Château Lagrange, seit 1983 im Besitz des japanischen Getränkekonzerns Suntory, gehört zum alten Bordeaux-Adel und schaffte die Aufnahme in die prestigeträchtige Klassifizierung von 1855, als 3e Grand Cru Classé. Die Rebfläche ist 118 Hektaren gross und zusammenhängend – eine Seltenheit in der Region Bordeaux. Lagrange mit seiner über 400-jährigen Geschichte zählt zur Rotwein-Appellation Saint-Julien zwischen den bekannteren Appellationen Margaux im Süden und Pauillac im Norden. «Wir befinden uns am höchsten Punkt in Saint-Julien», sagt CEO und Chefwinzer Matthieu Bordes bei seiner Visite in Zürich augenzwinkernd. Es sind 24 Meter über Meer…
Viel entscheidender für Gastronomen: Das solide Weingut Lagrange ist bekannt für sein faires Preis-Genussverhältnis (Bezug über Gerstl Weinselektionen, Martel, Mövenpick oder Millesima.ch). Die Weinberge sind mit Reben bepflanzt, die im Durchschnitt 40 Jahre alt sind (Bestockung: 67 Prozent Cabernet Sauvignon, 28 Prozent Merlot und 5 Prozent Petit Verdot). Diese alten Rebanlagen tragen wesentlich zur Qualität und Komplexität der Weine bei. «Unsere Weine werden in Barriques ausgebaut, die jährlich zu 60 Prozent erneuert werden. Wir haben drei verschiedene Rot- und zwei verschiedene Weissweine und kommen je nach Jahrgang auf rund 400 000 Flaschen pro Jahr», informiert der Einheimische Bordes, der die täglichen Abläufe und die Produktion leitet. Entscheidend für die Qualität seien drei Faktoren: das Terroir, den Zeitpunkt der Lese und Investitionen beim Verarbeiten der Trauben. Auf Lagrange kommen Scannercomputer zum Einsatz, welche die besten Trauben selektionieren. So könne dank zusätzlich bis zu 250 Helfern täglich Traubengut von 18 Hektaren verarbeitet werden.
Das im Bordeaux trockene Jahr 2025 werde ein sehr guter Jahrgang mit kleinen Traubenbeeren, die für konzentrierte Weine sorgen. Zum Vergleich: Eine Traube des Merlots wird normalerweise 1,5 Gramm leicht, 2025 wurde sie nur 1,2 Gramm.
Der seit 1983 produzierte Zweitwein von Château Lagrange heisst Les Fiefs de Lagrange. «23 Prozent unserer gesamten Weinproduktion bleibt in Frankreich, 73 Prozent exportieren wir. Die USA und Grossbritannien sind unsere wichtigsten Exportmärkte. Die Schweiz ist in den Top 5.» Das nicht öffentliche Weingut erhält auf Anfrage jährlich rund 4000 Besucher aus der Branche. Auf Einladung kann man in den 14 Zimmern des Schlosses übernachten.
Seit 2022, als erstmals nicht alle Weine «En Primeur» verkauft wurden, hat ein Teil der Bordeaux-Weingüter Absatzschwierigkeiten. «Konkurrenten verkauften ältere Jahrgänge, um die Löhne und Fässer zu bezahlen», räumt Bordes auf Anfrage ein. «Wir sind glücklich, dass hinter unserem Weingut ein Konzern steht, der ein schlechtes Jahr ausgleichen kann. Wir produzieren generell weniger Weine.» Zu schaffen macht der renommierten Weinregion, dass die Betriebe die Preise senken, um den Geldfluss zu beschleunigen; der chinesische Absatzmarkt habe sich seit Covid nicht erholt. Ein Weingut ist ein kapitalintensives Geschäft. Ein Bonmot sagt, wer als Milliardär ein Château kauft, wird zum Millionär.
Erstmals in einem Auslandmarkt präsentierte Matthieu Bordes den Château Lagrange Collection Héritage 2023. Der ausschliesslich in Magnumflaschen abgefüllte Jahrgang besteht aus 54 Prozent Cabernet Sauvignon und 46 Prozent Merlot. 2023 war ein sehr warmes Jahr, das zweitwärmste nach 2022, das für hohe Quantität und Qualität sorgte. In der Degustation zeigt sich der opulente Wein modern, mit Noten von schwarzen Kirschen und Vanille; 18 Punkte. Es lohnt sich, die Flaschen noch mindestens drei Jahre zu lagern. Generell empfiehlt Bordes: «Unsere Weine können nach vier Jahren getrunken werden. Aber sie lassen sich bis zu 40 Jahre lagern. Heute sind sie konzentrierter als in den 1990er Jahren.» Der degustierte Jahrgang 1983 hat den Zenit allerdings klar überschritten.
Besonders schön präsentiert sich derzeit der Château Lagrange 1990, aus je 44 Prozent Cabernet Sauvignon und Merlot sowie bei diesem Jahrgang erstmals mit 12 Prozent Petit Verdot. Der Jahrgang vereint Geschmeidigkeit und Kraft mit Konzentration und Eleganz. Reife schwarze Früchte, reife Tannine, würzige Noten von Gewürzen, Leder, Vanille und Zedernholz, 18,5 Punkte. Weitere starke Jahrgänge: 1996, 2000, 2003, 2009 und 2020.
Wie gut sich der Zweitwein hält, zeigt der Les Fiefs de Lagrange 2009 mit 57 Prozent Cabernet, 35 Prozent Merlot und 8 Prozent Petit Verdot. Würzig, Tabak, schwarze Johannisbeeren, 17,5 Punkte. Er lässt sich locker weitere zehn Jahre lagern.