Beat Imhof, Präsident GastroSuisse
«Die SVP-Initiative «Keine 10-Millionen-Schweiz» ist aus Sicht des Gastgewerbes ein gefährlicher Irrweg. Was als Ordnungspolitik verkauft wird, schafft in Wahrheit Chaos, insbesondere in arbeitsintensiven Branchen wie der Gastronomie. Die allermeisten Betriebe beschäftigen Mitarbeitende aus dem Ausland. Ohne diese Arbeitskräfte könnten viele Restaurants und Hotels ihren Betrieb nicht aufrechterhalten. Schon heute zwingt der Fachkräftemangel Betriebe dazu, Öffnungszeiten oder Angebote einzuschränken.
Die Initiative setzt die Personenfreizügigkeit mit der EU und damit den gesamten bilateralen Weg aufs Spiel. Die Folgen sind bedeutend steigende Preise, mehr Bürokratie, Rechtsunsicherheit und ein akuter Mangel an Arbeitskräften. Nicht nur das Gastgewerbe ist betroffen, sondern z. B. auch das Gesundheitswesen und die Landwirtschaft. Die Schweizer Bevölkerung altert rasant. In den kommenden Jahren scheiden deutlich mehr Menschen aus dem Arbeitsmarkt aus, als Junge nachrücken. Ohne Zuwanderung werden systemrelevante Bereiche nicht mehr wie gewohnt funktionieren.
GastroSuisse nimmt die Sorgen rund um Zuwanderung ernst. Es besteht grosser Handlungsbedarf. Unsere Branche investiert seit Jahren in Berufsbildung, Nachwuchsförderung und attraktivere Arbeitsbedingungen. Doch diese Anstrengungen allein reichen nicht aus, um den Fachkräftemangel zu kompensieren. Auch in Zukunft soll sich eine Schweizer Familie einen Restaurant-Besuch leisten können. Deshalb sagt GastroSuisse klar Nein zu dieser Chaos-Initiative.»
Martin von Moos, Präsident HotellerieSuisse
«Die «Chaos-Initiative» gefährdet zentrale Grundlagen, auf welche die Beherbergungsbranche angewiesen ist: stabile Rahmenbedingungen, genügend Fachkräfte und ein attraktives Angebot für Gäste. Ohne Personenfreizügigkeit würde sich der bestehende Fachkräftemangel insbesondere in operativen Bereichen wie Küche, Service, Réception oder Hauswirtschaft weiter verschärfen. Bereits heute ist es für viele Betriebe anspruchsvoll, genügend qualifizierte Mitarbeitende zu finden. Ein eingeschränkter Zugang zu Fachkräften hätte direkte Auswirkungen auf die Betriebe und letztlich auch auf die Gäste. Besonders kleinere und mittlere Betriebe würden zunehmend unter Druck geraten. Die Folge könnten steigende Preise und eine geringere Angebotsvielfalt sein. Die Initiative löst weder den Fachkräftemangel noch die Wohnraumfrage. Stattdessen schafft sie zusätzliche Unsicherheit für Betriebe, Mitarbeitende und Grenzregionen.
Am 14. Juni 2026 stimmen wir über die Vorlage ab. Für die Schweizer Hospitality-Branche stehen dabei wichtige Rahmenbedingungen auf dem Spiel. Deshalb ist es entscheidend, dass möglichst viele Menschen an die Urne gehen und diese Initiative ablehnen.»
Reto Nause, Präsident Schweizer Tourismus-Verband
«Diese Initiative trifft den Tourismus direkt – beim Personal, beim Angebot und letztlich auch bei der Nachfrage. Was die Initianten als Nachhaltigkeitsinitiative bezeichnen, ist in Wahrheit ein wirtschaftspolitisches Hochrisiko-Projekt. Die sogenannte Chaos-Initiative gefährdet den bilateralen Weg der Schweiz als Ganzes. Sie verlangt die Kündigung des Freizügigkeitsabkommens und löst damit eine Kettenreaktion aus, deren Folgen weit über die Migrationspolitik hinausreichen würden. Für den Tourismus wären die Konsequenzen unmittelbar spürbar: Der bereits akute Fachkräftemangel würde sich weiter verschärfen, Angebot und Qualität gerieten unter Druck und die Reputation der Schweiz als offenes, verlässliches und international vernetztes Reiseland würde geschwächt. Gerade der Tourismus ist auf engagierte Mitarbeitende, internationale Vernetzung und stabile Rahmenbedingungen angewiesen. Planungssicherheit und Verlässlichkeit sind zentrale Voraussetzungen für einen starken Tourismusstandort Schweiz.»