontan passieren.
Wie bereitest du dich da vor?
Das Spontane macht es schwierig, da man nicht genau weiss, worauf man trainieren soll. Die Idee ist, dass ich nach der RS einige Stages in diversen Restaurants mache. Bei der Auswahl der Betriebe unterstützt mich Mario Garcia.
Er hat ein unglaubliches Netzwerk! Und danach starten dann die praktischen Vorbereitungstage.
Was erhoffst du dir von den Stages?
Diese Stages bringen unglaublich viel! Während meiner Stage bei Silvio Germann im Mammertsberg konnte ich tiefer in das filigrane Anrichten und das Abschmecken eintauchen, und im Ikarus in Salzburg lernte ich neue Ideen kennen, etwa, was man mit Produkten auch noch so anstellen kann.
Was muss sicherlich mit nach Shanghai?
Ganz sicher meine Messer! Und ein kleines Schweizer Sackmesser, das mir der Rektor der Berufsschule geschenkt hat, sowie die auf Papier ausgedruckten Wettbewerbsrezepte. Alle anderen Rezepte sind auf meinem Laptop und meinem Handy gespeichert.
Wie reagiert eigentlich dein Umfeld auf deine Wettbewerbskarriere?
Meine Familie und meine Freunde unterstützen mich voll und ganz. Die Kochkollegen sticheln manchmal: «Ah, hier kommt der Schweizer Meister!» (lacht). Ich mag es nicht, damit anzugeben, deswegen foppen sie mich umso mehr! Bei den Wettbewerben herrscht unter den Kandidaten und Kandidatinnen aber ein gutes Klima. Man schliesst sich zusammen, da man die gleichen Situationen durchlebt. Das schweisst zusammen.
Woher kommen deine Ambitionen, vorwärtszukommen?
Das ist seit immer in mir drin. Wenn ich mir ein Ziel setze, unternehme ich alles, um es zu erreichen. Ich wusste schon als Neunjähriger, dass ich Koch werden will, und so kam es.
Hast du ein Vorbild?
Silvio Germann vom Mammertsberg finde ich megacool. Ich mag seinen Charakter und wie er mit seinen Mitarbeitenden umgeht. Läuft mal etwas schief, ist er null nachtragend. Und auch mein langjähriger Trainer Marco Mehr (Juniorenkochweltmeister 2006, Vizeweltmeister an den WorldSkills 2007 in Japan, Anm. der Redaktion) ist für mich ein Vorbild. Er hat mich bis anhin trainiert und war immer an meiner Seite.
Wie wird sich die Gastronomie aus deiner Sicht in den nächsten Jahren entwickeln?
Die pflanzliche Küche wird noch mehr Aufmerksamkeit bekommen. Vielleicht wird auch die experimentelle holistische Küche, wie sie Rasmus Munk im Alchemist in Kopenhagen präsentiert, zulegen.
Was isst du selbst am liebsten?
Alles. Ich mag eine Lasagne zu Hause genauso gern wie einen Mehrgänger im Sternerestaurant. Kürzlich war ich im Eatrenalin im EuroPark, das war cool! Gerne möchte ich mal bei Markus Stöckle, bei Sven Wassmer, im Jordnær in Kopenhagen und im Thoru in München essen.
Gibt es ein Lieblingsprodukt?
Ich fische selbst, deshalb arbeite ich gerne mit Fisch, primär mit Süsswasserfischen wie Zander, Forelle oder Lachs. Fisch ist extrem vielfältig.
Und welches Produkt kommt dir nicht in die Küche?
Schnecken! Das muss nicht sein, niemals. Die gehören in den Wald, nicht in die Küche!
Was versalzt dir im Alltag die Suppe?
Leute, die permanent hässig sind und eine schlechte Stimmung verbreiten. Ich arbeite gern in einem coolen Umfeld, in dem man sich gegenseitig hilft.
Wo stehst du in zehn Jahren?
Sicher in einer Küche! Ich will die Ausbildung zum Chefkoch machen und würde gern eine Weile in den nordischen Ländern arbeiten. Aber das lasse ich ganz langsam auf mich zukommen.
Du bist ambitioniert, aber nicht verbissen. Macht der Kochberuf glücklich?
Ja, mich sicher! Das war schon immer mein Traumberuf. Ich habe die richtige Entscheidung getroffen. Während eines Wettbewerbs ist das Wichtigste, dass man genau diesen Moment geniesst. So läuft es auch besser, es geht so viel einfacher, wenn man richtig Bock darauf hat.
Der letzte Schweizer WorldSkills-Gewinner war 1999 Rolf Fuchs vom Panorama Hartlisberg, Steffisburg BE. Es wäre an der Zeit – oder setzt dich das unter Druck?
Es ist immer etwas Druck dabei, es geht nur darum, wie man damit umgeht. Druck muss einen weiterbringen und nicht verunsichern. Gewinnen ist das Ziel. Hätte ich ein anderes, wäre ich am falschen Ort. Ich freue mich mega auf die WorldSkills!