Drei Tage im Jahr ist der ehemalige Armeeflugplatz in Interlaken BE in fester Hand der Rockfans. Am Greenfield Festival kommen sie zusammen, um internationale Top-Acts wie Slipknot oder Avenged Sevenfold zu sehen und abzufeiern.
Während auf und vor den Bühnen gesungen, getanzt und gerockt wird, wird hinter den Kulissen des Megaevents Grosses geleistet. Unter der Leitung von TV-Koch und Gastgeber René Schudel übernehmen rund 50 Lernende das komplette Backstage- und Crewcatering. Sie alle hatten sich im Rahmen des Projekts «Raus aus der Komfortzone», welches in diesem Jahr zum achten Mal stattfindet, beworben, um ein Teil Schudels Crew zu werden. Das Projekt setzt sich zum Ziel, dem Fachkräftemangel im Gastgewerbe entgegenzuwirken und sie für ihre Berufe zu begeistern.
«Wir wollen mit dem Projekt den Lernenden die Möglichkeit geben, ihren Horizont zu erweitern und für ihren Beruf, egal ob in der Küche, im Service oder der Backstube, zu brennen», sagt René Schudel. Die Lernenden sollen spüren, wie wertvoll ihre Arbeit im Gastgewerbe ist und stolz auf ihre Arbeit sein dürfen. Die 50 Plätze seien in diesem Jahr schnell besetzt gewesen. «Allerdings stelle ich vermehrt fest, dass die Betriebe ihre Lernenden immer weniger gerne an unser Projekt gehen lassen», sagt Schudel. Einerseits zeigt er Verständnis dafür, schliesslich sind die Lernenden in vielen Betrieben essenzielle Arbeitskräfte. «Andererseits machen die jungen Nachwuchskräfte in den Tagen, an denen sie bei uns sind, viele wertvolle Erfahrungen und knüpfen dabei zahlreiche Kontakte, welche für den Rest ihrer Karriere im Gastgewerbe von grosser Bedeutung sein können.» Dies helfe am schlussendlich den Betrieben, ihre Fachkräfte nach der Ausbildung im Betrieb oder der Branche zu halten.
GastroSuisse und HGU kooperieren
Umso mehr zeigt sich Schudel davon begeistert, dass sich neben der Hotel & Gastro Union (HGU) 2025 erstmals auch GastroSuisse im Rahmen der Initiative Avanti! sich am Projekt beteiligt. «Es ist aus meiner Sicht wichtig, dass Arbeitnehmer- und Arbeitgeber verband am gleichen Strang ziehen und das Problem des Fachkräftemangels gemeinsam angehen», so Schudel. Nur gemeinsame Strategien könnten helfen, dem Problem langfristig Herr zu werden. Davon ist auch Fabienne Ballmer, Präsidentin von GastroBaselland, überzeugt. «Die Zusammenarbeit der beiden Verbände vereinfacht einerseits die Lösungsfindung für Probleme der Branche, andererseits sensibilisiert es beide Seiten für die Position und die Bedürfnisse des jeweiligen Verbands», sagt sie. Mit dem gemeinsamen Engagement am Greenfield-Festival rückten die beiden Verbände näher zusammen.
Zusammenrücken tun auch die Lernenden. Das wird beim Blick in die Küchen am Greenfield deutlich. An jeder Station wird konzentriert und mit grossem Elan gearbeitet. Die Motivation des Branchennachwuchs ist spürbar – auch bei Manuel Eggimann, welcher bereits zum zweiten Mal bei «Raus aus der Komfortzone mit dabei ist. «Ich kann hier sehr viel Neues kennenlernen und mit Produkten arbeiten, die ich im Betrieb kaum oder wenig verwende», sagt der Kochlernende im zweiten Lehrjahr. Daneben gefällt dem 17-Jährigen die Stimmung im Team. «Ich lerne viele neue Menschen aus der Branche kennen und erhalte einen Einblick in deren Berufsfeld. Das motiviert sehr und ist für mich eine wertvolle Erfahrung.»
Dem stimmt Anina Ulrich, ebenfalls Teilnehmerin des Events, zu. «Ich arbeite in einem reinen À la carte-Betrieb im Service. Das ist ein vollkommen anderes Arbeiten als ein Cateringbetrieb, wie wir ihn am Greenfield betreiben. Aber: Es macht sehr viel Spass und es ist interessant, andere Facetten unserer Branche kennenzulernen.»