Gemüseabschnitte entsorgen? Nein!

Corinne Nusskern – 13. Januar 2026
Bei einer Live Cooking Challenge, organisiert von Responsible Hotels of Switzerland, zeigen die zwei Spitzenköche Max Vetter und Hansjörg Ladurner wie es auch anders geht – analog Esther Kerns neustem Kochbuch «Taste Not Waste».

Freundschaftliche Kontrahenten

«Es ist ein Food-Save-Buch, denn redet man von Abfall, kommt dies nicht bei allen Leuten gut an», sagt Kern augenzwinkernd. Es sei ein Sachbuch mit Rezepten, bei dem sie selbst viel gelernt habe. «Ich wusste vorher nicht, dass man aus altem Brot Gnocchi oder aus Käserinden ein Dashi machen kann.» Inzwischen wabern erste Aromaschwaden durch den Raum. «Brauchst du Hilfe, Max?», fragt Ladurner. «Danke nein, es geht», antwortet Vetter. Die zwei Kontrahenten sind sich freundschaftlich gesinnt. «Wir würden die Million dann teilen», scherzt Ladurner.

Beide kreieren als Vorspeise einen Brotsalat, die jedoch unterschiedlicher nicht sein könnten: Der gebürtige Südtiroler Ladurner setzt auf  Brot mit Apfel, Knoblauch und Zwiebeln, ergänzt mit Käserinde für den Umamikick und einen Rauchkastanienschaum. Vetter orientiert sich am libanesischen Fattoush-Salat, mixt geröstetes Gemüse dazu sowie einen Klecks Labneh und Granatapfelkerne.

Kein Fleisch, aber gefrässige Hirsche

Welches Produkt wäre für Vetter eine eher unangenehme Überraschung gewesen? «Fleisch hätte mich herausgefordert», sagt der gebürtige Kölner, der im Bazaar primär auf vegetarische und vegane Gerichte setzt. Über die Pilzabschnitte ist er erleichtert, er steckt sie für den Hauptgang zu einem Shawarma auf einen Metallspiess und grillt sie über Bambuskohle. Dazu serviert er dünne Haris­sa-Apfelscheiben und ein mit Sumac gewürztes Zwiebel-Koriander-Salätchen.

Ladurner, der im Scalottas Terroir konsequent regional kocht, verarbeitet die Pilzstiele zu einem Geschnetzeltem mit Lauchgrün, garniert mit einem Dreierlei an Bergkartoffel-Chips und setzt beides auf ein Püree aus Ackerbohnen. Diese stammen vom eigenen Acker auf 1300 m ü. M. «Im zweiten Jahr haben die Hirsche unsere Ackerbohnen entdeckt und 50 Prozent der Ernte vernichtet, ich habe dann als Gegenreaktion Hirschpfeffer auf die Karte genommen – und einen zwei Meter hohen Zaun erstellt.»

Food Save ist überall möglich. Während es zu Grossmutters Zeiten alltäglich war, Resten zu verwerten und haltbar zu machen, hat unsere Überflussgesellschaft diesen Ansatz sowohl ökologisch, ökonomisch und ethisch etwas aus dem Blick verloren. Deswegen tut jedes Buch und jede Aktion not.

Und wer hat die Live Cooking Challenge nun gewonnen? Beide Köche sowie jede und jeder Einzelne von uns. Denn Food Save geht uns alle an.