Im Parkett und in der Galerie, da wo einst Kinogänger im Dunkeln sassen, ist nach Renovierungsarbeiten ein heller Raum entstanden, mit Tischen, Lounges, einer Bar und einer bunten Regalwand, die 1500 analoge Brett- und Kartenspiele beherbergt. Das täglich geöffnete Brettspielcafé (140 Plätze) ist ein Treffpunkt für die Spielecommunity von 6 bis 99 Jahre alt, ob Familie, eingefleischte Strategin oder neugieriger Erstspieler. Quasi ein Mix von Unospielern bis zu Nerds mit einem Faible für komplizierte Spiele. Auch Turniere, Pokemonkartenbörsen und andere Events sind möglich. «Wir möchten ein Begegnungslokal sein, wo Sozialkontakte gepflegt werden», sagt Raphael Bienz (44), Projekt- und Marketingleiter der Du Bisch Dra AG. «Und es soll Stammgäste geben, denn der Stammtisch verschwindet vielerorts immer mehr.» Alle sind willkommen. Der Einzeleintritt kostet 12 Franken, für Aficionados gibt es Jahresabos. «Man darf so lange bleiben, wie man will», so Raphael. «Durch den Eintritt nehmen wir den Gästen den Druck, gefühlt alle halbe Stunde etwas bestellen zu müssen.»
Lieferanten aus dem Quartier
Die Gastronomie ist ein Grundpfeiler des Konzepts, die Philosophie klar: Neben Kaffee, Tee und Softdrinks gibt es z. B. den Gin Tonic mit oder ohne Alkohol zum selben Preis, das gleiche bei Bier und Wein. Dazu gibt es Bistrogerichte, die zu jeder Tageszeit passen – und neben dem Spielen einfach zu essen sind. Das sind etwa warme Sandwiches wie ein Shokupan von der Tsugi Bäckerei mit einem Rinderbrisket der Metzgerei Angst oder ein Sandwich mit Rührei und Wiedikerli. «Unsere Lieferanten sind maximal drei Tramstationen entfernt, ebenso jene für Getränke wie Vivi-Kola, Vergani oder Turbinenbräu», führt Raphael aus. Hinter dem 2019 gegründeten Zürcher Unternehmen Du Bisch Dra AG stehen die vier Partner Florian Widmer, Adi Kölliker, Lena Kölliker und Raphael Bienz. «Wir wollen es ehrlich machen und im Quartier verankert sein», betont Raphael. Das gehöre genauso dazu wie den Charakter des Uto-Kinos bewusst zu bewahren, etwa die denkmalgeschützten Elemente wie das Foyer unter der Sternekuppel, das historische Billetthäuschen oder die rosa Neonblumen an der Saaldecke. «Das wird sehr geschätzt.»
Spielesommeliers: die Profis
Ganz ohne Gastrohintergrund ist Raphael nicht: Sein Grossvater führte das einstige Restaurant St. Jakob am Stauffacher, er selbst hat minime Erfahrung mit einem Pop-up-Café. «Doch hier brauchen wir Expertise, der Gastrobereich muss professionell geführt und sämtliche Auflagen erfüllt sein», sagt er. Dafür zeichnet der gestandene Gastronom Marcel Fivian (45) mit seinem Team von 12 Leuten verantwortlich. An Werktagen ist das Café zum Lunch ohne Eintritt zugänglich, bevor um 14 Uhr der Spielbetrieb beginnt. Am Wochenende wird bereits ab 10 Uhr gespielt. Ein weiterer Pfeiler: Das Caféfenster in der Eckschräge unter dem markanten Reliefkopf. Dieses ist wochentags bereits ab sieben Uhr morgens offen. Ein kluger Schachzug, der sich wirtschaftlich lohnen wird. Das Konzept des Brettspielcafés ist anders. «Eine Markteinführung ist immer ein Risiko», so Raphael. «Wir haben bereits einen Spiele-Onlinehandel mit einem Kundenstamm von 15 000 Leuten, das kann man gut zusammenführen.» Im Brettspielcafé arbeiten rund 15 Mitarbeitende (viele in Teilzeit) , die auch als Spielesommeliers tätig sind. Spielesommeliers? Raphael lacht. «Ja genau, Spielesommeliers. «Wie beim Wein erkennen sie, wie jemand tickt, was sie mögen und empfehlen das passende Spiel.» Es wird auch Open Tables geben, wo Einzelspieler auf Wunsch von Spielesommeliers zu einem Tisch geführt werden. «Das Brettspielcafé soll ein lebendiger Ort als eine Art Gegenläufigkeit zur digitalen Welt sein.» So, wie es das Kino Uto während fast 100 Jahren war.