Besucherrekord vor traumhafter Bergkulisse und stahlblauem Himmel: Rund 500 Gäste finden sich zum 12. Samnauner Gipfelgenuss im Panoramarestaurant Sattel auf 2488 Meter über Meer ein. Zehn Samnauner Restaurants, lokale Produzenten sowie Champagner-, Bier- und Weinproduzenten machen den Gipfelgenuss zu einem stimmungsvollen Auftakt in den Samnauner Bergsommer, begleitet von Alphornklängen und Livemusik.
«Wir haben viel zu bieten mit guten Köchen, heimischen Produkten wie von der Metzgerei Plangger oder der Sennerei Samnaun und müssen uns nicht verstecken. Eine Zeit lang haben nicht alle Betriebe bei unserem Gipfelgenuss teilgenommen. Jetzt merken sie, dass wir gemeinsam profitieren können. Bis auf einen Samnauner Koch, der sich die Schulter gebrochen hat, sind alle zehn dabei. Der Anlass ist ein Mehrwert für Samnaun und zeigt, was wir gastronomisch draufhaben», sagt Daniel Eisner, Gastgeber im Hotel Chasa Montana in Samnaun und treibende Kraft hinter dem Anlass.
Alte Vorurteile ablegen
Seine Frau Carina ergänzt, sie hätten Stammgäste, die nur im Winter nach Samnaun reisen. «Mit dem Gipfelgenuss können wir sie im Sommer locken. So merken sie, wie toll es hier auch zur warmen Jahreszeit ist. Inzwischen haben wir einige Gäste, die nur wegen des Gipfelgenusses bei uns übernachten.» Das Chasa Montana habe 2026 den besten Winter seit dem Umbau im September 2022 realisiert, und die Buchungslage diesen Sommer sei so gut wie seit Corona nicht mehr. Ihr Mann begründet: «Wir haben uns als Fünfsternehotel etabliert und erhalten gute Bewertungen. Meine Frau umsorgt unsere Gäste von früh bis spät. Das macht sich bezahlt.»
Der Gipfelgenuss ist aber auch eine Antwort auf die Tatsache, dass die Destination Samnaun aufgrund ihrer geographischen Lage im äusserten Osten des Kantons Graubünden oft vergessen geht. «Wir waren lange bekannt für billiges Benzin, billigen Alkohol und billige Zigaretten. Der Imagewandel gelingt vor allem dank der Kulinarik», sagt Daniel Eisner. Und er lobt den visionären Hubert Zegg von der Besitzerfamilie des Relais & Châteaux Chasa Montana, der bereits Ende der 1970er Jahre einen touristischen Schulterschluss mit Ischgl/Paznaun im Tirol initiierte.
Hochkarätiges Line-Up
So ist es kein Wunder, dass Sternekoch Martin Sieberer, der die Kulinarik im Trofana Royal Hotel in Ischgl verantwortet, zum zweiten Mal beim Gipfelgenuss dabei ist – mit seinen Söhnen Thomas und Michael, die heute Küchenchefs im Trofana Royal mit seinen beiden Haubenlokalen sind. Die drei Sieberer bereiten eine angeräucherte Fjordforelle mit Sandelholz, Calamondinorangen, Schafsjoghurt und Gurke zu. «Dieses Gericht passt in die Berge und in die Region. Mit der Vinaigrette und dem Schafsjoghurtschaum ist das das perfekte Sommergericht. Wir wollen ja die Sommerfrische bewerben. Das ist unsere Antwort darauf, wenn die Gäste aus dem Flachland über die Hitze stöhnen», begründet Martin Sieberer die Wahl. Seine Söhne seien schon seit drei Jahren im Betrieb. «Sie fangen an, Verantwortung zu übernehmen, und ich hoffe, dass sie mich bald aus der Küche drängen...», sagt der stolze und erfolgreiche Vater.
Ein Ziehsohn des 18-Punktekochs ist Bernd Fabian, der heutige Küchenchef des Chasa Montana. Er hat sich für Tiroler Bergsaibling, Bündner Quarkpizokel, Peperoni, ein gebratenes Salatherz und Zefir-Kaviar entschieden. Fabian freut sich: «Ich finde die Verbindung von Samnaun zu Ischgl super. Wir teilen uns nicht nur ein Skigebiet, sondern auch die Liebe zur Kulinarik. Ich habe bei Martin zwei Jahre gearbeitet und bin mit ihm noch heute beruflich und privat freundschaftlich verbunden.»
Fabian ist Chef von 16 Köchen und 5 Hilfskräften und würde sich freuen, den Michelin-Stern zurückzuerobern, den er völlig überraschend vor zwei Jahren verloren hatte. «Wichtig ist aber, unsere Gäste weiterhin zu begeistern.» 60 Prozent der Klientel des Chasa Montana sind Stammkunden.
Erstmals auf dem Gipfel ist der Ostschweizer Winzer Roman Rutishauser, dessen Betrieb schon seit 20 Jahren mit dem Chasa Montana arbeitet, das dank den Gastgebern sowie Diplomsommelier Thomas Monsberger über einen Weinkeller mit rund 2000 verschiedenen Flaschen aus 20 Ländern verfügt. Manchmal gibt es im Fünfsternehotel, das schweizweit in dieser Kategorie für die mitunter tiefsten Preise sorgt (Doppelzimmer ab 300 Franken inklusive Frühstücksbuffet und 1500 Quadratmeter grosses Spa!), den Kerner Buchberg 2021 von Roman Rutishauser im Offenausschank.
Martin Sieberer mit seinen Söhnen Thomas (links) und Michael (Foto: Reto E. Wild)
«Das Chasa Montana hat mich angefragt, ob ich am Gipfelgenuss dabei sein möchte. Ich habe mir das nicht zweimal überlegt. Das ist für uns eine schöne Plattform», sagt Rutishauser. Sein Weingut führt 16 verschiedene Weine. In Samnaun hat Rutishauser einen schönen Rosé brut 2024 mitgebracht, den klassischen Riesling-Sylvaner 2025, den Kerner 2025, den Sauvignon blanc 2025, die «Sinfonie Ruebet» Pinot Noir 2022 sowie die Grandezza 2022, eine Cuvée aus Diolinoir und Cabernet Dorsa. «Der Kerner ist unser USP, Sauvignon Blanc ist noch immer voll im Trend», so der Winzer.
Neben den Gourmetgerichten sorgt beispielsweise der Samnauner Betrieb El Rico für Pulled-Pork-Burger mit Eisbergsalat, Das Homann im Hotel Astoria für Gerstenrisotto mit Hirschwurst, Kräuteröl und Bergkäseschaum. Am Stand von der Bäckerei Rechsteiner wird Samnauner Nusstorte, Biarabrot und Linzertorte offeriert. Und für diesen grenzüberschreitenden Event mit seiner vielfältigen Kulinarik, der von 11.30 bis 15 Uhr über die Bühne geht, bezahlen Erwachsene mit Gästekarte tatsächlich nur 53 Franken!
Daniel Eisner (rechts), Gastgeber im Chasa Montana, und sein Küchenchef Bernd Fabian am Stand von Laurent-Perrier (Foto: Reto E. Wild)
Winter bleibt Hauptsaison
Mario Blasisker, seit Sommer 2023 gastronomischer Leiter von Bergbahnen Samnaun und Gastgeber des Gipfelgenusses, betont: «Unser Anlass ist ein Miteinander von allen Betrieben. Es geht nicht ums Geldverdienen. Das ist eine Aktion zum Geniessen.»
Blasisker verantwortet 5 Betriebe, 11 Outlets, im Winter 176 Gastromitarbeitende, im Sommer die 24 im Panoramarestaurant Sattel. Im grenzüberschreitenden Skigebiet der Silvretta Arena müssen er und seine Crew bis zu 17 000 Tagesgäste bedienen. Der Gastronom ist mit einer Qualitätsoffensive auf dem Berg angetreten: Klasse und Qualität statt Masse.
«Das ging schon beim Einkauf los. Wir haben im Hintergrund in die Technik investiert, in Gläser, Teller, neue Kühlanlagen», verrät er. Das Grillhendl wird beispielsweise heute mit einer neuen Gewürzmischung zubereitet, der Burger wird mit Brioche vom einheimischen Bäcker eingeklemmt. Das Fleisch stammt vom Tiroler Oberland. Regionalität spielt eine grosse Rolle. Aperol Spritz fehlt bewusst auf der Karte. Jede Hütte hat eigene Spezialitäten, Klassiker wie Kaiserschmarrn gibt es hingegen überall. Der Erfolg gibt Blasisker recht: «Wir haben den gastronomischen Umsatz auf dem Berg innerhalb von drei Jahren um 34 Prozent erhöht. Im Winter erreichen wir einen Nettogastroumsatz von 10,5 Millionen Franken.»
Der Winter ist für Samnaun nach wie vor die wichtigste Saison. Doch Veranstaltungen wie der Gipfelgenuss locken mehr und mehr Gäste im Sommer an. Das gilt auch für die Schweizer Genusswoche in der Region Engadin und Samnaun. Sie findet jährlich im September statt. Das Programm wird noch ausgefeilt.