Unscheinbar, in einem Wohnquartier zwischen Langstrasse und Kasernenareal in Zürich, liegt seit Kurzem eine der besten Bars Europas. Ende Juni wurde die Bar Late Bloomers in die Liste der besten 50 Bars Europas aufgenommen. Mit dem 44. Platz schafft es erstmals überhaupt eine Schweizer Bar auf die prominente und vielbeachtete Liste der Top-Adressen für Bars in Europa.
Der Vibe kommt vor dem Drink
Die Freude über die Auszeichnung ist bei den Betreibern der Bar riesig. «Es ist eine grosse Ehre, als erste Schweizer Bar überhaupt auf der Liste der besten Bars Europas zu stehen», sagt Mitinhaber Stylianos Kalemis. Der Grieche gründete die Bar im November 2022 zusammen mit seinen Kollegen Evangelos Dimitris und Aineias Chilas. Seither eilte die Bar von Erfolg zu Erfolg. 2023 gewann Kalemis die Swiss Cocktail Open, 2025 wurde die Bar vom Fachmagazin Mixology zur besten Bar der Schweiz ausgezeichnet.
Das Ziel, einst in den Top 50 Bars Europas zu stehen, war daher stets im Hinterkopf der drei Gründer. «Dass es aber so schnell passiert, haben wir nicht erwartet. Andere international erfolgreiche Bars mussten über zehn Jahre dafür arbeiten. Wir rechneten daher damit, dass wir noch drei bis vier Jahre auf die Auszeichnung warten müssen», gibt Kalemis zu.
Dass der Erfolg dennoch so früh eingetreten ist, führt er unter anderem auf den Vibe zurück, den die drei Gründer in der Bar etabliert haben. «Die Stimmung ist bei einer Bar das A und O. Man kann die besten Drinks der Welt mixen – wenn die Stimmung nicht gut ist, dann ist es die Bar auch nicht», sagt Kalemis. «Wir verstehen uns daher als Vibe-Managers, die Drinks, Musik und Ort zu einem echten Erlebnis für die Gäste vermischen.»
Gleichzeitig steckt hinter der Auszeichnung ein Bekanntmachen des eigenen Schaffens. «Wir gehen stets die Extrameile. Wir gehen aus der Bar raus und erzählen potenziellen Gästen und anderen Barbetreibern von unserem Konzept und unseren Ideen. Gleichzeitig haben wir uns mit anderen nationalen und internationalen Bars vernetzt und so eine gewisse Bekanntheit aufgebaut.»
Das Team hinter dem Late Bloomers (v.l.): Stylianos Kalemis, Vangelis Dimitris, Cassandre Wuarchoz und Aineias Chilas. (Bild: zVg)
Griechische Leichtigkeit trifft auf Schweizer Produkte
Ein Teil dieser Extrameile ist fest im Konzept der Bar verankert: Die Gäste sollen sich wohlfühlen. «Wir versuchen, den Gästen bei uns eine gute Zeit zu schenken. Wir servieren immer gratis Wasser und Snacks zu den Drinks, sind stets freundlich und authentisch. Es sind einfachen Sachen, aber die zeigen immer am meisten Wirkung», ist Kalemis überzeugt.
Ein zentraler Teil des Erfolgs ist das Getränkenangebot. Der Fokus liegt dabei auf eigens kreierten Cocktails. Dabei trifft mediterrane Leichtigkeit auf Schweizer Zutaten. Prominent dafür ist der Drink «Sloe and Steady», mit dem Kalemis 2023 die Swiss Cocktail Open gewann. Kreiert wird dieser mit Bergtee aus den Schweizer Alpen und Goldener Melisse aus dem Biosphärengebiet Entlebuch. Beim Mixen wird mit verschiedenen Techniken gearbeitet, auch aus der Küche.
Zweimal im Jahr wird die Karte ergänzt, Saisonalität spielt eine grosse Rolle. Inspiration für ihre neue Kreationen holen sich die drei Griechen in ihrer Heimat Griechenland oder in anderen Bars. «Die Bar-Community ist international sehr gross, daher kann man im Austausch immer etwas lernen», sagt Kalemis. Das Motto dabei: Neugierig und offen für Neues bleiben.
Mit Bar-Takeovers, bei denen Barkeeperinnen und -keeper aus aller Welt hinter dem Tresen der Zürcher Bar stehen, bringt das Late Bloomers zudem die besten Bars der Welt regelmässig nach Zürich. «Davon profitieren die Barkeeper, die Gäste und schlussendlich auch wir.»
«Es werden weitere Bars folgen»
Trotz all dieser Erfolge und hinterlassen die Herausforderungen der Schweizer Bar- und Gastrobranche auch Spuren im Late Bloomers. «Der sinkende Alkoholkonsum in allen Schichten der Gesellschaft, vor allem bei den jungen Generationen, ist finanziell eine Herausforderung», sagt Kalemis. Das sporne sie aber an, mehr mit alkoholfreien Alternativen zu experimentieren. «Wir müssen uns der Nachfrage anpassen, das ist nun mal der Weg.»
Und: Gerade weil vieles teurer und anspruchsvoller werde, gingen viele Menschen weniger aus und wenn, dann suchten sie gezielt nach Qualität. «Das verlangt von uns, dass wir den Gästen während ihres Besuchs ein gutes Erlebnis bieten. Dann kommen sie nämlich wieder.»
Für die drei Late Bloomer-Gründer ist klar: Das Late Bloomers wird nicht die einzige Bar bleiben, die den Sprung unter die besten 50 Bars Europas schaffen wird. «Die Schweizer Barszene erhält gerade erstmals international richtig Aufmerksamkeit. Es ist daher nur eine Frage der Zeit, bis andere Bars in der Liste auftauchen werden.»
Fürs Late Bloomers gilt fortan, den Platz in der Liste zu verteidigen. «Wir dürfen uns jetzt nicht zurücklehnen. Der Platz an der Sonne ist schön, aber man wird jedes Jahr neu bewertet. Daher werden wir weiter hart an uns arbeiten – vielleicht reicht es dann ja sogar noch weiter nach oben», sagt Kalemis mit einem Zwinkern.