Das Piemont zu Gast in der Casa Ferlin

Reto E. Wild – 01. Juni 2026
Präsident Davide Gasperini persönlich reiste diese Woche nach Zürich und hatte interessantes Gepäck dabei: Er präsentierte die piemontesischen Weine seiner weitgehend unbekannten Kellerei Cascina Gilli im Monferrato. Fazit: Viel Wein für wenig Geld!

Im Piemont konkurrieren sich schätzungsweise gut 10 000 Winzer und Weinerzeuger. Es ist deshalb nicht ganz einfach, in der Heimat des Königs der Weine, des Barolo, die Übersicht zu bewahren.

Die Cascina Gilli, 1983 gegründet und rund 35 Kilometer von Asti entfernt, ist so etwas wie ein Boutiqueweingut mit einer Jahresproduktion von gegen 80 000 Flaschen – bei einer Rebfläche von elf Hektaren und elf verschiedenen Weinen. Gutspräsident Davide Gasperini, der Sohn des AS-Roma-Trainers Gian Piero Gasperini, stellte bei einer Stipp­visite im traditionsreichen Ristorante Casa Ferlin in Zürich seine Weine persönlich vor, die von Luca Bollati, Inhaber von Il Bianco & Il Nero in Luzern, exklusiv in die Schweiz importiert werden. Bollati, der vier Tage pro Woche im Service des Hotels Schweizerhof in Luzern arbeitet, startete sein eigenes Geschäft 2021 mit dem Verkauf von Trüffeln. Seit 2024 vertreibt er die Weine der Cascina Gilli und hat heute insgesamt fünf piemontesische Weingüter im Portfolio. Die Cascina Gilli kommt mit dem jungen Önologen Gianpiero Gerbi laut eigenen Angaben auf einen Exportanteil von 20 Prozent, was der Grund für die relative Unbekanntheit des Familienunternehmens ist.

Gasperini betont: «Wir wollen unsere Identität in die Weine bringen.» Dabei bezeichnet er die Traubensorten Freisa und Malvasia als «Seele» des Weinguts. «Barbera sind sehr wichtig für den Verkauf. Aber mit Freisa haben wir ein Alleinstellungsmerkmal.» Und die Gastronomie das perfekte Storytelling: Die Freisa, seit dem 15. Jahrhundert bekannt, sorgt für eine kräftige Säure und einen hohen Tanninanteil. DNA-Analysen gehen davon aus, dass die italienische Sorte Nebbiolo von der Freisa abstammt. 

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Die hausgemachten Ravioli in der Casa Ferlin sind Weltklasse – und perfekte Weinbegleiter. (Foto: Reto E. Wild)

Der Geheimtipp für den Hochsommer

Doch für die Gastronomie ist ein Kriterium viel entscheidender: Die Weine der Cascina Gilli sorgen für ein attraktives Preis-Genuss-Verhältnis, wie die Degustation in Zürich zeigte. Die erste positive Überraschung ist der Il Forno Freisa d’Asti 2024, der sich gradlinig und angesichts des Jahrgangs erstaunlich trinkig zeigt. Richtig viel Spass macht der Dedica 2022, ein Barbera d’Asti Superiore, der zu den besten Barbera Italiens zählt. Laut Bollati beträgt der Gastropreis für diesen Wein, der bei den Konsumenten sehr gut ankommen wird, rund 20 Franken! Für einen prickelnden Abschluss ist der Malvasia di Castelnuovo Don Bosco DOC besorgt: Der rote Dessertwein, der an einen Moscato d’Asti erinnert, hat lediglich fünf Prozent Alkohol und passt hervorragend zur Sommerzeit.

Gasperini hat zudem Neuheiten im Reisegepäck: Das Weingut, das heute schon rund 50 Prozent des Umsatzes mit Anlässen generiert und 3 Zimmer hat, wird mittelfristig bis zu 15 Zimmer zum Übernachten anbieten. Im September 2026 eröffnet zudem eine Küche, die Gerichte zubereitet, die zu den schönen Weinen passen. So wie die Mahlzeiten im Casa Ferlin, etwa dem Paradegericht, den hausgemachten Ravioli mit dem hauchdünnen Teig, oder das Kalbsfilet an Zitronensauce.