«Gastronomie macht ein Viertel des Umsatzes aus»

Reto E. Wild – 13. August 2026
TCS Camping ist mit jährlich einer Million Logiernächten und zwei Dutzend Standorten die grösste Campingorganisation der Schweiz – und verfolgt für 2027 drei grössere Projekte. Die Gastronomie spielt generell eine immer wichtigere Rolle.

Am Flussufer des Rheins, idyllisch eingebettet im Naturschutzgebiet Thurauen, dem Tor zum grössten Auengebiet des Schwei­zer Mittellands, kommt sofort Ferienstimmung auf. Hier breitet sich der TCS Camping Flaach ZH mit weiten Wiesen und Wäldchen aus. Würden sich am Horizont nicht Rebberge abzeichnen, könnte diese Landschaft auch in Skandinavien vermutet werden. Und doch liegt der Platz nur 20 Kilometer vom Flughafen Zürich und 15 Kilometer von Winterthur ZH entfernt.

Die führende Campingorganisation der Schweiz

Ferien in der Natur, nah und nachhaltig, gehört seit über 75 Jahren zum Konzept des Vereins Touring Club Schweiz (TCS), der inzwischen mit mehr als 25 Standorten bei gut 300 Glampingunterkünften jährlich rund eine Million Logiernächte generiert.
Oliver Grützner (54), seit Mai 2025 CEO von TCS Camping und damit Chef von rund 450 Angestellten (von August 2011 bis Mai war er Leiter Tourismus und Freizeit), lobt Flaach: «Der Standort mit über 300 Zelt- und Stellplätzen ist mit 77 Jahren der älteste Campingplatz des TCS. Er ist mit unserem hauseigenen Restaurant Stäubis, das wir im Frühling 2024 im neuen Kleid eröffneten, dem Badi-Kiosk, der öffentlichen Badi, dem Naturschutzzentrum und der privilegierten Lage am Rhein sehr gut aufgestellt. Dieser Viersterne-Campingplatz ist besonders beliebt.»
Rund 70 Prozent der TCS-Camping-Kunden sind, so Grützner, Schweizer, 14 Prozent reisen aus Deutschland an, 8 Prozent aus den Benelux-Ländern, der Rest hauptsächlich aus Grossbritannien und Frankreich. Auffallend: Der TCS profitiert von einem hohen Stammkundenanteil. «Mit Glamping setzen wir auf eine neue Kundschaft», erklärt der CEO. Er spricht von traditionellen Campern, die mit ihren Fahrzeugen anreisen, von Opportunitätscampern, die entweder einmal pro Jahr oder nur alle drei Jahre einen Campingplatz ansteuern und dann eine Unterkunft mieten. Generell sei die Kundschaft sehr breit aufgestellt: von Traditionalisten am Anfang der Saison bis zu Rentnern, die zur Schulferienzeit mit ihren Enkeln die Ferien verbringen. Und in den Bergen würden Bergsportler und Geniesser dominieren. Die Saison reicht auf allen Plätzen jeweils vom Gründonnerstag bis Mitte Oktober.

Eine Vollblutgastronomin treibt die Gastronomie voran

Zum Gespräch im Restaurant Stäubis setzt sich Nathalie Spring (42) hinzu. Sie ist seit dem 1. Juli 2026 Leiterin Gastronomie mit Arbeitsort in Ostermundigen BE. Doch die Vollblutgastronomin, die ihre Karriere vor 24 Jahren im Haeberli’s Schützenhaus in Münchenbuchsee BE mit einer Servicelehre startete und das G1, das G2 und das G3 abgeschlossen hat, ist oft unterwegs zu den Standorten. «Vor Ort bespreche ich die Bedürfnisse der Betriebe, führe neue Kon­zepte ein und stehe mit Rat und Tat zur Seite, beispielsweise, wenn es um unser Kassensystem von Gastronovi geht.» Spring weiss, wovon sie redet. Sie war von 2014 bis Ende 2019 stellvertretende Geschäftsführerin des Alten Tramdepots in Bern und führte danach bis Februar 2022 die Bindella-Betriebe Kornhaus­keller und Più Kornhaus, ebenfalls in Bern. Seither kümmert sie sich zusätzlich als Projektleiterin Gastronomie & Shop um Restaurant- und Ladenkonzepte. Und als Vorgesetzte um die grösseren TCS-Restaurants wie das Ristorante & Pizzeria Bella Riva im Maggiatal TI, das Pier 11 in Solothurn, das Seebistro Thunersee BE, das La Plage in Estavayer-le-Lac FR oder das erwähnte Stäubis in Flaach ZH.

TCS Camping Flaach 010 20260702 DW WEB

Glamping ist auch in Flaach im Trend – und die Gastronomie ebenfalls. Deshalb startete Nathalie Spring am 1. Juli 2026 als Leiterin Gastronomie. Sie rapportiert an CEO Oliver Grützner (rechts im Bild). (Foto: Daniel Winkler)

«Die Restaurants sind auf gut verhandelte Konditionen angewiesen», erläutert Spring. «Wir unterzeichnen Volumenverträge mit den Grosslieferanten. Seit diesem Jahr ist das Pistor. Früchte und Gemüse beziehen wir jeweils regional. Hier in Flaach ist das Kellenberger aus Zürich, in Solothurn beispielsweise Forster, und in Estavayer beziehen wir unsere Frischwaren via Culture­food in Fribourg.» Sie habe seit ihrem Stellenantritt nicht das gesamte gastronomische Angebot des TCS auf den Kopf gestellt. «Vieles war vorher schon gut. Aber die Egliknusperli hatten beispielsweise zu viel Panade. Wir waren inklusive Oli Grützner rund zwölf Personen, die andere Knusperli durchtesteten. Und bei den Pommes frites haben wir uns für die Terroir Frites für die grösseren Restaurants und die Super Frites von Kadi für alle anderen entschieden. Insgesamt haben wir das Angebot in den diversen Betrieben gebündelt.» Konkret: In den Restaurants der TCS-Campingplätze gibt es überall die gleichen Randenfalafel, Pommes frites, den Campingsalat mit denselben Zutaten, die Pouletbrustknusperli (Chicken Nuggets) mit Schweizer Fleisch. Die Renner seien Pouletbrustknusperli, Egliknusperli und Burger, die jeweils mit regionalen Zutaten verfeinert werden, etwa mit anderen Käsesorten aus der Umgebung. Regionalität wird auch bei den Getränken inklusive Bier grossgeschrieben. «Diese müssen aber wie bei den Weinen massentauglich sein. Ein Primitivo geht immer», so Nathalie Spring. Softgetränke, Kaffee und Aperol Spritz werden am meisten bestellt. 

Gastronomie gehört zum Gesamterlebnis

Oliver Grützner betont: «Die Gastronomie macht ein Viertel des Umsatzes aus, bei der Rendite ist sie weniger bedeutend. Sie ist eine Knochenarbeit, die uns aber wichtig ist. Mit der Beherbergung und der Vermietung von Bodenparzellen verdienen wir am meisten Geld.» Wenn der TCS die Restaurants selbst betreibe, könne er auf mögliche schlechte Bewertungen reagieren. «Wir haben uns für die neugeschaffene Stelle von Nathalie Spring entschieden, weil das Volumen der Gastronomie eine selbstständige Führung braucht», begründet er. 
Mit diesem Entscheid unterstreicht TCS Camping die Bedeutung der Sparte. Allerdings muss letztlich die Rechnung aufgehen. «Die Campingaktivitäten sind in einer Aktien­gesellschaft zusammengefasst, die eine 100-prozentige Tochter des TCS ist. Wir sind zwar finanziell unabhängig, müssen aber unsere Investitionen selbst finanzieren und deshalb Gewinn erwirtschaften», erklärt der CEO. Die Restaurants gehören zum Gesamterlebnis eines Campingaufenthalts, das mit dem Einchecken beginnt. Grützner bestätigt: «Uns ist es wichtig, möglichst lokale, regionale und gesunde Speisen anzubieten. Letztlich entscheidet aber der Kunde, was er möchte.»
Der Druck, Geld verdienen zu müssen, sorgt dafür, dass sich TCS Camping weiterentwickelt. «Für nächstes Jahr stehen drei grosse Projekte an», verrät der CEO. Am Neuenburger­see kommt es zusätzlich zu 34 Unterkünften im Pfahlbaustil, im Herbst ist ein neuer Campingplatz im Ver­zascatal geplant, und in jenem in Flims GR werden 20 Unterkünfte dazukommen und der Campingbereich saniert. Hier wie dort gilt: Die Gastronomie wird immer wichtiger, obschon sie keine Renditeperle ist.