«Ein Bier darf etwas kosten»

Reto E. Wild – 29. September 2026
Die 2014 gegründete Simmentaler Braumanufaktur AG ausserhalb von Lenk BE gilt als Brauerei mit der schönsten Aussicht. Die Gründer setzen mit entsprechenden Expansionsplänen alles daran, dass auch die geschäftlichen Aussichten stimmen – und haben klare Botschaften an die Gastronomie.
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Mitgründer David Ziörjen (links) und der 32-jährige Produktionsleiter Mario Binggeli: «Wir bieten Schulungen für das Verkaufspersonal in der Gastronomie an.»

In der Schweiz gibt es gegen 1300 registrierte Brauereien. Sie kommt, gemessen an der Einwohnerzahl, auf eine der höchsten Brauereidichten weltweit. 2014, vor dem grossen Trend zu Craft­-beer, fassten die Freunde Björn Thoma, Tristan Mathys und David Ziörjen den Mut, mit der Simmentaler Braumanufaktur eine eigene Brauerei zu gründen. «Zwei, drei Jahre später fing fast jeder an, sein eigenes Bier zu brauen. Inzwischen haben viele ihr Vorhaben wieder aufgegeben. Wenn man Geld verdienen möchte, braucht es eine Cash Cow, und das ist in der Schweiz das Lagerbier», erklärt der Simmentaler Mitgründer und Unternehmer David Ziörjen. 

Mango Ale und asiatische Gerichte
Bei einer Jahresproduktion von 4000 Hek­tolitern pro Jahr, Tendenz steigend, ist auch bei der Simmentaler Braumanufaktur das Märzen (kräftiges, untergäriges Lagerbier mit Röstaromen vom Malz) das meistverkaufte Flaschenbier. Das Sortiment umfasst vier alkoholfreie Biere (bei einem internen Marktanteil von zehn Prozent), einen Cidre sowie neun alkoholhaltige Biere. Für die Betriebe bietet die Brauerei das Märzenbier mit personifizierter Etikette an. Das Hotel Huus in Gstaad BE sowie das The Home Hotel in Zürich mit seinem Restaurant Loulou haben von diesem Angebot profitiert. Interessant ist zudem das Mango Ale, ein fruchtig-goldenes Wheat Ale, das mit regionalem Bergwasser und Fruchtgeschmack gebraut wird. «Mango und Pale Ale passen sehr gut zu asiatischen Gerichten und schärferen Speisen, das Red Ale mit dem gerösteten Malz zu Fleisch, das Märzen zu Käse und Apéroplättli», rät der Bierspezialist. Zum Vertriebskanal sagt David: «Wir setzen ein Drittel unseres Volumens mit Events, ein Drittel über die Gastronomie sowie ein Drittel über unseren Webshop ab, wobei unser Simmentaler Brewhouse am Bahnhof Bern 20 Prozent des Umsatzes ausmacht.» Die Café-Bar wurde vor einem Jahr eröffnet, um die Marke und das Craft-Beer-Erlebnis in die Stadt zu bringen. Die Achse Lenk–Thun–Basel (Basel dank Björn und Tristan) gehört geografisch zum stärksten Absatzmarkt, in Zürich beispielsweise besteht noch Aufholbedarf. Um den Betrieb unabhängiger von den Widrigkeiten des Vertriebs zu machen, wird die Braumanufaktur aus Lenk Ende November 2026 ein zweites Simmentaler Brewhouse eröffnen. «Das wird ein Restaurant mit gehobenem Pub-Food mit Second Cuts sowie 130 Innen- und 80 Aussenplätzen, das dort eröffnet wird, wo jetzt das Elk Restaurant steht», verrät der 37-jährige Co-Gründer.

Bei der Stange nachfragen!
Seine Empfehlung an die Gastronomie: «Verlangt Preise, die gerechtfertigt sind. Ein Bier darf auch etwas kosten. Und führt ein ausgewogenes Sortiment! Viele bieten fünf verschiedene Lagerbiere an. Der Konsument aber schätzt die Auswahl.» David betont, dass seine Brauerei für die Gastronomie eine super Partnerschaft garantieren könne, sagt aber auch: «Wenn es nur um den Preis geht, sind wir die Falschen.» Gleichzeitig ist sich der Unternehmer bewusst: «Unsere beste Werbung in der Gastronomie ist das Verkaufspersonal. Wir bieten dazu Schulungen an. Wenn ein Gast eine Stange bestellt, erhält er in der Beiz meist ein Lagerbier. Das Personal sollte nachfragen, ob der Gast ein helles oder dunkles Bier oder ein Pale Ale möchte.» Das helfe der Simmentaler Braumanufaktur, aber ebenso den Betrieben, denn letztlich sorge das für ein schönes Gasterlebnis, was wiederum mehr Trinkgeld generiert.