Bundesrat plant ­Änderung bei Trinkgeldbesteuerung

Andri Nay – 18. Dezember 2025
Eine Motion von Mitte-Nationalrat Vincent Maitre fordert, dass Trinkgeld abgabenfrei wird. Gleichzeitig will die Politik die Berufsbildung stärken. GastroSuisse unterstützt beide Anliegen.

Trinkgeld ist heute nur dann abgabe- und steuerpflichtig, wenn es einen wesentlichen Anteil des Arbeitsentgeltes ausmacht. Weil im Gastgewerbe seit 1974 der Service in den Preisen einbegriffen sein muss, konnte die Ausgleichskasse davon ausgehen, dass Trinkgelder nur in geringem Ausmass geschenkt werden.

Nun beabsichtigt der Bund aber, die AHV-Verordnung anzupassen, sodass Trinkgelder im Gastgewerbe häufiger abgabepflichtig würden. Der Bundesrat könnte zum Beispiel einen Prozentsatz festlegen, über dem Trinkgelder generell abgabepflichtig werden. Diese Umsetzung dürfte viel Zeit beanspruchen. GastroSuisse fordert, dass Trinkgelder im Gastgewerbe abgabe- und steuerbefreit werden und unterstützt deshalb eine Motion des Genfer Nationalrats Vincent Maitre. Sein Vorstoss ist im historischen Kontext zu verstehen.

Geschichte des Trinkgelds

Bis 1974 waren Trinkgelder im Schweizer Gastgewerbe Lohnbestandteil. Das war einerseits mühsam für die Kundschaft, die das Trinkgeld – meist zu einem regionalüblichen Prozentsatz – selbst berechnen musste. Für die Angestellten war es andererseits damals erniedrigend, weil sie einen Teil ihres Lohns separat einkassieren mussten.

Mit dem Landesgesamtarbeitsvertrag von 1974 wurde dem Personal untersagt, Trinkgelder zu verlangen. Im Gegenzug erlaubte der Schweizer Wirteverband (heute GastroSuisse) eine einmalige Preiserhöhung um 15 Prozent. 1980 folgte die Coiffeurebranche, die das Trinkgeld ebenso abschaffte.

Trotzdem geben Gäste noch heute Trinkgelder, sogenannte Overtips. Denn eines hat die Geschichte gezeigt: Viele Gäste wollen einen guten Service mit einem Trinkgeld persönlich belohnen. Diese freiwilligen Beträge, die gemäss Bundesgericht eher Schenkungscharakter haben, sollen laut GastroSuisse vollständig dem Personal zugutekommen – so wie das bereits heute in Deutschland der Fall ist.