Zum zweiten Mal fand am vergangenen Dienstag die «Zurich Experience - Summit for Urban Tourism» im Circle am Flughafen Zürich statt. Eingeladen zu diesem Kongress hatte ein weiteres Mal Zürich Tourismus, welche den Anlass 2024 ins Leben gerufen hatte. «Schön, dass so viele unserer Einladung gefolgt sind», begrüsst Zürich Tourismus-Präsident Guglielmo L. Brentel die über 300 Teilnehmenden. Der Tourismus befinde sich, vor dem Hintergrund der zahlreichen globalen Herausforderungen und Krisen, in einer speziellen Situation. «Der starke Franken, die Kriege in der Ukraine und im Nah-Ost und die Unsicherheit beim Thema USA betreffen uns alle, auch den Tourismus», so Brentel. Der Kongress wolle daher nicht nur die grossen Fragen aufwerfen, sondern auch gemeinsam mit seinen Teilnehmenden nach Lösungen suchen.
Dies tat der Kongress mit Vorträgen und Breakout-Sessions mit einigen hochkarätigen Gästen. Philosoph Richard David Precht eröffnete den Tag mit einer weiten Perspektive auf Chancen und Risiken der KI und blickte mit grosser Sorge in Richtung USA. «Ich befürchte, dass die Art, wie US-Präsident Donald Trump Politik macht, weltweit Schule machen wird.» Dies sei eine Gefahr für die ganze Welt – letztendlich auch für den Tourismus.
Weiter zeigte Zukunftsforscher Joël Luc Cachelin Szenarien für resiliente Städte, in denen Kultur, Architektur und Design zu Erlebnisachsen verschmelzen. Longevity-Expertin Anna Erat und UBS-Spezialistin Veronica Weisser beleuchteten die Folgen des demografischen Wandels für Reisen und Gesundheitstourismus. Gleichzeitig zeigte sie die aktuelle Situation und die Chancen für den Gesundheitstourismus in der Schweiz auf. Es zeigt sich: Der Sektor wächst und wird es auch in Zukunft tun.
Wie weiter mit den USA?
Auf viel Interesse traf das Input-Referat von Rahul Sahgal, CEO der Swiss-American Chamber of Commerce. Er nahm zum aktuellen Zollstreit zwischen den USA und der Schweiz Stellung und zeigte auf, wie wichtig Resilienz, Flexibilität und vorausschauendes Handeln für Tourismus und Wirtschaft sind. «Dabei kann Tourismus eine wichtige Rolle spielen. Er kann der Schweiz helfen, die bilateralen Beziehungen zwischen den beiden Nationen zu verbessern, auch wenn der Zollstreit aktuell keine guten Voraussetzungen bringt.» Von einer Abkehr der Schweiz gegenüber den USA im Zuge dieses Streits, infolge dessen 39 Prozent Zölle auf diverse Schweizer Produkte anfallen, hält Sahgal indes nichts. «Die USA ist einer der grössten bilateralen Exporthandelspartner der Schweiz. Fast 20 Prozent aller Exporte aus der Schweiz gehen in die USA. Eine vollkommene Abkehr wäre für die Schweizer Wirtschaft ein grosses Risiko.»
Inwiefern dieser Zollstreit Auswirkungen auf den Tourismus haben wird, liesse sich lauf Sahgal nur schwer vorhersagen. Aber: «Der Einzeltourist wird sich davon kaum beeinflussen lassen. Die Schweiz hat mit ihrer Natur und ihren Bergen eine grosse Anziehungskraft. Gleichzeitig können es sich viele Amerikanerinnen und Amerikaner leisten, in die Schweiz zu reisen.» Eine mögliche Veränderung sieht er höchstens beim Geschäftstourismus.
Gleiches sagt Thomas Wüthrich, Direktor von Zürich Tourismus, beim Podium zum Thema aktuelle und zukünftige Märkte. «Ich denke nicht, dass wir aus dem aktuelle Zollstreit einen direkten Effekt beobachten werden. Aber: der Geschäftstourismus hat sich bereits abgekühlt.» So würden europäische Firmen, die in den USA tätig sind, unter anderem Pharmafirmen, auf die Kostenbremse treten und so weniger Geschäftsreisen unternehmen. «Das bereitet mir als Direktor von Zürich Tourismus aktuell mehr Sorgen als der amerikanische Individualgast», so Wüthrich.
Gleichzeitig seien Märkte wie Indonesien, Brasilien und Indien sehr wichtig oder würden es noch werden. «Immer mehr Menschen können sich das Reisen leisten, was für die Schweiz ein grosses Potential birgt», so Wüthrich. Sara Roloff, CEO der Swiss Travel System AG, verweist zudem auf den noch relativ unbekannten Markt Mexiko hin. «Mexiko ist mit seiner jungen und aufstrebenden Bevölkerung 'The new Kid on the Block'.»
Ein zufriedener Gastgeber
Neben den grossen Themen KI und USA mit all ihren Chancen und Herausforderungen öffnete der Kongress sein Blickfeld für andere Themen. So sprach Dr. Veronica Weisser von der UBS über den demographischen Wandel in der Gesellschaft und dessen Einfluss auf Produkte und Fachkräfte. Zudem forderte Christian Jott Jenny, Gemeindepräsident von St. Moritz mehr kreative Unordnung in Zürich und mehr Kultur für den Tourismus.
Mit diesem Programm zieht der Tourismuspräsident Brentel am Ende des Tages ein positives Fazit. «Wir wollten nicht nur die grossen Fragen aufwerfen, sondern auch gemeinsam nach Lösungen suchen. Die «Zürich Experience» ist kein klassischer Branchentreff, sondern ein Forum, das neue Perspektiven für den Tourismus von morgen eröffnet.»
Das soll auch in den kommenden Ausgaben so bleiben. «Unser Anspruch ist es, die «Zürich Experience» als Plattform für Innovation und Austausch im Städtetourismus zu etablieren. Dazu bringen wir Fachleute aus Tourismus, Politik, Wirtschaft und Gesellschaft zusammen, um gemeinsam den urbanen Tourismus der Zukunft zu gestalten», so Zürich Tourismus-Direktor Thomas Wüthrich.