GastroSuisse will Geflüchtete einfacher in den Arbeitsmarkt integrieren

Oliver Borner – 27. Mai 2026
Der Gastroverband will das Arbeitspotenzial von Geflüchteten mittels eines einjährigen Integrationsjobs in der Gastronomie nutzen. Basel-Stadt und Luzern starten mit dem Konzept bereits im Herbst.

Die Integration von Flüchtlingen ist eine der grössten Herausforderungen für Firmen und Betriebe in der Schweiz. Oft fehlen Deutsch und Fachkenntnisse, damit geflüchtete Personen in eine reguläre Lehre absolvieren können. Sie bleiben damit oft dem Arbeitsmarkt fern und erhalten keine Chance auf Integration.

Das will der Gastronomieverband GastroSuisse zusammen mit seinen Partnerverbänden und dem Staatssekretariat für Migration SEM ändern. Konkret lanciert der Verband ein gemeinsames Pilotprojekt der Sozialpartner HotellerieSuisse, Hotel & Gastro Union, mit Hotel & Gastro formation, dem SEM sowie den zuständigen Stellen von Bund und Kantonen.

Ziel dieser Integrationsmassnahme ist es, bestehende Ansätze zur Arbeitsmarktintegration von Menschen mit Migrationshintergrund zu prüfen, besser aufeinander abzustimmen und in einem klar strukturierten Entwicklungsweg zusammenzuführen. Dabei bauen die Beteiligten auf bestehende, anerkannte Module auf, insbesondere GastroGo und Progresso, die aber in einer modifizierten berufsbegleitenden Form umgesetzt werden.

«Unsere Branche braucht Fachkräfte. Wir wollen das Inländerpotenzial besser ausschöpfen, um weniger von Arbeitskräften aus dem Ausland abhängig zu sein. Ziel ist es, dass möglichst viele Personen einen Berufsabschluss erlangen», sagt GastroSuisse-Präsident Beat Imhof.

Vom Einstieg zur Lehre

Die Teilnehmenden sollen über rund ein Jahr begleitet werden: Sie arbeiten zu etwa 80 Prozent in einem Betrieb und werden parallel zu rund 20 Prozent in Sprache und Fachkompetenzen ausgebildet. So sollen sie schrittweise an den Arbeitsalltag in unserer Branche herangeführt und für eine weiterführende berufliche Qualifikation vorbereitet werden.

Im ersten halben Jahr steht der Einstieg in den Arbeitsalltag mit Begleitung im Vordergrund.  Diese Phase soll über bestehende Finanzierungsinstrumente unterstützt werden, was für die Betriebe zu einer finanziellen Entlastung führt. Im zweiten halben Jahr wird die Verantwortung im Betrieb erhöht und die Qualifizierung vertieft; diese Phase wird durch den Betrieb getragen. Im Anschluss sollen die Teilnehmenden die Möglichkeit haben, einen EBA- oder EFZ-Abschluss anzustreben.

Im ersten halben Jahr soll die Anstellung mit Bundesgeldern, die den Kantonen für Integrationsmassnahmen zur Verfügung stehen, finanziell unterstützt werden. Im zweiten halben Jahr bezahlt der Betrieb den im L-GAV vorgegebenen Mindestlohn. 

Dabei ginge es laut GastroSuisse nicht darum, neue Strukturen zu schaffen, sondern bestehende Angebote und Instrumente besser zu bündeln, zu strukturieren und für die Betriebe wirksamer nutzbar zu machen. Das Modell soll zunächst in einzelnen Kantonen getestet und gemeinsam weiterentwickelt werden. Die Pilotphase soll im Herbst in Basel-Stadt und Luzern starten. Das langfristige Ziel sei es, das Projekt schweizweit auszulegen.