Vor 200 Jahren legte Aimé-Benjamin Mégroz mit dem Erwerb eines kargen Hangs oberhalb von Yvorne VD den Grundstein für das heutige Weingut Clos du Rocher. Emile Obrist hat es 1918 gekauft. Das steinreiche Terrain mit kalkhaltigem Untergrund gilt als anspruchsvoll – zugleich aber als vielversprechend für Weine mit Charakter. Mit Mauern, eingebrachten Erdschichten und einem Gewölbekeller im Fels entstand ein in sich geschlossener Clos, dessen Identität bis heute auf diesem Untergrund beruht.
Qualität aus den Reben
Seit 1918 finden die Weine Zugang zu Hotels und Restaurants der Schweiz. Fünf Jahre später ging das Weingut vollständig in den Besitz von Maison Obrist über. Als Teil der Schenk-Gruppe ist Clos du Rocher heut in eine international tätige Weinhandelsgruppe eingebettet. Für die vinologische Handschrift sind Léonard Pfister und Martin Suardet verantwortlich. Das Herzstück bildet der Chasselas Grand Cru – ein ikonischer Weisswein aus Yvorne. Der Jahrgang 2011 wurde am «Mondial du Chasselas» als weltbester Chasselas ausgezeichnet. Heute wachsen rund um die zehn Hektaren grossen Südlage-Rebberge Oliven- und Pfirsichbäume, um die Biodiversität zu steigern.
Alle Weine von Clos du Rocher werden in grossen Holzfässern ausgebaut, die teilweise über 100 Jahre alt sind. «Unsere Qualität kommt aus den Reben, nicht aus der Vinifikation allein», betont Léonard Pfister und erklärt, dass rein technisch gesehen Drehverschlüsse am besten sind. «Doch die Kunden verlangen nach Korken.» Der Önologe öffnet als erstes den Jahrgang 2019. Der Wein präsentiert sich auch nach 7 Jahren noch immer frisch.
Das Potenzial der Weine beweist der Jahrgang 2001, der für das GastroJournal geöffnet wird: Noten von Quitten und frischen Früchten. Der Wein präsentiert sich auch nach 25 Jahren wie ein zehnjähriger Weisswein: 17,5 Punkte. Pfister steigt noch tiefer in die Geschichte und entkorkt einen Yvorne Grand Cru Clos du Rocher 1990. Selbst dieser Jahrgang zeigt eine gewisse Frische und hat über die Jahre Noten von Honig und Mirabellen, gepaart mit einer dezenten Rauchnote, entwickelt: 17 Punkte.
Weisswein ist Trumpf
Ab diesem Jahr legt das Weingut jeweils 1800 Flaschen pro Jahrgang zur Seite und verlangt pro Jahr in Zukunft einen Zuschlag von einem Franken. Es lohnt sich, vom Yvorne Grand Cru Clos du Rocher jeweils zusätzliche Flaschen zur Lagerung einzukaufen. Kunden, die den Yvorne gerne frisch mögen, sollen junge Jahrgänge serviert bekommen. Wer jedoch ältere Yvorne-Jahrgänge bevorzugt, die zu gereiftem Käse, einem Steinpilzrisotto oder Geflügelgerichten passen, wird im siebten Weinhimmel sein.
Dazu nur ein Beispiel: Pfister empfiehlt, den Jahrgang 2015 des Yvorne Grand Cru Clos Rocher zehn weitere oder noch mehr Jahre zu lagern.
Worin unterscheiden sich die Appellation Yvorne Chablais AOC und das gut 25 Fahrminuten entfernte Weinbaugebiet Dézaley im Lavaux? Pfister sagt: «Beide Weine lassen sich gut lagern und sorgen für Mineralität. Die Weine aus Yvorne haben nicht die ausgleichende Wirkung des Lac Léman. Das heisst, dass es bei uns tagsüber heisser und abends kühler wird, was zu mehr Aromatik führt. Unsere Yvorne sind konzentrierte Weine.»
Neben jährlich rund 100 000 Flaschen Weissweinen produziert Clos Du Rocher 3000 Flaschen Rotweine pro Jahr. Dabei handelt es sich um eine 18 Monate im Barrique ausgebaute Assemblage, die Pfister Côtes du Rhône nennt, weil die Wärme oberhalb von Aigle an das französische Rhonetal erinnert. Bis anhin setzte sich dieser Wein aus Merlot, Syrah und Cabernet Sauvignon zusammen. «Nächstes Jahr kommt erstmals eine Assemblage auf den Markt, bei der wir Cabernet Sauvignon durch Cabernet Franc ersetzen. Den
Cabernet Franc haben wir vor zwei Jahren gepflanzt. Er gedeiht hier besser und sorgt für genügend Frucht und Säure», führt der Önologe aus.