«Ich werde den täglichen Kontakt mit den Gästen vermissen»

Oliver Borner – 24. Juli 2025
Nach 41 Jahren schliesst Seppo Caluori Ende September sein berühmtes Café Caluori in der Churer Altstadt. Im GastroJournal blickt er auf diese lange Zeit zurück und verrät, welche Projekte nach der Gastrokarriere anstehen.

Seppo Caluori, nach 41 Jahren schliessen Sie ihr Café in der Churer Altstadt. Wieso?
Seppo Caluori: Es wurde schlicht Zeit für einen Wechsel. Ich werde dieses Jahr 66 Jahre alt und bin der Überzeugung, dass nach 41 Jahren auch mal genug ist.

 

Wie einfach oder schwer ist Ihnen dieser Entscheid gefallen?
Erstaunlicherweise ziemlich einfach. Ich habe mich schon länger mit dem Gedanken, kürzerzutreten, auseinandergesetzt. Da auch meine Frau sich entschieden hat, weniger zu arbeiten, ergänzten sich unsere Pläne hervorragend.

 

Wenn Sie auf die lange Geschichte des Cafés zurückblicken: Welche Erinnerungen kommen da auf?
Ganz viele natürlich. Nach wie vor präsent sind die Anfangszeiten und die beiden Umbauten, die im Café über die Jahre vorgenommen wurden. Was ganz tief in meinen Erinnerungen ist und auch bleiben wird, sind die vielen Stammgäste, die uns teilweise über Jahrzehnte die Treue gehalten haben. 

 

Die Beliebtheit des Cafés ist nach wie vor gross. Welche Bedeutung hat das Café für die Stadt Chur?
Es ist eine Institution in der Churer Altstadt. Es ist ein Treffpunkt für viele Menschen, wo sie zusammenkommen, Kontakte knüpfen und Gespräche führen können. Viele sind über die Jahre hinweg wegen mir und meinem Team regelmässig ins Café gekommen. Das schätze ich sehr.

 

Was werden Sie nach ihrem Abgang aus dem Café vermissen?
Am meisten werde ich die Gespräche mit den Gästen und das Zwischenmenschliche vermissen. Die Verbindung zu den Gästen ist über die vielen Jahre hinweg immer stärker geworden und hat mich und mein Team stets motiviert, jeden Tag unser Bestes zu geben.

 

Mit dem Rückzug aus der Gastronomie werden Sie Zeit für anderes haben. Welche Pläne verfolgen Sie?
Ich werde mich nach wie vor politisch im Grossen Rat und als Präsident bei GastroGraubünden engagieren. Daneben wollen meine Frau und ich die freie Zeit für Reisen und gesellschaftliches Engagement nutzen.

 

Die Pächternachfolge für das Café ist noch ungeklärt. Was wünschen Sie sich für die Zukunft des Cafés?
Mir ist es ein grosses Anliegen, dass das Café so erhalten bleibt, wie es heute ist. Es soll weiterhin ein Treffpunkt für alle Menschen sein und seinem bisherigen Konzept möglichst treu bleiben. Ich wünsche mir zudem, dass der neue Pächter oder die neue Pächterin alle bisherigen Angestellten übernimmt. Sie sind das Herzstück des Cafés.

 

Was muss der neue Pächter oder die neue Pächterin mitbringen, um das Café zu führen?
Am wichtigsten ist aus meiner Sicht, dass es jemand ist, der die Kultur der Stadt Chur und die Bedeutung des Cafés für die Stadt kennt und schätzt. Das ist das Grundprinzip des Konzepts des Cafés und das sollte erhalten bleiben.

 

Bis Ende September ist das Café unter ihrer Führung noch geöffnet. Wie blicken Sie auf diese zwei Monate bis zum definitiven Abschied?
Ich will für die Gäste nochmals Vollgas geben. Ich bin dankbar, dass die Gäste noch bis Ende September zu uns kommen und sich von uns verabschieden können. Wenn es so weit ist, werden wir sicher eine «Ustrinkete» organisieren. Das schulden wir unseren Angestellten und unseren Gästen.