Wer sich mit Grundqualifikationen für erwachsene Migranten, Quereinsteigende oder Arbeitssuchende befasst, kennt die Situation: Es existiert eine Vielzahl unterschiedlicher kantonaler Angebote, Qualifikationen und Finanzierungen, um diese Personen schnell und unkompliziert in den Arbeitsmarkt zu integrieren. Um das System zu vereinheitlichen und zu vereinfachen, haben die grossen Branchenverbände GastroSuisse, HotellerieSuisse, Hotel & Gastro Union und die Branchenorganisation Hotel & Gastro Formation beschlossen, ihre Kräfte zu bündeln.
Genau das will das Programm HotelGastro365. Die Idee: Mit einem Jahresarbeitsvertrag und gleichzeitiger Fach- und Sprachausbildung soll die Chance der Betroffenen auf den dauerhaften Einstieg in die Berufswelt massgeblich verbessert werden. Damit sollen nicht nur Chancen für Bildungswillige entstehen, sondern auch der anhaltende Mangel an fachkompetentem Personal im Gastgewerbe entschärft werden. Weil die Branche aufgrund ihrer niederschwelligen Einstiegsmöglichkeiten besonders gute Voraussetzungen für eine Integration in den Arbeitsmarkt biete, eigne sie sich als Pilotbranche für eine mögliche, spätere Umsetzung in weiteren Branchen, heisst es in einer Mitteilung.
Pilotprojekte starten im Herbst
Die primäre Herausforderung besteht gemäss der Initiierenden darin, Bildungswillige mit Hilfe einer staatlich geförderten Qualifikationsmassnahme beim Einstieg in den 1. Arbeitsmarkt zu begleiten. Konkret sieht das Programm folgenden Ablauf vor:
- Teilnehmende, Praxisbetrieb und Anbieter der 1. Qualifikationsstufe schliessen eine Vereinbarung, welche das Qualifikationsprogramm HotelGastro365® umfasst.
- In zwei Qualifikationsstufen absolvieren Teilnehmende parallel zu 80 Prozent beruflicher Tätigkeit eine Ausbildung in Küche, Service oder Hauswirtschaft inklusive Sprachkurs.
- Während die Bildungs- und Lohnkosten in den ersten sechs Monaten massgeblich durch die kantonal zuständigen Behörden finanziert werden, folgt in den folgenden sechs Monaten eine durch den L-GAV finanzierte Progresso-Ausbildung sowie die Zahlung des L-GAV Mindestlohns durch den Praxisbetrieb, sofern dieser zwingend dem L-GAV unterstellt ist. Damit entsteht eine gleichmässige Kostenaufteilung zwischen Behörden und Branche.
Das Programm geht bereits dieses Jahr mit Pilotprojekten in zwei Kantonen an den Start. Die Kantone Basel-Stadt und Luzern stellen sich für die Pilotprojekte zur Verfügung. Als Umsetzungspartner konnte der Verein Sonnenberg in Kriens LU mit dem Integrationskurs «HotelGastro Go!» gewonnen werden. Der Verein ist in beiden Kantonen tätig und durch Hotel & Gastro Formation Schweiz zertifiziert. Die Kurse starten am 17. August 2026 in Basel und am 8. September 2026 in Luzern. Falls die Pilotprojekte sich bewähren, ist ein nationaler Roll-out geplant.