Zu den wichtigsten Weinregionen Israels zählen der Golan, Galiläa sowie die Gegend rund um die Hauptstadt Jerusalem. Doch mit der Yatir Winery wird sogar in der Negev-Wüste Qualitätswein produziert. Wichtigster Importeur israelischer Weine in die Schweiz: die Schmerling AG in Adliswil ZH.
Vom Chemiestudium zum Wein
Für die herausragendsten Weine des Landes sorgen die Weingüter Sphera und Tzora im judäischen Hochland, die Domaine du Castel vor den Toren Jerusalems, Château Golan – sowie Margalit. Das Boutique-Weingut befindet sich im Ort Binyamina im Bezirk Haifa im Nordwesten von Israel, südlich der Carmel-berge, und wurde 1989 von Yair Margalit gegründet. Er studierte Ende der 1970er-Jahre Chemie in den USA und entdeckte Tür an Tür mit den dort lernenden Önologen seine Liebe zu Wein, die er mit seinem Buch «Concepts in Wine Technology – small winery operations» startete.
«In den 1980er-Jahren habe ich Weine für Freunde produziert. 1989 kam es zum ersten Jahrgang», erzählt der Pionier und weinenthusiastische Quereinsteiger dem GastroJournal sowie Nitsan Granot, dem Sommelier des trendigen Restaurants Claro in Tel Aviv. Granot zählt zu den besten jungen Weinkennern des Landes.
Heute sorgt Yairs Sohn Assaf für grossartige Weine bei einer Jahresproduktion von nur 30 000 Flaschen. Mit drei Weiss- und acht Rotweinsorten ist der Sortenspiegel dennoch sehr breit. Die Rebberge stehen in Obergaliläa, bei Binyamina, in der Nähe des Städtchens Zichron Ja’akov am Südende des Carmelgebirges, das für kalkhaltige Böden bekannt ist. Die weissen Trauben, darunter Riesling (!), werden ab Ende Juli eingefahren, der Cabernet Franc Ende August / Anfang September. Alle Weintrauben von Margalit werden nur organisch gedüngt, von Hand geerntet und sind praktisch ausnahmslos in französischer Eiche ausgebaut. Yair und Assaf Margalit wagen es zudem als einzige Winzer Israels, auf künstliche Bewässerung ihrer Rebberge zu verzichten. Die Wurzeln graben sich metertief in den Boden, um an die lebenswichtigen Mineralien und an Wasser zu gelangen. Das Ergebnis sind konzentrierte, dichte Weine, die das Terroir beispielhaft ausdrücken.
Mit Château Petrus vergleichbar
«Zehn Prozent der Flaschen halten wir zum Lagern zurück», so Assaf Margalit. Und Granot urteilt: «Das Lagerpotenzial der Weine ist schier unglaublich. Der Enigma 1994 zeigt sich jetzt grossartig.» Im Restaurant Claro gehören der Cabernet Franc 2002, der Merlot 2000 und der Enigma 2016 zu den besten Weinen auf der Karte. «Der Enigma konnte in Blinddegustationen mit dem Bordeaux-Produzenten Château Petrus mithalten», weiss Granot. Also machen wir uns an die Degustation dieses Enigma: Der 2016er, eine Bordeaux-Mischung, besteht aus 46 Prozent Cabernet Sauvignon, 40 Prozent Merlot, 10 Prozent Cabernet Franc und 4 Prozent Petit Verdot. Betörende Noten von Kirschen und einem Hauch von Milchschokolade. Der Wein sollte noch zwei, drei Jahre im Keller gelagert werden, 18 Punkte. Geradezu begeistert sind wir vom Cabernet Franc 2011 (91 Prozent), der auch noch aus Cabernet Sauvignon (6 Prozent) und Merlot (3 Prozent) besteht und sich jetzt perfekt präsentiert: schwarze Früchte, Schokolade, konzentriert, 19 Punkte! Der Cabernet Sauvignon 2023 zeigt sich erstaunlich zugänglich: 18 Punkte. Der trinkige Paradigma GSM 2023 besteht aus den Rhonetalsorten Syrah (58 Prozent), Grenache (27 Prozent) und Mourvèdre (15 Prozent) und verfügt über ein ausgezeichnetes Preis-Genuss-Verhältnis. Er kostet ab Hof umgerechnet 35 Franken, 17,75 Punkte.